L94 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1939,
die andere Kathete des ersten Dreiecks bestimmte Richtung der Geraden 0.1 in
Abb. 1 parallel zu sich verschieben kann, bis sie durch den Mittelpunkt der am
Rand des Registrierblattes angebrachten Gradteilung geht. An dieser läßt sich
die Windrichtung dann bequem ablesen. Dieses Verfahren wird in der darstellen-
den. Geometrie, bei Konstruktionszeichnungen mit Vorteil für die Parallelverschie-
bung verwendet, falls keine Kuhlmannsche Zeichenmaschine zur Verfügung steht,
Das Beispiel der untersten Schicht wurde in Abb, 1 deshalb gewählt, weil Mittel-
punkt des Blattes und Nullpunkt der Registrierung nicht immer streng zusammen-
fallen. In der Zeichnung ist diese Abweichung zwar etwas übertrieben, doch ist
nur so die Bedeutung dieses Auswertverfahrens für die Ausmerzung einer Fehler-
quelle eindringlich klarzumachen. Auf diese Fehlerquelle ist wohl noch nicht
aufmerksam gemacht worden, Bei sorgfältigem Einlegen bleibt sie zwar klein,
besonders bei annähernd geradlinigem Verlauf des Punktzuges, doch darf sie
deswegen nie einfach außer acht gelassen werden,
Zum Schluß sei noch ein Beispiel einer Höhenwindmessung mit anfänglich
halbminutlicher Punktierung gegeben (Abb. 2). Es ist die Morgenpilotierung von
Kottbus am 19. Juli 1934. Der Nullpunktfehler ist klein, aber deutlich erkennbar.
Die Punktzüge sind übersichtlich trotz der beiden gegenseitigen Kreuzungen. Die
Steiggeschwindigkeit betrug 250 m pm, die Beobachtungszeit 58m,
Von Punkt 0.0 bis 7.5 wurde 5 mal je 4m gedrückt,
von 80 „ 10.0 „ 1” »„4®
» 11.0 » 34.0 ” 2 » nn 1m »
» 35.0 ” 60.0 ” 1 » ” 1m ”
wobei k = 0.5, 2.5, 2.5 bzw, 5 war, |
Die Steigerung der Genauigkeit bis zur Minute 7.5 ist klar ersichtlich. Das
Auswertungsergebnis dieser Höhenwindmessung ist in den Aerologischen Berichten
wie üblich veröffentlicht, so daß sich eine Wiedergabe erübrigt.
Unter Umständen erscheint jetzt die Bedienung des Zeißschen Registrier-
theodoliten abschreckend verwickelt, Wer aber den Mut aufbringt, sich ein
einziges Mal wirklich mit der Theorie dieses Instrumentes zu beschäftigen und
ein klein wenig Freude an guten Instrumenten hat, wird den Wert der hier noch
geschilderten Möglichkeiten bald erkennen,
Schrifttum,
1. Max 1) °D Jirfahrungen mit dem vereinfachten Zeißschen Registriertheodoliten. Ann. d. Hydr, 66»
2. H. R. Seultetus, Erfahrungen mit dem Zeißschen vereinfachten Theodoliten für graphische Ballon-
aufnahmen nach Dr. Schoute. Met. Zechr. 50, 140, 1933, .
R. Scultetus, Die Theorie des Zeißschen vereinfachten Theodoliten für graphische Ballon-
aufnahmen nach Dr. Schoute Erfahrungsberichte D, Flugwetterdienstes 9, 73, 1934 (Nr. 14).
3. H.
Der Altocumulus und seine Bedeutung als „Wettervorzeichen“.
Von Gerhard Schindler, Podersam (Sudeten).
Sobald man irgendein volkstümlich-wissenschaftliches Buch über Wetter
und Wettervorhersage aufschlägt, begegnet man in den meisten dieser Bücher
bezüglich der Bedeutung der „Schäfchenwolken“ ganz entgegengesetzten Angaben,
Man kann sich das nur so vorstellen, daß jeder Verfasser seine Behauptungen
von einem früheren übernahm oder aus eigener Beobachtung, jedoch nur soweit
ihm diese im Gedächtnis haften blieben, die Fälle schildert. Trifft diese Tatsache
zu, so muß man sofort berechtigte Zweifel hegen, da, wie Baur ganz richtig
bemerkt*), nur zu oft die günstigen Fälle, die der vorgefaßten Meinung‘ ent-
sprechen, behalten werden, während die übrigen leicht der Vergessenheit anheim-
fallen. Ähnliche Ansichten finden wir auch bei Schmauß?).
Aus diesem Grunde untersuchte ich eigenes Beobachtungsmaterial aus den
Jahren 1926 bis 1938. Aus den früheren Jahren lagen, soweit für Podersam Be-
obachtungen geführt wurden, keine Wolkenformbeobachtungen vor. Das verwandte
Material ist sowohl hinsichtlich des Ortes als auch des Beobachters einheitlich,
1) Franz Baur: Grundbegriffe der mathematischen Statistik in „Medizin.-meteorolog, Statistik“,
Berlin 1936. — % A. Schmauß: „Das Problem der Wettervorhersage“. Hamburg 1923, S. 30,