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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1939,
Verschlechterung (Niederschlag) folgte in Prozent:
Termin: am gleichen Tag: am 1. Tag: am 2, Tag: am 3. Tag: nicht:
1 42 26 11 6 15
{I 29 34 13 11 13
I 4 42 19 10 25
Es ist klar, daß besonders der Abendtermin nur in sehr wenigen Fällen eine
Verschlechterung am gleichen Tag bringen konnte, da tiefe Wolken zunächst
noch fehlten, Kommt es trotzdem vor, so handelt es sich nahezu immer um Ge-
witter, die rasch heranzogen, Die große Verschiedenheit, die sich demnach durch
Eintritt der Verschlechterung ergeben muß, macht es unmöglich, eine Bewertung
„Verschlechterung am gleichen Tag“ usf, als Durchschnitt für alle drei Beob-
achtungstermine vorzunehmen. Die hohe Bedeutung der morgens auftretenden
Acu-Wolken erhellt nicht allein aus ihrer ungleich größeren Häufigkeit zu dieser
Tageszeit, sondern auch aus der größeren Wahrscheinlichkeit einer Verschlechte-
rung. Dem Grundsatz „Morgenschäfchen — schlechtes Wetter, Abendschäfchen —
gutes Wetter“ liegt demnach eine gute Beobachtungsgabe zugrunde.
Wie richtig das Volk auch zwischen Acu und Cieu unterscheidet — wie
erwähnt, läßt es diese meist nicht mehr als „Schäfchen“ gelten —, zeigt die
Tatsache, daß Cieu bedeutend weniger häufiger Verschlechterung nach sich
ziehen als Acu-Wolken; übrigens haben sie auch durch ihre größere Seltenheit
{nur zu 1.7 v.H. aller Beobachtungstermine vorkommend) weniger Bedeutung:
Verschlechterung (Niederschlag) folgte:
Termin: am gleichen Tag: am 1, Tag: am 3, Tag: am 3, Tag: nicht:
I 33 26 g u 21
II 17 23 11 2 37
{II 2 CO 17 7 29
Während sich demnach bei den Acu gesamtdurchschnittlich nur 18% „Nieten“
ergaben und bis zum nächsten Tag nach dem Auftreten schon zu 68 v.H. Ver-
schlechterung erwartet werden konnte, sinkt bei den Cieu der Hundertsatz der
Treffer auf 71 im Durchschnitt und erreicht auch sonst nicht mehr die Werte
wie bei den Aeu-Wolken.
Zum Schlusse sei noch einer Wolkenart gedacht, des Acu-cast, Er gilt be-
kanntermaßen als Gewittervorbote, Bereits an anderer Stelle®) deutete ich an,
daß meine Erfahrungen in dieser Hinsicht nicht die besten waren. Bei der in
diesem Beitrag behandelten Untersuchung bezog ich auch den eastellatus mit in
sie ein. Zunächst ergab sich, daß er recht selten vorkommt, nämlich nur zu
5,2 v.H. aller Beobachtungen, d, h. nur zweimal jährlich, Bei den 27 vorliegenden
Fällen aus dem gleichen Zeitraum (1926 bis 1938) folgte zu 67 v,H. am gleichen
Tage ein Gewitter oder zumindest Wetterleuchten mit nachfolgenden Gewittern,
wenn auch am anderen Tage, Dieses Ergebnis stimmt ausgezeichnet mit dem
Douglas’) überein. Bei 107 Fällen fand er zu 69 v,.H. zumindest Donner am
yleichen Tage, Freilich steht das Ergebnis in Widerspruch zu den Erfahrungen
Pepplers, der für die Gegend am Bodensee zu fast 100 v.H, behaupten kann,
daß einem castellatus ein Gewitter am gleichen Tage am Beobachtungsorte oder
in der näheren Umgebung folgt*). Er unterscheidet zwischen dem echten castel-
latus, dem „Darling“ Leys, „mit typisch scharf ausgeprägten Türmen auf einer
hohen Stratusschicht“ und dem „dynamischen Cumulus“. Der zweiten Form er-
kennt er weniger prognostischen Wert zu, Die meinen Untersuchungen als Unter-
lage dienenden Formen gehörten dem ersten Typ im Sinne Pepplers an, den
er auch bedeutend seltener nennt. .
Am Schlusse möchte ich noch erwähnen, daß die für Podersam gewonnenen
Ergebnisse in anders gearteten Gegenden wahrscheinlich noch „günstiger“ werden,
Es werden die Acu-Wolken vermutlich noch häufiger Verschlechterung nach sich
ziehen, da der Podersamer Landkreis, besonders in seinen mittleren und nörd-
lichen Teilen, zu den trockensten Gebieten Großdeutschlands gehört??).
5») Gerhard Schindler: „Einiges über das Ergebnis örtlicher Wettervorhersagen und deren Zu-
standekommen“ in Zschr, f. angew. Meteor, 1935, 8, 98ff. —. %) C, K, M. Douglas: Meteorologieal
Magazine 66, 1931, — %) Brief vom 10. I, 1935 an den Verfasser, — %) Gerhard Schindler: „Die
Niederschlagsverhältnisee NW-Böhmens“ in Meteor, Zachr, 1936/5.