164 Annalea der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1939,
Reliefstörungen aufweisen. Zu diesem Zweck sind die Tiefenlinien von 5 m zu
5 m gezeichnet und die einzelnen Tiefenstufen koloriert worden (s. Abb. 2 auf
Tafel 17), Da die Tiefenstufe 0 m bis 5 m und 5 m bis 10 m nur im Gebiet des
zeschlossenen Helgolandsockels (Insel, Abrasionsterrasse, Düne, Sandbänke usw.)
auftritt, soll die Besprechung der Tiefenverhältnisse um Helgoland herum mit den
beiden nächstfolgenden Tiefenstufen 10 m bis 15 m und 15 m bis 20 m beginnen,
Diese beiden Tiefenstufen sind im allgemeinen in der Deutschen Bucht
überall dort anzutreffen, wo der mehr oder weniger breite Küstensaum bis zur
20 m-Kante der nord- bzw. west- und ostfriesischen Inselregion vorgelagert ist
[siehe Schrifttum auf S. 162 unter (5) auf Tafel 1]. Die 20 m-Tiefenlinie zeichnet
sich dadurch aus, daß sie durch ihren sehr unruhigen Verlauf verschieden große
Riffe und Bänke der friesischen Küsten einschließt. Hierbei werden meistens
nur die Terschelling-Bank, das Borkum-Riff und die Amrum-Bank genannt. Die
20 m-Tiefenlinie weist aber zwischen 10° und 15° N-Br. und 07° 50° und 08° 10’ E-Lg.
außerdem als weiteres Charakteristikum auf: eine schmale, nasenförmige
und weit nach Westen vorspringende submarine Erhebung, auf der
von Osten nach Westen die Station des Außeneider-F.-Sch,, der Steingrund, die
Loreley-Bank und der Helgolandsockel mit Düne liegen. Dieses Flachgebiet, das
vom Verfasser „Helgoland-Flach“ genannt werden soll, prägt sich in der
Abb. 2 als eine von Osten nach Westen vorspringende schmale Zone aus (vgl.
die Tiefenstufe 10m bis 15 m insbesondere und die Tiefenstufe 15 m bis 20 m in
der Abb. 2).
Sehr bemerkenswert in der Tiefenkarte ist weiter folgendes: Das ganze Nord-
gebiet zeichnet sich durch ein sehr flaches, langsam nach Westen von 15 m bis
30 m abfallendes Gebiet aus, Im Südosten dagegen senkt sich der Meeresboden
von 15 m auf über 40 m nahezu gleichmäßig herab. Während die Tiefen im
Norden und Südosten von Helgoland allmählich zunehmen, werden die Tiefen im
Westen und vor allem im Süden schon auf kleiner Entfernung sehr schnell
größer. Im Westen nimmt die Tiefenstufe 35 m bis 40m wie das flachere Gebiet
im Norden ein größeres Areal als z.B. die sowieso flacheren im Osten ein. Die
schnellere Tiefenänderung liegt also, wenn wir von der Südregion im besonderen
absehen, im Gebiet von 25 m bis 35 m. Als Gegenbild zu dem bis über 50 m
über dem Meeresniveau aufragenden aus triassischem Fels aufgebauten Melgo-
landsockel breitet sich im Süden desselben ein geschlossenes Tiefgebiet mit über
55 m Maximaltiefe, die sogenannte Helgoländer Tiefe Rinne, aus, Besonders
schnell nimmt die Tiefe im Süden zu. Im Gebiet Hog Stean-—Helgoland-
Glockentonne senkt sich der Meeresboden auf 1 Sm Entfernung von 5 m bis auf
55 m herab. Hier ist also die größte Böschung anzutreffen. Die Entfernung
zwischen der höchsten Erhebung der Insel und der tiefsten Stelle der Rinne
beträgt rund 3 Sm, Auf dieser von Norden nach Süden gerichteten Strecke
besteht ein Höhenunterschied von über 110 m. Die Frage, ob die tiefste
Rinne (größer als 55 m) dieser submarinen Vertiefung wie in der Abb, 2 ein
geschlossenes Gebilde ist oder aus mehreren tiefen, im untermeerischen Fels
liegenden Löchern besteht, muß vorläufig noch dahingestellt bleiben, Der Ver-
fasser nimmt nach den langjährigen Beobachtungen in diesem Gebiet während
der „Poseidon“-Fahrten in Verbindung mit den neuesten Eintragungen in der
benutzten Seekarte an, daß hinsichtlich des geschlossenen Verlaufs der übrigen
Tiefenlinien in dieser Rinne und ihrer zungenförmigen Ausbreitung nach allen
Seiten auch die tiefste Zone einheitlich und ohne Unterbrechungen aufgebaut
ist. Alles in allem prägt sich diese Tiefe Rinne mit dem Helgolandsockel in
der ganzen südlichen Nordsee sowohl vom morphologischen als wahrscheinlich
auch vom isostatischen Standpunkt als das hervorstechendste Gebilde im ganzen
Relief des südlichen Nordsee-Meeresbodens aus.
In diesem Zusammenhang interessiert in erster Linie natürlich die Lage
der Terminstationen zum Relief des Meeresbodens um Helgoland (siehe
Abb. 2a die Stationspause auf der Tiefenkarte Abb. 2 auf Tafel 17), Von der
Station. Heigoland-Reede können wir hier absehen, da sie zum flachen Gebiet des
Helgolandsockels gehört. Sie liegt im Strom zwischen der Insel und der Düne