158 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1939,
in der Kolonialforschung nicht nachzustehen, ob-
U er zur Zeit nicht über seine Kolonien ver-
ügen kann,
In der Gegenwart wird sozialistische und
Astionalwirtschaftliche Kolonisation betrieben,
weiß man doch, daß der Eingeborene in den Tropen
der natürliche Landbebauer ist und unter ge-
wohnten Lehbens- und Klimabedingungen beacht-
liche Leistungen hervorbringt. Das Wissen um
den Eingeborenen — nicht zu vergessen das Problem
„Schwarz-Weiß“ — um Boden, Pflanzen, Tiere,
Heil- und vor allem Klimakunde*), Kenntnis der
Absatzländer und auch des geschichtlichen Werdens
der Gebiete gehören zum Rüstzeug des Kolonial-
wirts,
Alle Fragen werden leicht verständlich und
anregend behandelt: Neue Probleme wissen-
sehaftlicher Kolontalforschung (Troll), Die
weitgeschichtliche Bedeutung der Übersee
ischen. Kolonisation (Meyer), Afrika als
deutsches Siedlungsgebiet (Rohrbach), Der
afrikanische Mensch und die europäische
Kolonisation (Westermann), Lie heutigen
Koloniaireiche in Afrika (Obat), Die wirt-
schaftliche Bedeutung der deutschen Kolonien
sinst und jetzt (Gunzert), Die deutsche Afrika-
schiffahrt und die Kolonien (Martens). Es
ist nicht verwunderlich, daß Afrika in der Be-
irachtang hervortritt, weil „die kolonialen Zukunfts-
NEN Europas heute mehr als je afrikanische
Aufgaben geworden sind“ (Seite 9), Dabei „be-
nötigen weder Frankreich noch England im Ernst
ansere alten deutschen Kolonien, um die ihnen in
Afrika vorschwebenden Ziele zu erreichen“ (Seite 104),
Die Gedankengänge des vorzüglichen, gut aus-
yestatteten Werkes sollen nun nicht im einzelnen
dargelegt werden; es sel nur noch darauf hin-
gewiesen, daß die Ausführungen vorteilhaft durch
Bilder, Kärtchen und durch klug auf das Not-
wendigste beschränkte statistische Angaben er-
yänzt werden, Jedermann möge die Schrift zum
eigenen Nutzen selbst lesen, U, Charisius.
Alfred Ehrhardt, Das Watt, Hamborg 1937,
Verlag Heinrich Ellermann. Preis 7.50 RM.
In den Jahren 1933 bis 1936 hat der Autor
des vorliegenden Buches im Watt des Mündungs-
vebietes von Elbe und Weser eine große Zahl von
photographischen Aufnahmen gemacht, die auf
Ausstellungen in zahlreichen deutschen Städten
allgemeine Aufmerksamkeit erregt und in der Presse
begeisterte Anerkennung gefunden haben. Etwa
zn Viertel des Gesamtbestandes der Aufnahmen
sind nun durch diese Veröffentlichung allgemein
zugänglich geworden. Sie zeugen davon, daß der
Verfasser sich mit großer Liebe und Aufmerksam-
keit in die Vorgänge auf dem Watt vertieft hat,
Ein besonders reizvolles Objekt der Aufnahmen
bilden die Riffelungen des Eodens, die in zahl-
reichen Bildern zur Darstellung gelangt sind, Die
Wirkung gleichmäßigen und umspringenden Windes
auf den Soden vermittelst des nach wechselnder
Richtung bewegten Wassers, der Einfluß der Be-
schaffenheit des Bodens {Sand oder Schlick} treten
anschaulich bei einem Vergleich der Bilder hervor;
weiterhin lieferten die Priele in ihren verschiedenen
Stadien der Ausbildung, die Ufer der Priele,
Muschelbänke usw. dankbare Objekte für Auf-
nahmen, Vor allem die Bilder von den Ober-
flächenformen, welche durch das ablaufende Wasser
b} Val. die laufenden „Klimatographischen
Witterungsschilderungen“ in dieser Zeitschrift,
antstehen, besonders das Bild von den feinen
millimetertiefen Rinnen der letzten Restwasser,
weiterhin die Aufnahme von den auf Sand nieder-
allenden Regen herrorgerufenen Oberflächenformen,
zeugen. von einer liebevollen Betrachtung auch der
<leinsten Naturerscheinungen, Diese Sammlung von
36 vortrefflich wiedergegebenen und in annähernd
rieichem Maßstabe vergrößerten Aufnahmen gibt
an anıschauliches Bild der anorganischen Natur
jes Watts und wird auch manchen von denen,
welche das Watt bereits kennen oder zu kennen
glauben, einen anregenden Genuß bereiten,
B. Schulz.
Geographisches Jahrbuch. 53. Band. 1938, Be-
gründet 1866 durch E, Behm, fortgesetzt durch
H, Wagner, herausgegeben von Ludwig
Mecking., Gotba 1935, Verlag Justus Perthes,
N WI Breis 1. Halbband 21 RM. 3. Halbband
Da wirtschaftliche Gründe lange Jahre hin-
lurch dazu zwangen, den Umfang des Geogra-
phischen Jahrbuchs weit unter dem der Vorkriegs-
zeit zu halten, drohten die Berichte durch zu großen
Jmfang der Berichtszeiten und damit verspätetes
Erscheinen den Anschluß an den Fortschritt der
Wissenschaft zu verlieren, Erfreulicherweise hat
der Verlag mit Unterstützung der Deutschen
Forschungsgemeinschaft bereits in den letzten
Jahren den Umfang vergrößern können; mit dem
aun vorliegenden Bande, der in zwei Halbbänden
erscheint, ist abermals ein Fortschritt nach dieser
Richtung erzielt. worden, der Umfang ist mehr als
doppelt so groß wie in den letzten Jahren vor 1935.
Aus dem Gebiete der allgemeinen Erdkunde
gibt H. Spreitzer zunächst die zweite Hälfte
seines Berichtes über die Fortschritte der Geomor-
phologie (exogene Kräfte und ihre Wirkungen)
1925 bis 1936; besonders hinzuweisen ist hier auf
die Abschnitte über die morphologische Tätigkeit
des fließenden Wassers sowie von Schnee und Eis,
weiterhin auf den Abschnitt über die zerstörende
Tätigkeit von Wellen, Brandung und Gezeiten.
3. Rensch überblickt die Fortschritte der Tier-
zeographie 1931 bis 1937 mit Einschluß der marinen
Fiergeographie, Aus dem Gebiete der Länderkunde
jegen Berichte vor über Korean 1926 bis 1936
'H. Lautensach), die Mandschurei mit Dachehol
1927 bis 1936 (G, Fochler-Hauke), Rumänien
‚929 bis 1937 (H, Wachner), Nordasien, West.
rkistan und Innerasien 1926 bis 1937 (W. Leim-
oach) in seiner ersten Hälfte sowie Australien und
Jzeanien 1928 bis 1937 (W. Geisler), Die Reihe
der Berichte über die Länderkunde des antiken
Ostens, in der bisher Griechenland, Kleinasien und
Vorderasien erschienen sind, wird durch den über
Nordostafrika{193 1 bis 1936) vorläufig DEE -
. Schulz.
Wanda Oesau: Die deutsche Südseelischerel auf
Wale im 19, Jahrhundert. Verlag J.J. Augustin,
CHückstadt 1939, 1378, 12 Bildtafeln. Preis
4.80 RM.
Bei dem Quellenstudium für die Abfassun
des Buches „Schleswig-Holsteins Grönlandfahrt auf
Walfischfang und Robbenschlag vom 17. bis 19.
Jahrhundert‘“1) traten der Verfasserin mehrfach
noch nicht benutzte Nachrichten von den deutschen
Südseefahrten auf Walfang eutgegen. Die weitere
Nachforschung ergabschließlich hinreichend Material
für eine neue zusammenfassende Betrachtung, die
0 Vel, des. Zeitschrift 1937, S. 94 f.