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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

v. Hasenkamp, H.: F. Ahlborns Untersuchungen etc. des hydrodynamischen Widerstandes. 507 
daß die Flocken einen scheinbaren Weg von 6 mm zurücklegen, so folgt, daß 
die: Expositionszeit „£, oder rund A Sekunde beträgt. 
Sind dann’ in dem durch die Widerstandsströme .beeinflußten Teile des 
Bildes die Stromlinien länger oder kürzer, so sind ihre Längen die. Maße der 
an den verschiedenen Punkten herrschenden Strömungsgeschwindigkeiten, gemessen 
im Maßstab des Bildes und bezogen auf die Zeit von zz Sekunde, ; 
Da bei der gleichförmigen Bewegung der Platte in jedem Zeitelement 
die gleiche Wassermasse durch den Querschnitt des ganzen Bildes geht, kann 
man die zwischen zwei Stromlinien liegende Wassermenge als einen Wasser- 
faden von wechselndem Querschnitt ansehen, in dem sich die Flüssigkeit wie 
in einem Rohr bewegt, so daß in der Zeiteinheit durch jeden Querschnitt 
dieselbe Wassermenge fließt und das Produkt aus Querschnitt und 
Strömungsgeschwindigkeit konstant ist. 
Zwischen parallelen Strömungslinien fließt also die Flüssig- 
keit mit konstanter Geschwindigkeit; diese nimmt ab, wenn der 
Querschnitt des Wasserfadens zunimmt, und umgekehrt nimmt sie zu, wenn der 
Querschnitt abnimmt, ein Ergebnis, das mit den durch die Länge der 
Strömungslinien gegebenen Geschwindigkeitsmassen vollkommen übereinstimmt. 
Nach dem hydrodynamischen Grundgesetz Daniel Bernoullis folgt 
nun hieraus, daß zunehmende Geschwindigkeit der Wasserteilchen Ab- 
nahme des Druckes und Umwandlung in kinetische Energie anzeigt, 
während die Abnahme der Geschwindigkeit Anhäufung potentieller 
Energie in Form von Druckspannung bedeutet. ; 
Hieraus ergeben. sich für die Deutung der Strömungsbilder die fol- 
genden Sätze: ; 
l. Parallele Strömungslinien bedeuten gleichförmige Geschwindig- 
keit bei konstantem Druck. 
2. Divergenz benachbarter Linien zeigt Abnahme der Geschwindigkeit 
und Zunahme des hydrodynamischen Drucks an. ; 
3. Konvergenz benachbarter Linien weist auf Zunahme der Geschwindig- 
keit und Abnahme des Drucks hin. 
4. Ruhende Flüssigkeit nahe an der Oberfläche des Versuchskörpers 
a) vor divergenten Linien an der Vorderseite bedeutet ein Druck- 
maximum, 
b}) hinter. konvergenten Linien an der Rückseite bedeutet ein Druck- 
minimum. ; 
Die Untersuchung der Haupttypen der Widerstandserscheinungen an 
flächenartigen Gebilden hat nun zu folgenden Ergebnissen geführt: 
A. Der Flüssigkeitsstrom trifft die Flächen senkrecht. 
Als Widerstandskörper wurde eine 5 cm breite rechteckige Tafel aus 
Zinkblech benutzt, die etwa 8 cm tief eintauchte und vom Strom senkrecht 
getroffen wurde, 0 ; 
Das vordere Widerstandsgebiet zeigte eine symmetrische Teilung 
des Stromes (Fig. 2), die etwa im doppelten bis dreifachen Abstand der Tafel- 
breite beginnt, indem die Strömungslinien nach und nach immer deutlicher nach 
den Seiten ausweichen. Bei den äußeren Fäden, die in der Entfernung einer 
Plattenbreite seitlich vorüberziehen, ist die Abweichung nahezu gleichförmig 
and der Verlauf fast geradlinig. Die Ablenkung der inneren Fäden. nimmt 
umsomehr zu, je näher sie der Tafel kommen. und je näher sie dem mittleren 
Achsenfaden liegen. Kurz vor der Tafel weichen die Fäden pinselförmig aus- 
einander, mit schwacher Krümmung zuerst die äußeren, mit starker Ablenkung 
zuletzt die inneren. Die äußeren Fäden werden nur wenig verzögert, dagegen 
zeigen die axialen nahe vor der Tafel eine solche Hemmung, daß die schwim- 
menden Flocken häufig nahezu ganz. in Ruhe erscheinen. Von einer völlig 
ruhenden Flüssigkeit, die, wie v. Lössl!) will, der bewegten Platte wie ein 
zugespitzter. Kopf aufgelagert ist, kann aber nicht die Rede sein; ein eigent- 
liches. Stagnieren vor der ebenen Platte findet nicht statt. 
) F. v. Lössl, Die Luftwiderstandsgesetze usw. Wien 18986.
	        
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