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Full text: 67, 1939

Kleinere Mitteilungen, 
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Die Vorbereitung der Kältewelle liegt weit zurück, Bereits im Oktober (vgl. den Mitteleurop, 
Witterungsbericht) war der Luftdruck auf dem sibirischen Eismeer im Raume von Nowaja Semlja 
arhöht, und im November überschritt die positive Druckabweichung im Gebiet östlich von Franz- 
Tosephs-Land 5 mb. Gegen Ende dieses Monate nahm der Luftdruck in diesem Raum weiter zu, am 
30 trat in Polnähe ein Hoch über 1020 mb in Erscheinung, das sich in den nächsten Tagen außer- 
ardentlich rasch verstärkte und schon am 4, Dezember bei Kap Tsecheljuskin einen Barometerstand 
ron mehr als 1040 mb erreichte, Jetzt rückte der Schwerpunkt des hohen Druckes allmählich in süd- 
westlicher Richtung vor, wobei im Mündungsgebiet des Ob der Druck am 8, über 1055 mb anstieg, 
Ja Abb. 1 (8. S. 142) ist durch die gestrichelte Linie die Bahn des Hochs angegeben, Bis zum ©. 
verlagert es sich mit zunehmender Geschwindigkeit in südsüd westlicher Richtung, Jetzt biegt dieser 
Hochkern aber plötzlich nach Süden und vom 10. ab sogar nach Osten ab, und damit wurde eine 
weitere Ausbreitung der ihn begleitenden Kaltluft zunächst Abgeslopph- 
Inzwischen war aber bereits am 9, in der Gegend von Semlja Kamenewa ein neues Hochdruck- 
zentrum über 1050 mb entstanden (ausgezogene Linie in Abb, 1}, das bis zum 15, rasch, dann lang- 
zamer in südwestlicher Richtung vorstieß, uad in dessen Bereich der Luftdruck auf den un- 
zewöhnlichen Wert von 1067 mb anstieg und damit nur etwa 3 mb hinter den zuverlässig 
rerbürgten bisher gemessenen absoluten Maxima des Druckes‘ zurückblicb, 
Bis zum 13. verhinderte ein im Gebiet des Weißen Meeres liegendes Tief in Verbindung mit 
sinem über der Ukraine verankerten höhenwarmen Hoch noch eine weitere westliche Ausbreitung der 
zbirischen Kaltluft. Das erste Anzeichen, daß die Kältewelle auch Europa erreichen würde, gab an 
liesem Tage die Höhenwetterkarte (vgl. die Täglichen Wetterberichte der Deutschen Seewarte), 
indem der von Frankreich nach Ostdeutschland gewanderte Hochdruckkeil der oberen Troposphäre 
vieder westwärts zurückzuweichen begann. Kin bis nach Polen reichendes Fallgebiet würde damit 
von der Höhenströmung — genau entgegengeseizt dem südnördlichen Isobarenverlauf 
ım Boden! -— südwäris gesteuert, gefolgt von einem Drucksteigpebiet, das, diesem Höhenkeil entlang 
wandernd, vom 9%. bie 12. von Spanien nach Spitzbergen gelangt war, daun südostwärts nach dem 
dan Meer und schließlich nach Westrußland gelenkt wurde, womit sich das nordrussische Tief 
tasch auffüllte. 
Bei dem jetzt herrschenden starken Druckgefälle von Nord nach Süd stieß die Kaltluft rasch 
westwärts vor. Am Abend des 15, wurde Ostpreußen und am Morgen des 17. bereits Frankreich 
srreicht, Dieser Hauptkältewelle lief eine sekundäre Kalıfront voraus, die bereits am 14. Ostpreußen 
passierte und die die Grenze zwischen der über Rußland durch Strahlung abgekühlten ehemaligen 
Maritimluft gegen die mitteleuropäische echte Tropikluft bildete. 
In Tabelle 1 ist der Verlauf der Morgentemperaturen einiger europäischer Gipfelstationen vom 
14. bis 25. Dezember zusammengestellt, wobei zu beachten ist, daß hereits am 15, auf allen Bergen 
Abkühlung einsetzte, teilweise mit hervorgerufen durch präfrontale Hebung vor der ersten Kaltluft- 
staffel. Mit deren Durchzug setzt sich die Abkühlung fort und erreicht ihr größtes Ausmaß auf der 
Schneekoppe vom 16, zum 17, mit der Ankunft der nordsibirischen Masse, die einen interdiurnen 
Temperaturrückgang von 15° herbeiführt, Ihren Höhepunkt überschreitet die Kältewelle hier am 
18., vom 20. zum 51. wird sie ebenso abrupt durch eine 24stündige Erwärmung von 15° beendet, 
Auf dem Brocken wird die Tiefsttemperatur einen Tag später, auf der südnorwegischen Bergstation 
Zr HF am 20. und schließlich auf dem Puy de Dome im französischen Mittelgebirge erst am 
24, erreicht. 
Abweichend ist das Verhalten der Alpenstationen, indem dort überall zwei Temperaturmipima 
aufgetreten sind, wobei auf Säntis und Jungfraujock das zweite erst. das Hauptminimum war. 
Diese Zweiteilung des Temperaturminimums kam dadurch zustande, daß die Kaltluft durch 
Warmluft, die von Südosten bald nachströmte, über Mitteleuropa zu einem abgeschlossenen Tropfen 
umgeformt wurde. dessen Hauptteil am 20. über Norwegen nordwärts abzog, während sich ein anderer 
Teil über England abspaltete und dann über Frankreich südostwärts schwenkte, wobei er am 22. die 
Westalpen erreichte. In Abb. 1 ist die Lage der Zentren dieser Kaltlufttropfen ebenfalls eingezeichnet 
worden, der Verlauf über Rußland vor dem 18. wurde auf Grund der Druckverteilung berechnet, 
indem an Hand des Täglichen Wetterberichts der Deutschen Seewarte aus dem Isobarenverlauf und 
dem herrschenden Druckgradienten (am Boden) die Bahn des Kältezentrums für die vorangegangenen 
and die folgenden 12 Stunden nach dem Gradientwind bestimmt wurde. 
Am 19, lag das kälteste Gebiet über der Ostsee, daraus ergibt sich als Lage des Kältezentrums 
am 13, der Raum östlich des Unterlaufes des Ob, was mit der synoptischen Karte in guter Über- 
ainstimmung steht. Da damals die ostsibirischen Meldungen von Rußland nicht gefunkt wurden, 
|&ßt sich der Ursprungsort dieser Luftmasse nicht weiter zurückverfolgen; jedenfalls steht aber fest, 
daß sie dem nordsibirischen Raum entstammte und dort im Bereich des Jingere Zeit fast £tationären 
DPolarhochs ihre charakteristischen Eigenschaften angenommen hatte, 
Vor allem ist der vertikale Aufbau dieser Luftmasse beachtenswert, In 
Tabelle 2 ist der Temperaturverlauf bis 5000 m Höhe über Berlin wiedergegeben, 
darunter folgt eine Zusammenstellung der Höhenlagen der Hauptisobarenflächen, 
Bereits vor dem Durchzug der ersten Kaltluftstaffel, der am Vormittag des 15. 
arfolgte, trat vor allem in der Schicht um 900 mb bei Winddrehung von Süd nach 
Südost beträchtliche Abkühlung ein, Innerhalb der westrussischen Luft lag die 
Temperatur dann am 16, in 1000 m Höhe um weitere 10°, in der mittleren 
Troposphäre nur um 2 bis 3° tiefer, worin sich deutlich zeigt, daB diese Zwischen- 
luft einem „dynamischen“ Hoch entstammte. Am Nachmittag des 16. kam die 
sibirische Masse an, in der die Temperaturen besonders in größerer Höhe fast
	        
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