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Full text: 67, 1939

Wattenberg, H.: Die Entstehung der sauerstoffarmen Zwischenschicht im Ozean, 265 
Ursache der beiden Teilminima wären, In diesem und in ähnlichen Fällen gibt 
die Sauerstoffverteilung zwar einen Hinweis auf die Lage der — durch ein inter- 
mediäres Sauerstoffmaximum gekennzeichneten — Stromkerne, aber nicht der 
Stromgrenzen. 
Die Grundannahme der dynamischen Hypothese, nämlich die Annahme 
annähernd gleichmäßiger Sauerstoffzehrung unterhalb der planktonreichen ÖOber- 
flächenschicht, 1äßt die bereits früher begründete Auffassung von dem Vorhanden- 
sein eines starken vertikalen Gradienten der Sauerstoffzehrung außer acht, ohne 
diese Auffassung zu widerlegen. Auch von anderer Seite ist neuerdings wieder- 
holt betont worden, daß die biologisch-chemischen Faktoren bei einem Erklärungs- 
versuch keinesfalls unberücksichtigt bleiben dürfen?), An einem hypothetischen 
Beispiel hat Seiwell gezeigt, daß innerhalb einer nur durch seitliche Zufuhr 
gespeisten Wasserschicht ein Sauerstoffminimum entstehen muß, wenn Sauerstoff- 
zehrung und Zufuhr mit verschiedenem Gradienten nach der Tiefe abnehmen, 
Trotz großer Ähnlichkeit der Grundauffassung unterscheidet sich die Erklärung 
Seiwells von der unsrigen dadurch, daß wir der Sprungschicht einen wesent- 
lichen Anteil an der Entstehung des Hauptminimums zuschreiben, 
Zur Stützung der dynamischen Theorie wird gelegentlich angeführt, daß 
sich die Sauerstoffverteilung ausgezeichnet dem hydrographischen Aufbau einfüge, 
daß insbesondere der Kern des Minimums dem stärksten Temperaturgradienten 
folge. Diese Übereinstimmung bedeutet jedoch nichts anderes, als daß die 
Dichtesprungschicht für die Entstehung des Sauerstoffminimums maßgebend ist, 
indem sie die Zufuhr des Sauerstoffs aus der Oberflächenschicht einschränkt 
oder unterbindet, Das gilt auch für die von G. Dietrich?) zur Kennzeichnung 
der Stromgrenzen im Bereich des Golfstromes und Agulhasstromes herangezogenen 
Sauerstoffminima. 
Die dynamische Theorie verliert übrigens in den meisten Fällen von vorn- 
herein ihre innere Berechtigung, wenn man mit G, Dietrich die dynamische 
Bezugsfläche allgemein als Grenzfläche zwischen zwei Zirkulationsgliedern auf- 
faßt, unabhängig davon, ob diese sich gegeneinander, miteinander oder in irgend- 
einem Winkel zueinander bewegen. Nur in einem kleinen Teil der Fälle, wenn 
nämlich annähernd entgegengesetzte Stromrichtungen vorliegen, wären überhaupt 
die Voraussetzungen für die Anwendung der dynamischen Theorie gegeben. So 
ist es auch vom Standpunkt dieser Theorie aus nicht wahrscheinlich, daß sich 
an der oberen Grenze des Zwischenwassers ein Sauerstoffminimum ausbildet, 
denn die Bewegung der oberhalb angrenzenden subtropischen Unterströme ist 
von etwa 30° S bis zum Äquator von Süden nach Norden gerichtet, also gleich- 
sinnig mit der Bewegung des Zwischenwassers. 
Beziehungen zwischen Sauerstoffminimum und Phosphatmaximum, 
Da der Verbrauch des Sauerstoffs und das Freiwerden der Phosphorsäure 
durch den gleichen Prozeß, nämlich den Abbau organischer Substanz erfolgt, 
muß man von vornherein enge Beziehungen zwischen der Verteilung dieser beiden 
Elemente erwarten. Tatsächlich konnte schon auf der „Meteor-Expedition“ 1925 
bis 1927 festgestellt werden, daß einer Sauerstoffarmut im Tiefenwasser ein 
Phosphatreichtum entsprach. So finden wir dort, wo das intermediäre Sauer- 
stoffminimum ausgebildet ist, ein Phosphatmaximum, und wenn wir den Zuwachs 
an Phosphat in Richtung der Tiefenwasserbewegungen betrachten, wie wir es 
beim Sauerstoff taten, so finden wir einen ähnlichen Unterschied im Phosphat- 
zuwachs zwischen dem antarktischen Zwischenwasser und dem nordatlantischen 
Tiefenwasser, Allerdings lassen sich auf diese Weise noch keine zahlenmäßigen 
Vergleiche anstellen, da dazu die Genauigkeit der auf der Südatlantischen 
Expedition ausgeführten Phosphatbestimmungen nicht ausreicht. Hierfür wären 
Präzisionsbestimmungen erforderlich, wie sie in neuster Zeit in einem beschränkten 
Gebiet im Nordatlantischen Ozean durchgeführt worden sind. 
1 HR. Seiwell, a.2.0. — % G. Dietrich, Aufbau und Bewegung von Golfstrom und 
Agulhasstrom, eine vergleichende Betrachtung, Naturwiss, 1936, $. 229.
	        
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