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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1939,
von 14° bemerkbar, Auf dem Wege nach Südengland erfolgt über der Nordsee
eine weitere Wärmezunahme von 6°, jetzt zeigt sich erstmalig auch in der
Höhe eine beginnende Degeneration der Kaltluft, die sich über Frankreich bis
zum 21. fortsetzt, obwohl dort in den unteren Schichten durch Ausstrahlung
neue Abkühlung erfolgt. Die Mitteltemperatur der unteren Troposphärenhälfte hat
sich jetzt insgesamt um 12° erhöht,
Lehrreich ist auch eine Betrachtung der Höhenlage der 1000- und 500 mb-
Fläche auf dem Wege der Kaltluft (letzte bzw. dritiletzte Zeile der Tabelle 8).
Von Omsk bis Stockholm erfährt die 500 mb-Fläche gar keine Änderung, während
der Druck am Boden entsprechend der unteren Erwärmung abnimmt. Auf dem
Wege von Lindenberg bis Trappes erfolgt dagegen eine ständige Druckabnahme
in der gesamten Troposphäre, naturgemäß am stärksten am Boden.
Das Problem der Umwandlung der Luftmassen auf ihrem Wege vom
Ursprungsgebiet ist in Europa noch wenig untersucht worden. In diesem Falle
konnte gerade das zentrale Gebiet eines Kaltluftschwalls erfaßt werden. In
Tabelle 9 sind zunächst die totalen Änderungen noch einmal zusammengestellt.
Am zuverlässigsten sind die Ergebnisse für den Weg Omsk—Stockholm mit einer
Gesamtänderung von 30° in Bodennähe und von 5° bei 700 mb, Über 7rappes
schließlich war die Troposphäre bis 600 mb hinauf mehr als 10° wärmer als
über Omsk, und daraus errechnet sich eine mittlere tägliche Erwärmung
für die nordsibirische Luft von 4° bei 1000 mb und von etwa 1° in der
mittleren Troposphäre. Über dem Festland von Omsk bis Smolensk war die
tägliche Änderung etwa ebenso groß, Beim Überschreiten der Nordsee steigerte
sich die Temperaturzunahme (letzte Spalte der Tabelle 9} auf 6° in den unteren
Schichten innerhalb von 24 Stunden, Insgesamt ergibt sich also, daß die
Umwandlung einer kontinental-arktischen Luftmasse am Boden etwa
viermal soschnell vonstatten geht wie in der freien Atmosphäre, daß
oberhalb von 2000 m die tägliche Temperaturzunahme höchstens 1°
erreicht und in der oberen Troposphäre noch geringer bleibt.
Am 19, Dezember ist in Mitteleuropa der Höhepunkt der Kältewelle überschritten, und zugleich
begiunt sich auch das nordsibirische Hoch abzuflachen, wobei sein Zentrum aber zunächst noch weiter
westwärts vorrückt und schließlich am 21, (siehe Abb, 1) nach Nordschweden gelangt. Jetzt nimmt
es eine entscheidende Kursänderung vor und verschwindet rasch in südöstlicher Richtung, wobei es
am 27, schon in der Nähe des Baikalsees angelangt ist. Damit wird die Kalteperiode über West.
europa ebenso rasch beendet, wie sie begann, während sich östlich der Elbe der SnARAiee Durchbruch
zum Tauwetter und damit die Wiederherstellung ähnlich milden Wetters wie vordem noch bis zum
8. Januar 1930 hinauszögerte,
Zusammenfassend sei noch einmal herrorgehoben: Bereits im Oktober
war der Luftdruck über dem sibirischen Eismeer höher als normal.
Ende November entwickelte sich dort ein erstes mächtiges Hoch, das zunächst
südwestwärts wanderte, dann aber bald nach Südosten abbog. Ein zweiter
Hochdruckkern rückte dagegen aber bei Verstärkung bis auf 1067 mb
unentwegt auf Europa zu vor und machte erst am 21, über Nord-
schweden kehrt, Auf seiner Südseite gelangte Luft nordsibirischen
Ursprungs bis nach Westeuropa, wobei die Kaltluft über Europa die
Form eines abgeschlossenen Tropfens annahm, begleitet von einem
ausgeprägten Höhentief und gefolgt von einem Warmluftvorstoß aus
Südost. Die Kaltluftmasse durchsetzte die gesamte Troposphäre und
brachte bis zur Tropopause eine Abkühlung von mehr als 20% wobei
die Alterung der Luftmasse in Bodennähe etwa viermal so schnell
erfolgte wie in der freien Atmosphäre.
R. Scherhag, Berlin, Reichsamt für Wetterdienst,
2. Klimatographische Witterungsschilderung. Nr. 125: Borneo, — Aus
der Sammlung des überseeischen meteorologischen Dienstes der Deutschen Seewarte. —
Witterungsverlauf in der Übergangszeit zu den binnenländischen
Trockenmonaten in Semitau, Beobachtungstag: 19. Juni 1937’). (Hierzu
Tafel 15 mit Abb, 1 bis 3.)
1 Weitere Klimatogr, Wittrgeschldrg, des Verfassers aus Borneo s. Ann, d. Hrdr. ns. 1938, 8. 469.