182 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1939.
Verzerrungen sind allzu ungeheuerlich. Mir scheint es bei jeder geophysi-
kalischen Weltkarte wichtiger, daß sie ein endliches Bild der ganzen
Erde gibt, in dem kein Punkt in eine Linie ausgezerrt wird. Dann
muß man freilich auf die Geradlinigkeit der Meridiane verzichten und auch
darauf, daß die Breitenkreise Verzerrungsgleichen sind. Immerhin gibt es unter
derartigen Weltkarten auch solche, bei denen jeder Breitenkreis gleichteilig
(homogen) ist, d. h. einen konstanten Maßstab in seiner ganzen Ausdehnung be-
sitzt, also diese von der Kommission besonders beionte Forderung erfüllt. Zur
Erreichung der Gleichteiligkeit ist es, da andernfalls die Berechnung der Bogen-
längen von Kurven meist sehr schwierig wird, am zweckmäßigsten, wenn die
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T
fi 4
Ps
Ahh. 2% Winkeltrener Kreisnetz.
Breitenkreise als Kreisbogen oder parallele Geraden abgebildet werden, Parallele
Geraden (man hat viel solche Entwurfsarten vorgeschlagen) haben den großen
Nachteil, daß dann das Meridianbüschel an den Polen auf einen Winkelraum
< 180° zusammengedrängt wird, was zu allzu verzerrten Bildern der Polargebiete
zwingt. Es ist deshalb am besten, die Breitenkreise als Kreisbogen darzustellen,
die in hohen Breiten mehr als 180° Winkel fassen und deren Mittelpunkte auf
dem geradlinigen Mittelmeridian liegen. Solche Entwürfe habe ich zeilen-
kreisig genannt. Sie sind eine Unterabteilung doppelspiegeliger Entwürfe, d.h.
solcher, deren Netze symmetrisch sowohl zum Mittelmeridian als auch zum
Äquator sind,
Die winkeltreuen zeilenkreisigen Entwürfe, bei denen allerdings die
Breitenkreise nicht gleichteilig sein können, sind Lambertsche Kreisnetze,
deren Meridiane und Breitenkreise zwei rechtschnittige (orthogonale) Kreisbüschel
darstellen. Ihre Entstehung ist in Abb, 2 gekennzeichnet, Die Strecke a= OP
sei Bild des Mittelmeridians zwischen dem Äquator (Gerade DOE) und dem Pol P.
Mit ihr ist der Halbkreis DFPE geschlagen, Der Meridianbogen PA zur Länge 2
ist bestimmt durch seinen Halbmesser MP=o und den Winkel « zwischen
Meridian PA und Mittelmeridian PO, der auch = A PMO ist. Der Breitenkreis-
bogen CFB zur Breite @ ist bestimmt durch seinen Halbmesser SB=r und den
Winkel $ = Z EOB zwischen dem Äquator und der Tangente BO des Breitenkreises
in B, der auch =Z.08SB ist. Dann gelten für go, «, r und 8 die Gleichungen