310 Aunalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1039,
Gothenburg, Norrköping, Hangö, Nordufer des Finnischen Meerbusens zurück.
Das in den Senken angesammelte kalte Schmelz wasser wurde gegen Norden durch
die Gletscher abyedämmt, Bornholm war über die Rönnebank mit dem Adler-
grund noch mit Rügen und Pommern verbunden. Die Westgrenze dieses „Bal-
tischen Eijssees“ wird ungefähr auf der 40 m-Linie im Westteil des Arkona-
Beckens gelegen haben, und die Südgrenze östlich Bornholm dürfte zwischen der
60- und 70 m-Linie gelegen haben, also etwa 40 km nördlich der heutigen pom-
merschen Küste, Die Danziger Bucht scheint nicht mit angefüllt gewesen zu
sein, (Vgl. Kartenskizze) In den Becken konnten sich aus dem trüben Gletscher-
wasser die Beckentone absetzen, während auf den herausragenden Anhöhen der
Geschiebemergel der Grundmoräne frei zutage lag. Der Spiegel dieses aus
Süßwasser bestehenden Eissees lag etwa 75 m höher als der des nachfolgenden
Stadiums. Die Absenkung erfolgte etwa um 8700 v. Chr., als das Eis die Senke
der großen mittelschwedischen Seen als Verbindung zur Nordsee freigab. Im
Verlaufe der nächsten 200 Jahre wurde diese Verbindung so breit, daß die Ost-
see versalzte und eine nordische, marine Organismengemeinschaft einwandern
konnte, Untern den Muscheln befand sich die kleine Yoldia aretica, die diesem
Stadium den Namen „Yoldia-Meer“ gegeben hat, Wenn auch der ganze Bott-
nische Meerbusen noch mit Eis angefüllt war, so können wir doch jetzt zum
ersten Male von einer Ostsee als Teil des Weltmeeres sprechen, ;
Trotz der Wasserspiegelabsenkung wurde im Verlauf dieses Stadiums in
etwa 800 Jahren die Südküste etwas weiter nach Süden vorgeschoben (Karten-
skizze), und das spricht für eine starke Absenkung des Landes, Noch, also
etwa um 7900 v.Chr. bleibt Bornholm mit Rügen an Pommern angeschlossen.
Wir kennen aus seiner Umgebung und von den benachbarten Gebieten vor der
schwedischen und pommerschen Küste Baumstubben aus 40 bis 60 m Wassertiefe,
die an Ort und Stelle gewachsen sein müssen und nach der Pollenanalyse etwa
aus dieser Zeit stammen. Die Überflutung dieser Abhänge kann also erst später
erfolgt sein (Pratje 1933). |
Ein weiteres Ansteigen des Landes in Mittelschweden bedingte einen .er-
neuten Abschluß gegen den Ozean. Das Nebenmeer wurde zum Binnensee und
süßte aus, dabei stieg der Wasserspiegel bis zu 35 m über dem Ozeanspiegel an.
Das Ansteigen des Landes im Norden war ein Teil einer Kippbewegung um eine
etwa West—Ost verlaufene Achse in der südlichen Ostsee, d.h. südlich von ihr
war das Land im Sinken begriffen, In Verbindung mit dem Steigen des Wasser-
spiegels brachte das eine erhebliche Verschiebung der Küste nach Süden (s. Karten-
skizze) Ohne allerdings schon die heutige deutsche Küste zu erreichen, Der See
hat nach einer für ihn charakteristischen Süßwasserschnecke Ancylus fluviatilis
den Namen „Anecylus-See“ erhalten, Seine größte Ausdehnung erreichte er etwa
7400 yv. Chr., nachdem nunmehr auch die Rönnebank überflutet worden und Born-
holm somit zur Insel geworden war. Außerdem war die Darßer-Schwelle unter-
getaucht und die Entwässerung ging nunmehr durch den Sund, Der Süßwassersee
bestand verhältnismäßig lange, denn erst etwa 5000 v, Chr. fand er dadurch sein
Ende, daß der Wasserspiegel beiderseits des Auslaufs ausgeglichen war und die
Straße durch die dänischen Inseln so verbreitert wurde, daß das Meerwasser
mit seinen Bewohnern wieder eindringen konnte. Eine an der Nordseeküste
häufige Schnecke Litorina Ktorea wurde charakteristisch für diese Zeit und
brachte dieser Ostsee den Namen „Litorina- Meer“ ein. Etwa 1000 Jahre
später, um 4000 v. Chr. hatte sie ihre größte Ausdehnung erreicht, indem nun-
mehr das Wasser bis an die heutige deutsche Küstenlinie vorgedrungen war, Es
war dies die letzte große Senkung an der deutschen Ostseeküste, welche dort u. a.
die Wohnplätze der Steinzeitmenschen überflutet hat, Da aber anschließend die
Kippachse fast bis an unsere Küste wanderte, ist augenblicklich dort keine starke
Bewegung zu erwarten, Unsere Siedlungen können nur durch den Abbruch von
Steilküsten gefährdet werden, Das ursprünglich ziemlich salzige Litorina-Meer
ist allmählich wieder etwas ausgesüßt, weil sich durch die Hebung des Landes
die dänischen Durchlässe etwas verengt haben.