242 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1939.
vom ersteren aus einen Einblick jn die ozeanische Zirkulation zu bekommen,
[m allgemeinen sind diese Schlußfolgerungen eindeutig und die Ergebnisse werden
der Wahrheit sehr nahekommen. Ich habe aber immer betont, daß wir uns
nicht darüber täuschen lassen dürfen, daß aus diesen Wechselbeziehungen nur
mittlere Verhältnisse abgeleitet werden können und in einzelnen Fällen der
durch eine einmalige Aufnahme gewonnene Aufbau des Meeres das Ergebnis
einer weit komplizierteren Wasserbewegung sein kann, als wir annehmen 9,
Die dynamische Aufarbeitung des ozeanographischen Beobachtungsmaterials
des ganzen Atlantischen Ozeans hat außerdem nachgewiesen, daß längs der auf
der Nordhemisphäre rechten, auf der Südhemishäre linken Flanke der großen
außertropischen Stromsysteme große Wirbelstörungen vorhanden sind, von denen
wir kaum annehmen können, daß sie stationärer Art sind. Das eingehende
Studium ihres Aufbaues hat gezeigt, daß sie sehr tief hinabreichen bis zu Tiefen
von 1500 m und mehr und daß man in keiner Weise die Geschwindigkeitsver-
teilung in ihnen in der üblichen Weise durch Annahme einer „Nulifläche“ in
mäßiger Tiefe unter der Annahme berechnen darf, als ob in den tieferen Schichten
keine Bewegung wäre, Dies würde zur Folge haben, daß unter der „Nullfläche“
ganz beträchtliche Bewegungen entgegengeseizter Richtung vorhanden sein
müßten; für ihr Vorhandensein läßt sich aber gar kein plausibler Grund finden,
Naheliegender und den Tatsachen entsprechender ist es, anzunehmen, daB diese
Störungen, die ihren Sitz in der Oberfläche haben, sehr tief, und zwar mit ab-
nehmender Intensität hinabreichen. Man darf erst dort eine „Nullfläche“ für
die Bestimmung der absoluten Topographie der isobaren Flächen und der
Meeresoberfläche annehmen, wo zwei quer zur Sirömung benachbarte Stationen
im dynamischen Aulbau ihrer Druckflächen keine wesentlichen Unterschiede mehr
aufweisen. Für die oben erwähnten Störungen längs der Flanken der großen
außertropischen Siromsysteme )iegt diese Tiefe, wie erwähnt, in etwa 1500 m;
teilweise findet diese Tatsache in den theoretischen Untersuchungen Rossbys
eine gute Stütze.
Institut für Meereskunde, Berlin, Februar 1939.
Ein Versuch, den vertikalen und seitlichen Austausch in der Tiefe
der Sprungschicht im äquatorialen Atlantischen Ozean zu bestimmen.
Von R, B. Montgomery, Fellow, National Research Council, Washington,
im Instiinut für Meereskunde, Berlin.
Der atlantische äquatoriale Gegenstrom trägt verhältnismäßig salziges Wasser
ostwärts zwischen salzärmerem Wasser nördlich und südlich davon, Ungefähr in
der Tiefe der maximalen Stabilität oder der Sprungschicht zeigt das Wasser des
Gegenstromes auch in der Vertikalen ein Salzgehaltsmaximum. Der Salzgehalt
dieses salzreicheren Kernes wird stromabwärts durch Mischung geringer. Eine
Bestimmung, ob vertikale oder seitliche Mischung die Hauptrolle spielt, ist mit
dem zur Verfügung stehenden Material noch nicht möglich, Aber wenn man
zuerst annimmt, daß nur vertikale Mischung vorhanden ist, und nachher, daß
nur seitliche vorhanden ist, kann man maximale Werte für die zwei Austausch-
koeffizienten berechnen,
Der salzige Wasserkern liegt ungefähr in der c,=25.5-Fläche. Abb. 1 zeigt
die Salzgehaltsverteilung in dieser Fläche, Hier tritt die Lage des Gegenstromes
deutlich hervor, Leider gibt es nur wenige Temperatur- und Salzgehaltsbeob-
achtungen in der Nähe der Achse dieses Kernes, Die Lage der am besten
geeigneten fünf Stationen zeigt Abb. 2. Für diese Stationen ist das Verhältnis
von Salzgehalt zu c&+ in Abb. 3 und zur Tiefe in Abb. 4 aufgezeichnet.
Tabelle 1 (S. 244) zeigt eine Zusammenstellung dieser Stationen. Die Werte für 0
and Salzgehalt im Salzgehaltsmaximum sind den Kurven in Abb. 3 entnommen,
Die ungefähre Lage des Stabilitätsmaximums (E-Max,) sind für die drei „Meteor“-
:) A. Defant: Aufbau und Zirkulation des Atlantischen Ozeans, BSitzber, der Preuß, Akad, d.
Wise, Berlin 1938, Bad, XIV, S&. M5ö.