214 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1939,
picht immer von jüngeren Sanden unterscheiden, die durch Ausspülen oder Um-
lagern diluvialen Materials entstanden sind, Daher wurden grundsätzlich nur
tonhaltige Ablagerungen als einwandfreies Diluvium angesprochen, Kin wichtiges
Merkmal ist dabei auch der Kalkgehalt, der bei den eiszeitlichen Ablagerungen durch
aufgearbeitete Kalk- und Kreidegesteine verhältnismäßig hoch ist, während er bei
den jüngeren Ostseeablagerungen praktisch gleich Null ist. „Verwitterte“ Grenz-
schichten des Diluviums können mehr oder weniger kaikfrei und entfärbt sein
und bilden so den Übergang zum Alluvium,
Der diluviale Untergrund bildet für unsere Betrachtungen der jüngeren Ab-
lagerungen die Ausgangsfläche, weil die Sedimentation im Ostseeraume erst nach
seiner Bildung eingesetzt hat. Er wurde bei den Lotungen unter den jüngeren
Sedimenten erreicht;
in der Kieler Bucht . . . . 0... + . . , durch 6 Lotungen
in der Mecklenburger und Lübecker Bucht . . „19 ”
in dem Arkona-Becken . . . . + 0.0 ES 3 17 »
in der Bornholmer Mulde , . 2.0.0.0. 0. 204 „36 »
in der Danziger Mulde (bis 55° 30’ N, 18°O)} . » 16 n
Insgesamt in der Südlichen Ostsee durch 87 Lotungen
Davon sind 42 Proben als Geschiebemergel, Geschiebelehm, tonige Sande oder
sandige Tone anzusprechen, während 45 mehr oder weniger reine Tone waren.
Die nacheiszeitlichen Ablagerungen,
Die jüngeren Ablagerungen, die darüber angetroffen wurden, stammen zum
Teil aus diesem Untergrund, indem eine Auswaschung und eine mehr oder
minder weite Umlagerung stattgefunden hat. Ein weiterer Teil setzt sich aus
Resten der Pflanzen und Tiere zusammen, die im Meere leben. Seegras und
Tangwiesen nehmen stellenweise in der südlichen Ostsee erhebliche Flächen ein,
so daß absterbende und losgerissene Teile bedeutende Mengen organischer Sub-
stanz liefern. Aber auch Fische, Muscheln, Schnecken und anderes, sowie die
Planktonten, besonders die kleinen Krebstiere vermehren durch ihre Leichen
der bei Lebzeiten durch ihren Kot die Sinkstoffe, Ein dritter Teil kommt vom
Lande durch die Küstenzerstörung, ferner durch die Flüsse oder mit dem Wind
durch die Luft, Das Feinste bleibt lange in Schwebe, wird auch leicht wieder
aufgewirbelt und wandert weit hinaus, während Sand und Kies und Steine an
und vor der Küste oder dort bleiben wo sie ausgespült werden. Alles strebt
durch die Schwerkraft dem Muldentiefsten zu, soweit nicht Strömungen oder
Reibung am Boden dem entgegen oder mindestens verzögernd wirken,
Wir können in der Ostsee vier Gebiete mit verschiedener Sedimentation
unterscheiden, die mit geringen Abänderungen auch auf andere Meere übertragen
werden können,
ı. Die küstennahe Sandanhäufungszone, Sie nimmt die Hauptmenge des
gröberen Festlandschuttes auf, der meist an der Küste in ihr entlang wandert.
Nur bei hohen Sturmfluten, „wenn am Boden eine seewärts gerichtete kräftige
Gegenströmung vorhanden ist, treibt Material hinaus und geht dieser Zone ver-
loren und damit auch dem Küstenschutz, Die Zone ist im allgemeinen ziemlich
schmal, doch kann sie vor Flußmündungen und anschließend an Küstenvor-
sprüngen erheblich breiter werden, vor Felsküsten dagegen aber ganz fehlen.
Die Mächtigkeit der Sande ist vor den diluvialen Steilküsten und dort, wo der
diluviale Untergrund fast den Strand erreicht, gering. Zahlreiche Buhnen-
bohrungen in Ostpreußen, Bohrungen für Pegelanlagen an der pommerschen
Küste und Aufgrabungen an der holsteinischen Küste haben übereinstimmend
argeben, daß die Mächtigkeit von 2 bis 3 m selten überschritten, meist sogar
nicht erreicht wird. ‚Dort natürlich, wo Nehrungen ehemalige Buchten a@b-
schneiden oder Buchten ausgefüllt worden sind, können die Sande sehr viel
mächtiger sein, So sind in der Frischen Nehrung stellenweise erheblich über
30 m Meeressande festgestellt worden. Auf Hela wurden sogar über 50 m
Litorinaablagerungen angetroffen. Die heutige Küste ist vor etwa 6000 Jahren
erreicht worden und in dieser Zeit haben sich die Sande angesammelt. An den