Pratje, O.: Die Sedimentation in der südlichen Ostsee,
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erfolgt. Man wird auch hierin wieder eine Wind- bzw. Strömungswirkung sehen
müssen, welche die leichte Trübe in den oberen Wasserschichten nach Osten
verfrachtet, An den Muldengrenzen sinkt sie durch den hemmenden Einfluß
der Bänke und Küsten ab und wandert durch den Gegenstrom in die Tiefe, bis
sie in den Senken zur Ruhe kommt. Für diese Deutung spricht, daß in der
Mecklenburger und Kieler Bucht keine nennenswerten Unterschiede festzustellen
sind, denn hier sind die Wasserflächen sehr viel kleiner, und dadurch ist der
Einfluß des Windes stark herabgesetzt. Weiter würde diese Deutung auch er-
klären, weshalb vor der Frischen Nehrung von Kahlberg bis Pillau der Schlick
höher herauf kommt. Es muß sich hier um die Sinkstoffe der Weichsel handeln,
die jetzt nach der Korrektion des Flusses restlos ins Meer gelangen, während
Irüher nur ein Teil vornehmlich bei Hochwasser das Delta verließ. Durch
lie Westwinde wandern die Sinkstoffe nach Osten und werden hier sedimentiert.
Abgesehen von den geschützten Buchten bedeutet also ein Ansteigen der Schliek-
grenze an einer Sielle der Mulde, daß hier mehr sedimentierende feinste Trübe
zur Verfügung steht, als die schwachen Wasserbewegungen am Boden nach der
Tiefe befördern können.
Der Schlick ist oberflächlich stark wasserhaltig und daher sehr weich und ist
außerdem meist reich an organischer Substanz, so daß man ihn vielfach als Schlamm
>der mit Apstein als Mudd bezeichnet, Die Übertragung des limnischen Aus-
druckes Gyttja auf marine Ablagerungen erscheint mir nicht zweckmäßig. Der
Wassergehalt des Schlickes kann in den ersten 10 Zentimetern 80 bis 85% des
Raumes betragen und die organischen Anteile sind in der Trockensubstanz noch
mit 20% festgestellt worden. Tiefer im Boden wird der Schlick fester.
In den meisten Fällen war in den Schlicken ein „Normalprofil“ vorhanden,
das oben mit einer Oxydationsschicht von 1 bis 2 cm braunen, lockeren, in der
Hauptsache aus Copepodenkot bestehenden Materials begann. Darunter folgte
die Reduktionsschicht von 10 bis 15 cm, manchmal auch mehr, schwarzem Schlick,
der nach unten in einen allmählich heller und fester werdenden Schlick von grüner
bis gelbgrüner Farbe überging. Noch tiefer wurde das Sediment immer toniger,
5hne dabei seine Farbe nennenswert zu ändern, Bei sehr dunkler Reduktionsschicht
roch der Schlick stark nach Schwefelwasserstoff, In den unteren Teilen der Reduk-
tionsschicht trat gelegentlich eine Auflösung der Dunkelfärbung in Schlieren auf.
Der Beginn der Schlicksedimentation ist in allen Mulden durch eine größere
Zahl von Lotungen durch Erfassung des eiszeitlichen Untergrundes bekannt ge-
worden, In den östlichen Becken Danziger Mulde, Bornholmer Mulde und Arkona-
becken setzt sich das Normalprofil in der Weise nach unten fort, daß sich dem
zrünen Schlick zunehmend grauer Ton beimischt, bis der Schlick schließlich ganz
fehlt und eine reine eiszeitliche Ablagerung vorhanden ist. Unter dem grauen
Ton folgt in der Regel rötlicher Ton. Der Übergang von Ton zu Schlick be-
jeutet, daß die diluviale Tonsedimentation ganz allmählich in die alluviale
Schlicksedimentation übergegangen ist, und daß eine Graufärbung und Entkalkung
des rötlichen Beckentones oberflächlich durch das ÖOstseewasser stattgefunden
nat. Die Senken blieben vom Eisseestadium her mit Wasser gefüllt und im Ab-
satz trat keine Unterbrechung ein. In der Mecklenburger Bucht sind die Über-
gänge nur noch ganz kurz, vielleicht sind es schon Aufarbeitungszonen, oder e8
ist eine scharfe Grenze zwischen dem Diluvium und Alluvium vorhanden, In
der Kieler Bucht gibt es überhaupt keinen Übergang mehr, vielmehr liegen dort
an der Basis des Schlickes Steine, Sand, Torf und Holzteile, Das entspricht
dem hier vermuteten Ablauf in der Sedimentation, Die Gebiete westlich der
Gjedser Schwelle sind erst spät (in der Hauptsache erst nach 5000 v, Chr.) an
die große Wasserfläche der Ostsee angeschlossen worden und daher ist hier eine
deutliche Sedimentationsunterbrechung bzw. -änderung festzustellen, während
östlich Gjedser Riff durch die dauernde Wasserbedeckung die Tone in die Schlicke
übergehen und die Ausdehnung der Schlickgebiete im großen mit der damaligen
Wasserbedeckung übereinstimmt.
Über die Mächtigkeit der Schlicke sind wir an den Stellen unterrichtet, wo
das Diluvium darunter erreicht wurde,