170 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1939,
nun der Deutschen Seewarte in Zusammenarbeit mit der Deutschen
Wissenschaftlichen Kommission für Meeresforschung gelungen, dieser
Forderung auch in technischer Hinsicht gerecht zu werden, Die Salzgehalts-
werte der in ununterbrochener Reihenfolge bei der Deutschen Seewarte ein-
laufenden Wasserproben, z. B. von den deutschen Feuerschiffen und von der
Biologischen Anstalt auf Helgoland, können heute schon eine Genauigkeit
von +0.005 bis +0,01 %g Salzgehalt (mittlerer Fehler!) beanspruchen).
Für die Verhältnisse bei Helgoland-Reede: ist hier zum erstenmal versucht
worden, auf Grund des 8Sjährigen Beobachtungsmaterials®*) merkliche Unter-
schiede im Salzgehalt des Oberflächenwassers für die Zeit von zwei aufeinander-
folgenden extremen Wasserständen und bei den verschiedenen Tidenarten fest-
zustellen. In der anschließenden Tab. 8 sind die Jahresmittel des Salzgehaltes
(1929 bis 1936) getrennt für
Tabelle 8. Hoch- und Niedrigwasser
Jahresmittel des Salzgehaltes (1929 bis 1936) bei und auch für die drei Tiden-
Wasserstand" Springtide | Mitteltide | Nipptide arten: Spring-, Mittel- und
HW.... | 32.354 (195)*)| 32.2394, (382)| 32.294 (194) Nipptide wiederzogchen,
NW oa. T 39.34 "° (195) "| 32.23 W082) 32.11 (188) B Trotz des umfangreichen
Pe 5 = 5 eobachtungsmaterials sind
— a 200112000 170180 | +0,01 %/oo 0.00 Yo 30.1800 wesentliche Salzgehaltsunter-
*}) Die eingeklammerten Zahlen hinter den Salzgehalts- schiede zwischen den Hoch-
mitteln sind die neh der Beobachtungen während der acht nung Niedrigwassersalzgehalts-
Jahre A000 bin LO mitteln nur bei Nipptide be-
rechnet worden. Die Differenz beträgt hier kaum 2% Praktisch, muß man
wohl auch jetzt noch sagen, besteht nach den bis jetzt vorliegenden Beob-
achtungen bei Helgoland-Reede nahezu kein Unterschied im jährlichen
Salzgehaltsmittel bei zwei aufeinanderfolgenden extremen Wasserständen,
Auch die drei verschiedenen Tidenarten unterscheiden sich hinsichtlich des jähr-
lichen Salzgehaltes nur um rund 4° Die theoretische Annahme, daß im Mittel
bei Springtide ein höherer und bei Nipptide ein niedrigerer Salzgehalt als bei
Mitteltide vorhanden ist, bestätigt sich rechnerisch anscheinend nur bei Niedrig-
wasser, Jedoch sind die Differenzen zwischen den einzelnen Salzgehaltsjahres-
mitteln sehr klein, so daß man auf Grund der aus den Berechnungen gewonnenen
Durchschnittswerte vorsichtig sein muß, weitere Schlüsse zu ziehen. Hätte man
diese Berechnungen, z, B, für die Beobachtungen des F.-Sch, „Elbe 4“, durchgeführt,
so hätte man sicherlich andere Größenunterschiede, besonders zwischen den HW-
und NW-Salzgehalten, erhalten. Es soll hier aber doch noch einmal unter-
strichen werden, daß die zwischen den drei Tidenarten berechneten
Salzgehaltsunterschiede immerhin zehnmal größer sind als der den
ginzelnen Beobachtungen anhaftende mittlere Fehler.
Anders schon wird das Ergebnis, wenn man nicht die verschiedenen Jahres-
mittel berechnet, sondern den bei den drei verschiedenen Tidenarten (nicht ge-
trennt für HW und NW) auftretenden häufigsten Salzgehalt, den sogenannten
Salzgehaltsscheitelwert bestimmt. Es wird nicht die Häufigkeit jeder
einzelnen Salzgehaltsbeobachtung untersucht, sondern die Häufigkeit von
bestimmten Salzgehaltsintervallen (siehe Abb, 9 auf Taf, 19). Die Größe der
Intervalle beträgt gleichmäßig 0,5%, Salzgehalt, Auf der Abzisse der Figur 9
sind die einzelnen aufeinanderfolgenden Salzgehaltsbereiche zwischen den Grenz-
werten 28,5%, und 35.0%., und auf der zugehörigen Ordinate die Zahlen für
die prozentuale Häufigkeit aufgetragen, Für die drei verschiedenen Tiden-
arten sind dem entsprechend auch drei unterschiedliche Häufigkeitskurven
yewonnen worden, Der Salzgehaltsscheitelwert kommt nahezu bei allen drei
Kurven in dem Salzgehaltsbereich 32.0 % , bis 32,5% vor. Nur bei der Kurve für
% Siehe‘ Meereskundliche Beobachtungen auf deutschen Feuerschiffen der Nord- und Ostsee,
Jahr 1937, Hamburg 1938, in der Einleitung auf 8. VII: bisherige Genauipkeit der Salzgehalts-
bestimmaung = + 0.01 bis + 0.028 %. — 9) Anmerkung d, Verf: Die Jahre 1927 und 1028 zählen
nicht mit, Die Staatliche Biologische Anstalt auf Helgoland schloß sıch erst am 1, Januar
1929 dem von der Deutschen Seewarte seit 1923 auf den Nordsee-Feuerschiffen eingerichteten
Beobschtungsschema an.
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