Kleinere Mitteilungen,
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war als die Tropikluft, die vor ihrem Einbruch Mitteleuropa beherrschte. Die
Stratosphäre war dagegen über der Kaltluft zwischen 11 und 13 km etwa 10 bis
15° wärmer, ein Betrag, der allerdings bis 16 km Höhe schon auf 2° reduziert war.
Bei einem Vergleich der Höhen der Hauptisobarenflächen (Tabelle 5) ergibt
sich, daß der untere Druckanstieg nicht einmal bis 2000 m reichte und daß die
Senkung der Niveauflächen bei 300 mb etwa 5mal so groß war wie die Hebung
der 1000 mb-Fläche. Eine Kompensation triit hier in der Stratosphäre nur zu
einem Teil ein, die 100 mb-Fläche liegt über Stockholm am 20, noch 85 Deka-
meter tiefer als über Erfurt am 12, und da darüber die Temperaturänderung
nur noch gering ist, wird sich dieser Betrag in noch größerer Höhe nur wenig
ändern, in ihm spiegelt sich sicher zum Teil das normale winterliche südnörd-
liche Druckgefälie in der Stratosphäre wider.
In Tabelle 6 sind die Ergebnisse für Z7rappes (bei Paris) zusammengestellt, Der
Aufstieg am 21. fand etwa im Zentrum des zweiten Kaltlufttropfens, jener vom 14,
ebenso wie der vom 1.[I. 39 in Tropikluft statt, Es ergibt sich hier, daß die Masse
der nordsibirischen Kaltluft über Frankreich bereits erheblich degenerierte, indem
3ie nur in den untersten Schichten noch 20° kälter war, immerhin beträgt die Tempe-
raturdifferenz aber noch bis zur Tropopause meist mehr als 10°; in der Stratosphäre
3ind die Änderungen geringer; hier ist von einer Kompensation der starken Druck-
schwankung an der Tropopause kaum mehr die Rede, wie ebenfalls der Luftdruck
am Boden im Zentrum der Kaltluft erheblich niedriger war als eine Woche vorher.
Über der Kaltluft war die niedrigste Tropopausentemperatur (letzte Reihe der
Tabelle 6) nur 4 bzw. 7° höher als innerhalb der Tropikluft, dabei lag die
Stratosphärengrenze in der Kaltluft auch nur 2000 bis 3000 m niedriger.
Über Mittel- und Osteuropa waren die Änderungen in der Höhenlage der
Tropopause beträchtlicher (Tabelle 7), sie erreichten mehr als 4000 m, und die
niedrigste Tropopausentemperatur lag in der Tropikluft über 10° tiefer.
Es muß als ein glücklicher Zufall bezeichnet werden, daß wir bis in die
Nähe des Ursprungsgebietes der nordsibirischen Kaltluft eine Reihe Aufstiege
zur Verfügung haben. In Tabelle 8 sind diese . Messungen zusammengestellt,
zuerst ein Flugzeugaufstieg von Omsk in Mittelsibirien (die Lage dieser
Stationen ist in Abb. 1 eingezeichnet) vom 7. XI. vor dem Einbruch der nord-
sibirischen Masse und dann jener vom 14, nicht weit vom Kältezentrum ent-
fernt, das zu dieser Zeit etwas nördlich von Omsk gelegen haben muß, Wir
erkennen hier, welch gewaltigen Temperatursturz diese Kältewelle selbst in
Innersibiriem im Gefolge hatte: in den unteren Schichten etwa 30° und auch bei
700 mb noch fast 20°, die relative Topographie der 500 über der 1000 mb-Fläche
(vorletzte Zeile der Tabelle 8) nahm hier etwa um 37 Dekameter ab, was einem Rück-
gang der Mitteltemperatur von annähernd 19° entspricht! Ebenso wie in Europa
sank der Luftärnck in der Höhe, während er am Boden aber sehr stark stieg.
Der Aufstieg von Kufbyshew am Mittellauf der Wolga am 17. fand etwa im Kälte-
zentrum statt, die Temperaturen liegen nur in Bodennähe merkbar höher; im
Laufe der nächsten 24 Stunden ist auf dem Wege bis Smolensk auch nur in den
unteren Schichten weitere Temperaturzunahme erfolgt, und bis Stockkobn. haben
4ich die Höhentemperaturen weitere zwei Tage später ebenfalls kaum geändert,
während die Bodentemperatur beim Überschreiten der Ostsee um 16° angestiegen
ist. Auf dem Wege von Omsk bis Stockholm hat sich die nordsibirische
Luft innerhalb von 6 Tagen in Bodennähe um 30° erwärmt, schon bei
700 mb ist die Temperaturerhöhung auf 5° reduziert und scheint in
500 mb und darüber völlig zu verschwinden, .
Das Hauptkältezentrum zieht jetzt über Norwegen nordwärts ab, und es
kann nur der andere Zweig weiter verfolgt werden, der sich über England zu
»inem sekundären Kaltlufttropfen umformt. Der Aufstieg zu Lindenberg am 19.
ist mit jenem von Stockholm am 20. fast identisch (Tabelle 8), Dem Lauf der
Bodenisobaren folgend, muß die Lindenberger Luft am Mittag des 19, bei
Norderney angelangt sein, und dementsprechend sind die Höhentemperaturen auch
völlig gleich, nur in den unteren Schichten macht sich der Einfluß des schnee-
freien Bodens und des Überfließens des Wattenmeeres durch Temperaturanstier