248 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1989,
gewinnen, daß infolge der ganz besonderen, mehrfach durch die Landumgebung
stark beeinflußten Eigenschaften der Strömungen in unserem Gebiete das Bild
durch die Anhäufung der Strompfeile an innerer Sicherheit nur gewonnen hat,
Mit verschwindenden Ausnahmen, nämlich da, wo der Platz gar nicht ausreichte,
konnten sämtliche Einzelversetzungen der vier Hauptmonate — das war natür-
lich wesentlich — in den Eingradfeldern untergebracht werden, Es handelt sich
ferner, wie die Kartenbilder zeigen, wohl um kaum viel mehr als zwei Dutzend
Strompfeile, die gänzlich vom sonstigen „Zug der Gewässer“ abweichende Richtungen
arkennen lassen (besonders Juni sowie an der Ostseite von Neu Mecklenburg im
März), und Irrtümer in der Stromrechnung oder in der Niederschrift an Bord
sind zudem natürlich auch nicht ganz ausgeschlossen. In der geradezu über-
wältigenden Übereinstimmung der Stromrichtungen in den verschie-
densten Jahren liegt das Eigenartige der Naturvorgänge in dieser
Gegend. Übrigens ist man infolge der durch Farben unterschiedenen Monate
jederzeit in der Lage, eine andere Gruppierung vorzunehmen oder gar den Ver-
such des Zurückgehens auf Einzelmonate zu machen. In den Manuskriptkarten
von Puls sind auch die Versetzungen der deutschen Kriegsschiffe, die vor dem
Krieg öfters die Gewässer befuhren, schon eingetragen und hier mit verwertet.
Zu dieser wohl 85 bis 90% aller Strompfeile umfassenden Grundlage habe
ich dann noch von neuerem Material die wertvollen Beobachtungen der schon
oben erwähnten zwei Bremer Dampfer „Friderun“ und „Bremerhaven“ aus den
Jahren 1932 bis 1938 binzugefügt; ihre Wege verlaufen immer quer in NW—
SO-Richtung durch das Gebiet, zeitweise stark verlagert wohl mit Rücksicht auf
die starken Strömungen und/oder auf bestimmte Zielpunkte in den Philippinen,
aber jedenfalls sehr nützlich zur Auffüllung der Karten. Endlich wurden aus
dem neuen holländischen Kartenwerk!) die Einzelversetzungen, die daselbst auf
Tafel 1—6 abgebildet sind, übertragen, Strompfeile aber, die auf mehr als einer
Erfahrung rechnerisch „ermittelt“ sind, nur ganz ausnahmsweise und als solche
durch die in Klammer beigefügte Anzahl der Beobachtungen kenntlich gemacht,
Wie man sieht, ist in der hiermit vorgelegten Arbeit das Material aus zwei
Dritteln des Jahres verwendet. Es fehlen nur die Übergangsmonate April, Mai
einerseits, Oktober und November andererseits, Vielleicht ist es mir möglich,
auch sie später darzustellen. Diese Monate müssen die Veränderungen erbringen,
die hauptsächlich wohl nur an der Südgrenze des Nordaequatorialstromes auf
Kosten des Gegenstromes sowie in der Gegend nördlich von Neu-Guinea sehr
wesentliche Beträge nach Richtung und Stärke aufweisen, aber nicht z, B, in der
Mindanao-Gegend; denn diese Gegend besitzt sozusagen eine ideale Jahresstabilität
der Bewegung, wie zu zeigen sein wird,
Bevor nun das Ergebnis der Untersuchung in Worte gefaßt wird, seien zwei
Bemerkungen noch vorausgeschickt, 1, Bei dem Blick auf die lehrreichen Karten
der Strompfeile, die fast überall zu sinnvollen Wasserbewegungen sich zu-
sammenschließen lassen, drängt sich immer und wieder das Gefühl der Dankbar-
keit gegenüber den Führern der deutschen Segelschiffe auf, die uns dies un-
schätzbare Material in den Tagebüchern für die Deutsche Seewarte unter meist
recht schwierigen Verhältnissen auf mühselig abzufahrenden Seestrecken gesammelt
haben. Denn die Gegenden der sogenannten „östlichen Durchfahrten“ standen
von der Zeit ihrer Entdeckung an wegen der vielen Windstillen, flauen oder
widrigen Winde und der dabei gewaltigen Stromversetzungen stets in sehr
schlechtem Ruf, Es ist eine Ehrenpflicht, der Männer jener vergangenen Jahr-
gehnte auch hier zu gedenken, wie ich es schon vor einiger Zeit an anderer
Stelle®*) zu tun bemüht war. 2. Die zwei in Schwarz gegebenen Karten der
Stromlinien beruhen auf vielen Überlegungen, Wiederholungen und Versuchen.
Es mag sein, daß ein anderer Ozeanograph aus. dem Material heraus zu manch’
anderer Vorstellung gelangt; solch’ Unternehmen würde ich selbst nicht zuletzt
4) Kon, Nederl. Meteorolog, Instituut, Öceanogr. en meteorolog. waarnemingen in de Chineesche
Den kn ge rebage 10935/1936. — ?%) Geographie des Indischen und Stillen Ozeans. 58. 354.
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