Kleinere Mitteilungen.
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aus der Höhe (4), die als Arbeitshypothese bei der Entstehung der Golfstrom-
zyklonen schon eine erhebliche Rolle gespielt hat (s), für die Entstehung unseres
Tiefs nicht in Frage kommt. Wird nämlich in der hohen Troposphäre warme
Luft durch kältere ersetzt, so fällt in der Höhe erfahrungsgemäß der Luftdruck,
während der Druckeffekt am Boden infolge der geringen Dichteschwankung in
der Höhe sehr gering ist. Die Seifertsche Kaltluftaktivierung, die möglicher-
weise nach Entstehung der Boden- und Höhenzykione entscheidend für die
weitere Entwicklung des ganzen Systems ist, verlangt also ebenso wie die strato-
sphärische Steuerung, daß das Höhendruckfallgebiet nicht wesentlich westlich des.
Bodendruckfallgebiets liegt,
Und wird andererseits in der Stratosphäre warme Luft durch kältere ersetzt,
86 hebt sich zwar die 500 mb-Fläche, der Bodendruck soll aber auch steigen. In
unserem Fall geht dem Bodendruckfall zwar ein Druckanstieg in der Höhe vor-
aus, der sich aber mit dem Bodendruckfall schon weitgehend überschneidet, so
daß es sich eher bei dem Höhendruckanstieg um eine durch troposphärische
Vorgänge hervorgerufene Erscheinung handelt, [Vgl. hierzu auch die numerische
Durehrechnung dieses Problems durch v. Ficker (1921!) (6).]
Wie hat man sich nun den Druckfall zu erklären? Wenn aus irgendeinem
Grunde Kaltluft nach Süden strömt, so strömt als Massenausgleich an ihren
beiden Flanken Luft aus niederen Breiten
nach Norden. Ist diese aus Süden kom-
mende Luft merklich wärmer als die aus
Norden kommende, wie es an der amerika-
nischen Ostküste fast immer der Fall ist,
30 kommt es an beiden Flanken der Kalt-
luft zu Druckfall. Im Zuge der allgemeinen
Westdrift, die über dem amerikanischen
Kontinent so gut wie ausnahmslos vor-
handen ist, wandern die Kalthuft wie auch
die beiden Druckfallgebiete nach Osten,
Leider 1äßt sich der Höhenaufstieg des
8. 11. von Washington, der gerade im Kern-
gebiet des stärksten Druckfalls liegt, nicht
mit dem des Vartages vergleichen, da die
Daten des 5, II, nicht vorliegen. So ist er
in Abb, 3 den Aufstiegen des 4. und 7. IL,
gegenübergestellt, Man sieht dabei sehr
schön, daß der Warmluftvorstoß weder am
Boden noch in großer Höhe, sondern etwa
im Altostratusniveau erfolgt.
Indem die Warmluft in Form eines lie-
genden Keils vordringt, haben wir einerseits
das Bild des „Weilenschlagens der Polar-
{ront“ vor uns, ferner die Entstehung von
Feuchtlabilität und drittens die Entstehung
einer Strömungsdivergenz in der Höhe,
So lange die Warmluft nur in der
Höhe vordringt, ist die rückläufige Polar-
front, in diesem Fall Warmifront, nur schwer zu erkennen. Das dauert aber nur
kurze Zeit, denn als das System, das sich ja als Ganzes nach Osten bewegt, die
Küste erreicht, verschwindet die dünne Kaltluftbodenschicht und es zeigt sich in
der Bodenwetterkarte die Front (s. die Zirkumpolarkarte des Wetterberichts,
herausgegeben von der Deutschen Seewarte).
Ein Beweis für die Existenz der Feuchtlabilität ist in dem vorliegenden Fall
nicht zu erbringen. Der Temp von Washington zeigt am 6. IL allerdings in
seinem oberen Teil einen feuchtlabilen Gradienten, die relative Lnftfeuchtigkeit
beträgt aber nur 32%. Jedoch ist es durchaus wahrscheinlich, daß sich die
Warmluft, nachdem sie den Ozean erreicht hat, mit Feuchtigkeit anreichert, und