Goedecke, E,: Beitrag zur Hydrographie der Helgoland umgebenden Gewässer, 175
Deutschen Bucht oder bei Helgoland mit großer Vorsicht anwenden. Wenn
irgendwelche Zusammenhänge zwischen Wasserführung der in die Deutsche
Bucht mündenden Flüsse Elbe und Weser und Salzgehaltsgang bei Helgoland
oder auch bei den deutschen Nordseefeuerschiffen festgestellt werden können, so
gind sie im Höchstfalle nur scheinbarer Natur.
Zur weiteren Beachtung seien folgende Punkte angeführt:
4‘, Im Gegensatz zu den von Zorell [siehe auf S. 162 unter (5)} veröffent-
lichten Elbe-Abflußmengen ist an diesen hier wiedergegebenen Werten keine
Korrektion hinsichtlich des Zuflusses im Tidegebiet angebracht worden {für die
Wasserführung der Weser wurde auch schon von Zorell keine derartige Korrektion
benutzt). Die durch den Zufluß im Tidegebiet bedingte Erhöhung des Elbe-Ober-
wassers, deren Berechnung auch nur auf Schätzung beruht, ist gegenüber der Größe
des abfließenden Oberwassers so minimal, daß sie vernachlässigt werden kann.
2. Die Zahlenwerte der Elbewasserführung wurden nach einer von der
Wasserstraßendirektion Hamburg neu aufgestellten Abilußmengenlinie
berechnet, die gezeigt hat, das beim Vergleich mit in früheren Jahren
ausgearbeiteten Abflußmengenlinien gerade die aus ihnen bei mitt-
leren Wasserständen berechneten Wassermengen erheblich vonein-
ander abweichen können.
3. Besonders schwierig sind Wassermengen-Berechnungen aus Pegelaufzeich-
nungen, die bei langanhaltendem Eisgang der Flüsse im Winter oder zur selben
Jahreszeit bei langanhaltenden West- und Nordwestwinden bzw. Ost- und Süd-
ostwinden (gültig für das Stromgebiet der Unterelbe) mit Windstärken größer
als 6 Beaufort gewonnen werden. .
4. Nur die für die Sommermonate berechneten Abflußmengen haben die
größte Wahrscheinlichkeit, daß sie den „wahren“ Mittelwerten am nächsten kommen.
5. Durch die seit 1934 eingesetzte Niedrigwasserregulierung des Elbstrom-
betites sind aller Wahrscheinlichkeit nach die berechneten Wassermengen zu
niedrig angesetzt worden,
Diese hier gemachten Ausführungen über die Gewinnung von Abflußmengen-
werten der Elbe gelten zum größten Teil auch für die Verhältnisse der Weser,
Diese einleitenden Bemerkungen sind dem Verfasser deswegen von so großer
Wichtigkeit, weil die Gefahr beseitigt werden soll, daß bei zukünftigen Unter-
suchungen in dieser Hinsicht aus den wahrscheinlich vorhandenen Beziehungen
zwischen Salzgehalt der Deutschen Bucht und der Wasserführung der Elbe und
Weser zu tiefgreifende Schlüsse gezogen werden, Die Bedeutung dieser Aussage wird
dadurch noch wesentlich hervorgehoben, daß in der bisher für die Hydrographie
der Deutschen Bucht vorliegenden Literatur niemals auf diese wichtigen Punkte
aufmerksam gemacht worden ist, Deshalb soll im folgenden über einen etwaigen
Zusammenhang zwischen Salzgehalt und Wasserführung nur soviel gesagt werden,
wie unbedingt verantwortet werden kann,
Im folgenden werden zuerst noch einige Tatsachen aus den Ergebnissen der
Wasserführung von Elbe und Weser für sich mitgeteilt, Im der Abb, 11 auf
Taf, 19 ist die mitflere Wasserführung dieser beiden Flüsse auf Grund des zehn-
jährigen Beobachtungsmaterials 1927 bis 1936 dargestellt, Man sieht, daß beide
Jahresgänge der Abflußmengen vollkommen parallel laufen. Die stetige Abnahme
vom Winter nach dem Sommer hin wird in auffallender Weise durch das Früh-
jahrshochwasser (April) bei beiden Flüssen unterbrochen. Das Maximum der
Elbe-Abflußmenge ist im April vorhanden, während dasjenige der Weser schon
im Januar aufgezeigt wird, Das Minimum der Wasserführung wird bei beiden
Flüssen zugleich im September erreicht. Die Unterschiede zwischen den extremen
Werten der Elbe und Weser sind in folgender Tab. 15 zusammengefaßt,
Tabelle 15. Unterschiede der monatlichen Wasserführung von Elbe und Weser
in Mill, m* schen u Sa lpemen mitteln.
. um FE
ze { Mininnum (Seprember) 027 153
3
Weser | Mioimum (September) 232 } 785
Die Differenzen zwischen den extremen monatlichen Abflußmengen verhalten
sich bei diesen Flüssen ungefähr wie 2:1, was sehr gut mit den von Zorell (5)