Schott, G.: Die äquatorialen Strömungen des westlichen Stillen Ozeans, 2556
zwischen 7° und 5° N-Br. im Winter schmal und schmäler, Im Nordsommer,
insbesondere im August und September, erreicht er den Höhepunkt seiner Ent-
wicklung, indem er mit großer Stärke und Beständigkeit etwa unter 130° O-Lg.
einsetzt, Wie seine Nordkante, so zeigt auch seine Südkante im Sommer einen
sehr unregelmäßigen Verlauf, Insbesondere wird eine Ausbuchtung bis zum
Äquator auffällig; sie hängt zusammen mit einer innerhalb des Gegenstromes
auftretenden Aufspaltung nach 0SO und ONO.
Allgemeine Bemerkungen.
1. Das grundsätzlich beachtenswerte Ergebnis der hiermit vorgelegten Unter-
suchung dürfte darin zu erblicken sein, daß die ausschließliche Verarbeitung von
Einzelversetzungen — also nicht von irgendwelchen Mittelwerten — aus
den verschiedensten Jahren verhältnismäßig leicht überall zu sinnvollen,
dynamisch verständlichen Strombildern geführt hat, Diese erstaunliche Tatsache
legt die Anschauung nahe und ist im Grunde nur aus der Vorstellung erklärbar,
daß hier in diesem Gebiet die Oberflächenströmungen, also auch die saison-
mäßig bedingten Wandlungen der Oberflächenströmungen, sich alljährlich in
praktisch genommen gleicher Form immer wieder einstellen. Eine solche „inter-
annale“ Regelmäßigkeit beobachtet der Seemann bekanntlich nur selten; selbst
der Golfstrom gilt als recht variabel von Jahr zu Jahr,
2. Entstehung des Gegenstromes. Für die Beteiligung des Nordäqua-
torialstromes, genauer gesagt für das scharfe Linksabdrehen des Mindanao-
Stromes in 6° bis 7° N-Br. 130° O-Lg. ist eine Ursache unmittelbar nicht ersichtlich,
Der Mindanao-Strom könnte in seiner Gesamtheit rechtsabdrehend zur Celebes-See
übergehen. Zudem herrschen im Nordwinter in der kritischen Gegend des Gegen-
stromes noch nordöstliche Winde (NE-Monsun), vielfach mit beträchtlicher Stärke,
and im Nordsommer ist der SW-Monsun des westlichen Stillen Ozeans meist flau
and unbeständig und nicht geeignet, die tatsächlich vorhandenen Triftgeschwindig-
keiten des Gegenstromes zu bedingen. Die Windverhältnisse als solche können,
wie im obenstehenden Text mehrfach hervorgehoben wurde, in unserem Gebiet
gine grundiegende Erklärung der eigenartigen Gegenströmung nicht bringen,
besonders nicht ihrer großen Geschwindigkeit,
Entlang den zwei großen Konvergenzlinien, also im Bereiche der Südkante
des Nord- und der Nordkante des Südäquatorialstromes, sind Kompensations-
bewegungen kleineren Stiles zum Ersatz der westwärts fortgeführten Wasser-
massen vielfach und sicher vorhanden; eine ganze Reihe von Versetzungen weist
auf solche Einwirbelungen hin. Es fragt sich nun, ob auch die Erscheinung
des Gegenstromes im ganzen als Kompensationserscheinung großen Stiles sich
ausreichend erklären Jäßt, Angesichts der zwei Kartenbilder (Tafeln 26 und 27),
die eine in sich geschlossene und weilhin für sich stehende Naturerscheinung in
allen Einzelheiten vorführen, bin ich nicht — nicht mehr — der Meinung, daß
das Prinzip der „Ersatzströmung“ zusreicht, obschon es nicht gänzlich bei Seite
geschoben werden darf und ferner die unmittelbare Windwirkung monsunartiger
Winde, z. B. im östlichen Stillen Ozean vor den zentralamerikanischen Westküsten,
beachtet bleiben muß,
Stark maßgebend für diesen Standpunkt wurde mir die folgende Überlegung.
Im Nordwinter ist der Gegenstrom im ganzen schwach und schmal. In derselben
Jahreszeit ist aber der Nordäquatorialetrom besonders kräftig und beständig,
und auch der Südäquatorialstrom durchaus in nennenswertem Grade von Osten
ber bis 140° O-Lg. vorhanden; letzterer fällt nur auf den letzten zehn Längen-
graden 140° bis 130° O-Lg, aus, Bei dieser Sachlage wird aus dem Kompen-
sationsgedanken heraus die quer über den gesamten Stillen Ozean im Nordwinter
vorhandene Schwächung des Gegenstromes nicht verständlich,
Eine neuere Erklärung der Entstehung der äquatorialen Gegenströme haben
nun H. U. Sverdrup und darnach ausführlich A. Defant!} gegeben. Auch sie
1) Der äquatoriale Gegenstrom, Sitz.-Ber, d, Preuß, Akad, d. Wissensch. XXVIIL Berlin 1935.
Hier auch weitere Literaturangaben, Die von A. Defant 8. 452 für den westlichen Teil des pazifischen
Gegenstromes gegebenen mittleren Stärken sind übrigens beträchtlich zu groß,