184 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1939,
durch den entsprechenden Teilpunkt F auf dem Mittelmeridian mit dem Halb-
messer r = SF, der sich, in Äquatorgraden gemessen, bestimmt als r = 180° cot x,
wo u“ von der Breite @° nach der Gleichung tg £ = abhängt. Für die Pol-
linie ergibt sich 5 = + und r = 135° (in Äquatorgraden). Jeden Meridian 4°,
auch den Grenzmeridian L,Q,L', erhält man als Kreisbogen durch seinen Teil-
punkt A auf dem Aquator mit dem Halbmesser o=—= MA, der sich, in Äquator-
P 2 2
graden gemessen, aus der Gleichung og = MOL AS A ergibt; also für A4= 180° wird
auch g= 180°, Da Meridiane und Breitenkreise sich rechtwinklig schneiden, ist für
jeden Punkt ZA FSZ=— AMZ = y und verhalten ine Toren
zich die Bogen FZ;AZ=r:g. Die Eintei- ; A ——— SS
lung auf diesen Bogen weicht von der Gleich- PP. @ y_
teiligkeit nur in mäßigen Grenzen ab. Mittel- 906 28,07° 1 0.009
meridian und Äquator sind völlig gleichteilig, I A 9 | 1233
and die nebenstehende Tabelle gibt die 35 allı| aß eO8
Winkel y, die einer Einteilung von 15° zu 15° 150 45.24 | 60 | 3687
in Länge 4 bzw. Breite # auf der Pollinie 65 49,24! 75 45.24
und auf dem Grenzmeridian entsprechen, MA BB
Die Vergrößerungen V der Gesamtbogen der Meridiane und Breitenkreise
im Vergleich zur Kugel gibt die folgende Tabelle,
UT 7 V
1.000
1.026
1.112
1.290
1.714
5 (PB
“3 90°
i5 008, 105
30 | 1.0251 120
45 | 1.057 185
BO 11.101] 150
75 |LI57 168
Mi 7 908 IRA
295
304, 15
„394 1] 30
1.495 | 45
„605 | 60
1726 | 75
|) QAR an
PA
Doppelsymmetrische flächentreue Weltkarten. Für Weltkarten wird man im
allgemeinen verlangen, daß das Netz der Meridiane und Breitenkreise sowohl
zum Äquator als auch zu einem Mittelmeridian spiegelgleich, also doppel-
symmetrisch ist. Sind dabei die Breitenkreise parallele Geraden, so heißt das
Netz geradspiegelig, bei gekrümmten Breitenkreisen krummspiegelig. Sind im
geradspiegeligen Netz die Meridiane gleichabständige parallele Geraden, so ist
das Netz säulig (echte Zylinderprojektion), Ein säuliger flächentreuer Entwurf
hat entweder maßtreuen Äquator, dann ist er der Lambertsche (Ebene Kugel-
bilder Nr. 87 Systemblatt 3), der die Polpunkte in Geraden von Äquatorlänge
auszerrt; oder er hat einen anderen maßtreuen Breitenkreis, Unter diesen
empfiehlt sich der Entwurf von Behrmann (Ebene Kugelbilder Nr. 89) am meisten,
der die Breitenkreise 30° maßtreu abbildet und die kleinste durchschnittliche
Höchstwinkelverzerrung erreicht, Er verkürzt den Äquator im Verhältnis 0.866
und zerrt die Polpunkte in Geraden von 0.866 Äquatorlänge der Kugel aus, Die
Meridianteilungen $ind bei allen säuligen flächentreuen Netzen proportional zu
sin g# statt zu &@ selbst, so daß der Meridianteil zwischen 0° und 5° rund 23mal
3ö groß als der Meridianteil zwischen 85° und 90° ausfällt und die Formver-
zerrungen der Polargebiete grotesk werden,
Verzichtet man auf geradlinige Meridiane und verlangt dafür, daß alle Kugel-
punkte, auch die Pole, als Punkte abgebildet werden, so bietet sich mit gerad-
linigen maßtreuen Breitenkreisen und maßtreuem Mittelmeridian ein flächentreuer
Entwurf von Merkator aus dem Jahr 1606, der meist nach Sanson oder
Flamsteed genannt wird, die 1650 bzw, 1700 solche Karten gezeichnet haben
(Ebene Kugelbilder Nr. 100 Systemblatt 3), Er hat den Nachteil, daß die Voll-
winkel von 360° an den Polen der Kugel auf Polwinkel von nur 144.7° in der
Karte zusammengepreßt werden, während zugleich auf dem Grenzmeridian der
Abschnitt zwischen 85° und 90° mehr als dreimal so groß als der Abschnitt
zwischen 0° und 5° wird.