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Full text: 67, 1939

Schott, G.: Die äquatorialen Strömungen des westlichen Stillen Ozeans, 958 
Der Südäquatorialstrom spielt jetzt, ganz anders als im Nordwinter, die 
Dominante. Mit starken Versetzungen nach Westen von 4° N-Br. ab bis mindestens 
39 S.Br. tritt er auf der rechten Seite der Karte (Tafel 27) in den Gesichtskreis; 
Arei nach Osten gerichteten Versetzungen kommt gegenüber dem sonstigen reichen 
Beobachtungsmaterial keine Bedeutung zu, Auch im Bereiche des Bismarck- 
Archipels herrscht Weststrom jetzt ganz unbestritten; Maximalwerte von 60 Sm 
sind schon hier im östlichen Teile mehrfach verzeichnet, 
Der Strom verlegt allmählich seine Nordkante südlicher, so daß sie unter 
145° O-Lg. schon bei 2° N-Br. zu suchen ist. Hier beginnt ein recht eigentüm- 
liches Zusammenfließen mit Ausläufern des Gegenstromes, also mit Wassermassen, 
die, wie man der Karte entnimmt, von ihm selbst ursprünglich herstammen, Ein 
kleiner Teil des Stromes stößt nämlich unter 141° bis 144° O-Lg., nach NW vor. 
Man wird den gemeldeten Versetzungen wohl am besten gerecht, wenn man im 
Sinne der Sandströmschen Stromfiguren!) eine links einströmende Doppellinie 
annimmt, westlich die Konvergenz, östlich die Divergenz, worauf schließlich der 
Vorgang endet und das Stromfeld ein regelmäßiges und einheitliches wird, Der 
größte Teil des Südäquatorialstromes wird ebenfalls von Ausläufern des Gegen- 
stromes am Äquator nach links in SW-Richtung abgedrängt. Es stehen ihm damit 
von hier ab nur noch 125 bis 130 Sm Frontbreite zur Verfügung. Die Wirkung der 
Raumnot beginnt in hohem Maße sich bemerkbar zu machen. Die durchschnitt- 
liche Geschwindigkeit nimmt mächtig zu — hier, nördlich vom „Vogelkopf“ Neu- 
Guineas, hatte im Juni ein Schiff eine Besteckversetzung von 127 Sm in 24 Stunden! 
—, zugleich geht die Generalrichtung statt nach W allmählich mit der Annäherung 
an Halmahera—Morotai nach WNW, NW und N. 
Auf der gesamten Strecke bedeutet im Nordsommer der Südäquatorialstrom 
selbst für Dampfer ein erhebliches Hindernis, z, B. bei Reisen von Niederländisch- 
Indien, etwa von Menado, ostwärts nach dem Bismarck-Archipel. S.M.S. „Planet“, 
unser früheres Vermessungsschiff, hat das bei wiederholten Fahrten entlang der 
Nordküste Neu-Guineas nach Matupi stark empfunden. Die vom D. „Friderun“ 
eingehaltenen Reisewege zeigen dementsprechend auch, daß man von den 
Philippinen aus nur im Nordwinter südum Mindanao und direkt zur Neu-Guinea- 
Küste den Kurs setzt, während man im Südsommer schon bei der Bernardino- 
Straße den Ozean betritt und sich dann möglichst lang im fördernden Gegen- 
strom hält; den starken W-Verseizungen mit der Annäherung an die Admirali- 
täts-I* kann man freilich nicht entgehen, Es ist klar, daß für Reisen westwärts 
ungefähr das Umgekehrte gilt. 
Starke Kabbelungen werden in der, praktisch genommen, hundertprozentig 
stabilen Südäquatorialströmung sehr häufig beobachtet. Der Strom führt, wie 
Eintragungen in den Schiffstagebüchern hervorheben, vielfach Baumstämme, 
Buschwerk, ganze kleine Inselbrocken mit sich, Treibgut, das hauptsächlich von 
den Admiralitäts-I"- und von der Nordküste Neu-Guineas losgerissen ist. Jede 
Gelegenheit wird von dem eingeengten Strome benutzt, um auszuweichen; daher 
Jäuft in der Dampier-Straße südlich von Waigeo-L ein Stromzweig nach W, in 
den von Waigeo, der kleinen Insel Göb6 und einem Ostkap Halmaheras gebildeten 
zwei Passagen je ein Stromzweig nach SW, 
Der dem Namen nach nunmehr bald endende Südäquatorialstrom erhält 
nördlich von Halmahera-Morotai zuletzt noch starken Zustrom durch Wasser- 
massen, die aus der breiten Molukken-Straße zwischen dem NO-Horn von Celebes 
and der Westseite Halmaheras von SW her ihm zugeführt werden, Auch hier 
ist, wohl vom Südmonsun unterstützt, die Bewegung eindeutig nach N und NNO 
gerichtet, Auf diese Weise kommt unter 127° bis 130° O-Lg. ein von 2° N-Br, 
bis fast 6° N-Br. vorhandener strahlartiger Nordstrom zustande, der dem 
Floridastrom in mancher Hinsicht auch wieder ähnelt und durch seine Beständig- 
keit und Stärke das Erstaunen der Seeleute von den Zeiten der Entdeckerfahrten 
ab erregt hat, In der Nähe der Sangi- und Talaud-I* dürfte der Zusammenschluß 
mit dem Mindanao-Strom anzusetzen sein; vielleicht verläuft die Konvergenzlinie 
3 LW.Sandström, Über die Bewegung von Flüssigkeiten, Ann, d, Hydr. 1909, Taf, 27, Fig. 2. 
Vgl. auch A. Defant, Dynamische Ozeanographie, 5. 35, Fig. 8g. Berlin 1929,
	        
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