accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: 67, 1939

Stocks, Th.: Nenes zur Morphometrie des Atlantischen Ozeans. 
a 
Beckens diese Volumenverkleinerung erzwingen. Bei gleichem Lotmaterial also 
ist anzunehmen, daß die Berücksichtigung der Erdkrümmung eine Volumen- 
verringerung und damit eine Verringerung auch der mittleren Tiefe bedingt, 
während neues Lotmaterial teils auch eine Volumenverringerung nach sich zieht, 
teils jedoch (und dafür ist das Nordpolar-Becken der beste Beweis) ein erheblich 
größeres Volumen zur Folge haben kann, Das Nordpolar-Becken, dessen größte 
Tiefe bei Groll noch nicht einmal 4000 m ausmachte, besitzt, wie wir neuerdings 
wissen, Tiefen von über 5000 m?), Selbst bei vorsichtiger Isobathenführung 
(Abb. 8, s. S. 8) müssen in dem Teil des Nordpolar-Beckens, der dem Ostsibirischen 
Schelf benachbart ist, große Gebiete von über 4500 m angenommen werden, ja 
über den Pol hinaus erstreckt sich die eigentliche Tiefsee des Nordpolar-Beckens 
bis in die Nähe der Nordgrönländischen Küste. Es leuchtet ein, daß diese Nen- 
auszählung ein erheblich größeres Volumen mit sich bringt, und zwar ein Mehr 
von etwa 5000000 cbkm und ein Mehr in der mittleren Tiefe von etwa 600 m. 
Das Arktische Mittelmeer insgesamt als das wasserreichste unter allen Nebenmeeren 
des Atlantischen Ozeans ist trotz dieser großen Mehrbeträge nicht in der Lage, 
das Volumen des ganzen Atlantischen Ozeans um so viel zu erhöhen, daß es die 
alte Berechnung übertrifft, selbst nicht bei Vernachlässigung der Erdkrümmung. 
Mit etwa 10 m Differenz bleibt die neue Berechnung der mittleren Tiefe unter 
der alten von Kossinna, Dies scheint in der Tat ein beachtliches Ergebnis der 
neuen Berechnung zu sein, mit dem die geophysikalische Forschung künftighin 
zu rechnen hat. 
VI. 
Als ein neues Ergebnis der morphometrischen Berechnung sind auch die 
Einzelwerte für die verschiedenen Becken und Mulden des Atlantischen Ozeans 
zu betrachten, Werte dieser Art liegen bisher nicht vor, haben jedoch für quanti- 
tative hydrographische Untersuchungen sowie für geotektonische Fragen ein 
gewisses Interesse. Das Material, in Tabellenform zusammengefaßt (Tab. 2, s. S. 10), 
zeigt verschiedene Eigentümlichkeiten, die Rückschlüsse auf die verschiedene 
Struktur der einzelnen Becken untereinander oder auch beispielsweise der Becken 
der Ostmulde gegenüber denen der Westmulde zulassen, 
In kurzer Zusammenfassung ergeben sich aus der Berechnung der bathy- 
metrischen Grundwerte für die Becken und Mulden u. a, folgende Tatsachen, die 
(ür die morphologisch-tektonische Diskussion als Fingerzeige dienen können: 
Der grundlegende Unterschied der Becken der Ostmulde gegenüber denen 
der Westmulde besteht darin, daß die mittleren Tiefen im Osten des Atlan- 
tischen Rückens in geringerem Maße von der Mitteltiefe abweichen als westlich 
des Rückens. Bei Betrachtung der Häufigkeitsverteilung der einzelnen Becken 
sowie der hypsographischen Kurven?®) zeigt sich ferner, daß in der Ostmulde die 
Maxima, mit Ausnahme des Nördlichen Endbeckens (Isländischezs Becken), fast 
ausnahmslos in der Nähe der Tiefe von 4500 m liegen, im Mittel für die ganze 
Ostmulde im Niveau zwischen 4000 m und 4500 m. In der Westmulde dagegen 
streuen die Tiefenlagen der Maxima ganz erheblich; sie liegen zwischen 3500 m 
und 6000 m, wenn wir auch hier wieder von dem Nördlichen Endbecken (dem 
Labrador-Becken) absehen. Auch für das Muldenmittel liegen die Maxima tiefer 
als in der Ostmulde, nämlich zwischen 4500 m und 5500 m. Eine ganz ähnliche 
Erscheinung zeigen die Tiefenanlagen der Minima: In der Ostmulde fast aus- 
nahmslos zwischen 200 m und 500 m mit sehr geringer Streuung, in der West- 
mulde dagegen zwischen 200 m und 2500 m mit entsprechend hoher Streuung. 
Auch andere Tatsachen, die sich aus den Kurven der Häufigkeitsverteilung der 
Areale der Tiefenstufen und den hypsographischen Prozentkurven ablesen lassen, 
deuten darauf hin, daß die Becken der Ostmulde, obwohl an Zahl der wirklich 
selbständigen Gebilde größer, allem Anschein nach eine viel ruhigere Struktur 
aufweisen als die der Weostmulde, Alles in allem zeigen sie auch in ihren Ge- 
samtarealen und Gesamtvolumina bei weitem nicht so extreme Werte wie die 
”) Wilkios hat im Jahre 1927 mit dem Echolot von der Kisscholle aus mehrere Tiefen von 
AM En m Sinmal sogar 5625 m gewonnen, — 1) Vgl, Stocks, 8,8. 0., 8. 83ff., Abb, 37—40, und 
a. . M
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.