222 - Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1939.
gewissen Wassertiefe die Anlagen in Schleimünde und Westermarkeisdorf. Dieser
Ausfall ist durch das System der dort aufgestellten Geräte (Druckluft- and
Arbeitsstromsystem) bedingt; hier soll darauf nicht näher eingegangen werden,
Jedoch konnte an diesen Stationen die Änderung des Wasserstandes mit Hilfe
mechanischer Parallelregistrierung und Ablesungen am Lattenpegel einigermaßen
befriedigend rekonstruiert werden.
Am Nachmittag des 23, XL setzte in der Kieler Bucht ein starker Fall des
Wassers ein. Die Wassermassen strömten anfangs nach Osten durch den Fehmarn-
zund (Station Neuland), wenig später auch durch den Fehmarnbelt (Station Wester-
markelsdorf), und dieser Verlust an Wasser verursachte ein rasches Sinken der
Meeresoberfläche in allen Teilen der Kieler Bucht. Während durch das stark
nachdrängende Wasser der Kieler Förde und der Hohwachtbucht der beginnende
Fall in Bülk und Neuland durch eine zweistündige Schwingung mit etwa 5 cm
Amplitude unterbrochen wird, erfolgt der Fall in der Kieler Bucht selbst — von
den üblichen kurzperiodischen Störungen abgesehen — stetig, Am 24. XI. mittags
ist überall gleichzeitig der niedrigste Wasserstand erreicht, und es erfolgt ein
gleichmäßiger, ungestörter Anstieg bis zur vorher eingenommenen Höhe, die in
den Morgenstunden des 25, XL erreicht ist. Der Anstieg ist etwas steiler als der
Fall, der 10 bis 17 cm in der Stunde beträgt (Änderung der Stundenmittel}.
Binen den Bewegungen in der Kieler Bucht ähnlichen Charakter zeigt die
Wasserstandskurve von Arkona, Auch dort sinkt die Meeresoberfläche bis zum
24. XI. mittags auf fast den niedrigsten Pegelstand, den sie im letzten Viertel-
jehrhundert erreicht hat, Im einzelnen gesehen, stellen sich aber deutliche
Unterschiede heraus: Während im Westen das Minimum nur kurze Zeit anhält,
verlängert sich die Dauer niedrigen Wasserstandes gesetzmäßig mit der Ostlaze,
Das gleiche gilt von dem dem Niedrigwasser vorangegangenen Maximum: Im
Westen ist es scharf ausgebildet, in Arkona hält es sich über 15 Stunden hinweg.
Der geringste Wasserstand tritt, wie erwähnt, überall gleichzeitig ein; aber der
diesem Zustand vorangehende hohe Wasserstand stellt sich in Arkona 10 Stunden
vor dem im Westen ein: Der Anstieg erfolgt also vom Osten nach dem Westen,
der Fall vom Westen nach dem Osten, Dieser Befund legt den Schluß nahe,
daß die Kieler Bucht langsam vom Osten her vollgepumpt wurde. Da dauernd
durch die Belte ein Teil des Wassers nach der Nordsee abfließt, stellt sich kein
lang andauernder Höchstwasserstand sondern ein steiles Maximum ein. Nach
dem Kentern des Stromes kann das nach Osten auslaufende Wasser der Kieler
Bucht umgekehrt den Fall des Wassers in Arkona um einige Stunden hinhalten.
Die Wasserstandskurve von Heringsdorf zeigt einen von den Verhältnissen
in Arkona unabhängigen Verlauf; Das dem Fall vorangehende Maximum ist steil,
der Fall setzt zur gleichen Zeit wie in der Kieler Bucht ein, Das Minimum
tritt, wie an allen bis jetzt betrachteten Stationen wieder mittags deutlich hervor.
Aber der bei den anderen Stationen stetige Fall ist in der Pommerschen Bucht
gestört: Es tritt ein vorübergehender Anstieg von 20 cm ein, und zwar in dem
Augenblick, in dem in Arkona das Fallen beginnt. Es scheint, daß die aus dem
Westen kommenden Wassermassen, nachdem sie in Arkona das Sinken aufgehalten
haben, nun den in der Pommerschen Bucht schon stattfindenden Fall vorüber-
gehend unterbrechen. Ferner zeigt sich ein sekundäres, zeitlich späteres Minimum,
das in Zoppot, um zur östlichen Station zu kommen, zum auffälligsten Mini-
mum wird.
Nur in der Danziger Bucht also tritt der niedrigste Wasserstand nicht pünkt-
lich mittags am 24, XI, ein, sondern kurz vor Mitternacht, Überhaupt zeigt die
Wasserstandskurve in der Danziger Bucht eine Eigengesetzmäßigkeit. Das bei
den anderen Stationen vorgefundene Maximum vor dem Fall ist zwar auch da
vorhanden (der Pegel Zoppot wurde erst am 23. XI, mittags in Betrieb genommen,
daher fehlt das Kurvenstück der vorangehenden Tage), aber das bei Heringsdorf
als Störung auftretende Zwischensteigen erzeugt in der Danziger Bucht einen
neuen, selbständigen Höchstwasserstand, Nimmt man nun an, daß dieses Maximum
durch die aus der Kieler Bucht auslaufende Wasserweille verursacht wird, 80
ergibt sich ein Wassermassentransport von 5 m/sec, eine Geschwindigkeit, die um