Kleinere Mitteilungen,
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übrigen namhaften, durchweg recht dumpfen Städten Pontianak, Samarinda und
Bandjarmasin, Der kräftigen Luftbewegung ist es auch zu danken, daß Moskiten
nur in erträglichem Umfang auftreten, und daß wor allem die lästigen Agas
(kleine schwarze Stechfliegen) anscheinend gänzlich fehlen. Dr. Karl Helbig.
5. Klimatographische Witterungsschilderung, Nr. 128: Borneo. — Aus
der Sammlung des üÜüberseeischen. meteorologischen Dienstes der Deutschen See-
warte. — Witterungsverlauf während der Monsun-„Kenterung“ am Ende
der Trockenzeit in Kandangan. Beobachtungstag: 3. Norember 1937,
{Hierzu Tafel 15 mit Abb. 5 bis 8.}
Kandangan (Südborneo) liegt in 12 m Meereshöhe auf etwa 2° 54’ 8, 115° 18 E in der
anteren Barito-Ebene im westlichen Vorland des bie 1900 m hohen Meratusgebirges, Von der Süd-
and Ostküste ist Kandangan etwa je 125 km entfernt,
Die vorangegangenen Tage standen lebhaft im Zeichen der Monsun-„Kente-
rung“. Gewöhnlich über oder kurz nach Mittag hatten im Wolkenzug erkennbare
nordwestliche und südöstliche Luftströmungen bei dem unklaren Hin und Her
der Wolkenbewegungen in der Regel zu heftigen Gewitterentladungen und Nieder-
schlägen geführt. Nach den letzten sehr heißen Tagen (mittags bis 38°) brachten
die ersten starken Regen spürbare Abkühlung. Die Abende waren zwar meist
wieder regenlos, still und warm, doch folgten kühlere Nächte mit Morgentempe-
raturen um 25° — Der Beobachtungstag beginnt mit schwachen Nebeln, die
eine einheitlich graue Schicht vor den Himmel ijegen. Doch ist in der Waage-
rechten bis auf 400 m reichlich Sicht. 6: und 73: £ 25.3°), Ab 7% öffnen sich
im Zenit die ersten Fenster in der Himmelsbedeckung, Man sieht auf !ockige,
kleine, tiefe Cu, die unter geringer Veränderung ihrer Formen sehr langsam mit
südöstlichem Wind gegen NW treiben. Immer wieder weht jedoch der tiefere Dunst
rasch mit NW-Strömung herbei und schließt bald nach dem Aufbruch der Fenster
diese wieder ab, während andere vorübergehend aufreißen. Der Nebel weicht
bis 8%h fast völlig, hat aber nunmehr eine tiefe, einheitlich graue Wolkendecke
vor den Himmel gezogen, — 8b: £ 26,5°. Die St-Decke lockert sich gegen 9%b,
und hinter zerflatternden grauen Dunstballen zeigen sich kleine Herden weißer
Flöckchen von Acu sowie Ci-Fäden (Abb. 5), Schwache NW-Brise macht sich
bemerkbar, Die Erwärmung geht schnell voran; 115: t 28,8°, Der Himmel lichtet
sich immer mehr, und bei einschlafender Brise wird die Hitze rasch dumpf und
drückend, vornehmlich zwischen 11% und 13%b, Nur ganz vereinzelte schwache
Luftbewegungen aus NW erfrischen für kurze Augenblicke, Acu beherrschen bei
einem Bedeckungsgrad von A in größeren und kleineren Ballen jetzt vollständig
den Himmel, Um 13% jst mit 30.4° das Temperaturmaximum des Tages erreicht.
£8 beginnen nunmehr an verschiedenen Teilen des Horizontes, an der NW-,
stärker jedoch an der E- bis S-Hälfte, mächtige Cu-Gebirge schnell emporzuwachsen,
wobei sich Dutzende von quelligen Stockwerken übereinanderschachteln (Abb, 6}.
Grell scheint die Sonne auf die oberen Wülste und erhellt sie gleißend (Abb. 7).
Sehr rasch, in weniger als 4} Stunde, breitet sich die Basis der Wolkenmasse am
E- und SE-Himmel mehr und mehr auseinander, und das vorher scharf umrandete
Cu-Gebirge zerfließt dabei zusehends in eine gleichmäßige, schmutziggraue Masse,
die sich bis auf etwa 500 m über dem Erdboden herabwölbt (Abb. 8). 5 km
östlich vom Beobachtungsort ertrinkt kurz darauf bereits alles in schwerem,
undurchsichtigem Regen, Doppelblitze mit Schwärmen von Seitenfäden gehen
sowohl im E als im $S fast senkrecht. herunter, Aus beiden Richtungen wird
starker Donner vernommen, Mit SE-Wind treibt die ganze Regenmasse schnell
voraus, Die tiefschwarze, gewulstete Stirnseite ist nur wenig zerfranst; unmittel-
bar vor ihr gegen den gesamten W- und NW-Himmel hin sieht man noch die
höheren, hell beschienenen Cu-Bänkehen und -Vorhänge, Auf der Rückseite der
Gewitterfront dagegen schleppen zwei gewaltige, unscharf gerandete Schwänze
zleich ungeheuren Haltetauen eines Luftschiffes bis dicht über den Boden, Etwas
15 Minuten nach dem Beginn der Regen im E und SE haben auch sie uns
4 Die Temperaturen wurden mit einem in fünftel Grade geteilten BSchleuderthermometer
FEMESSCN.