Kleinere Mitteilungen,
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Die Vorbereitung der Kältewelle liegt weit zurück, Bereits im Oktober (vgl. den Mitteleurop,
Witterungsbericht) war der Luftdruck auf dem sibirischen Eismeer im Raume von Nowaja Semlja
arhöht, und im November überschritt die positive Druckabweichung im Gebiet östlich von Franz-
Tosephs-Land 5 mb. Gegen Ende dieses Monate nahm der Luftdruck in diesem Raum weiter zu, am
30 trat in Polnähe ein Hoch über 1020 mb in Erscheinung, das sich in den nächsten Tagen außer-
ardentlich rasch verstärkte und schon am 4, Dezember bei Kap Tsecheljuskin einen Barometerstand
ron mehr als 1040 mb erreichte, Jetzt rückte der Schwerpunkt des hohen Druckes allmählich in süd-
westlicher Richtung vor, wobei im Mündungsgebiet des Ob der Druck am 8, über 1055 mb anstieg,
Ja Abb. 1 (8. S. 142) ist durch die gestrichelte Linie die Bahn des Hochs angegeben, Bis zum ©.
verlagert es sich mit zunehmender Geschwindigkeit in südsüd westlicher Richtung, Jetzt biegt dieser
Hochkern aber plötzlich nach Süden und vom 10. ab sogar nach Osten ab, und damit wurde eine
weitere Ausbreitung der ihn begleitenden Kaltluft zunächst Abgeslopph-
Inzwischen war aber bereits am 9, in der Gegend von Semlja Kamenewa ein neues Hochdruck-
zentrum über 1050 mb entstanden (ausgezogene Linie in Abb, 1}, das bis zum 15, rasch, dann lang-
zamer in südwestlicher Richtung vorstieß, uad in dessen Bereich der Luftdruck auf den un-
zewöhnlichen Wert von 1067 mb anstieg und damit nur etwa 3 mb hinter den zuverlässig
rerbürgten bisher gemessenen absoluten Maxima des Druckes‘ zurückblicb,
Bis zum 13. verhinderte ein im Gebiet des Weißen Meeres liegendes Tief in Verbindung mit
sinem über der Ukraine verankerten höhenwarmen Hoch noch eine weitere westliche Ausbreitung der
zbirischen Kaltluft. Das erste Anzeichen, daß die Kältewelle auch Europa erreichen würde, gab an
liesem Tage die Höhenwetterkarte (vgl. die Täglichen Wetterberichte der Deutschen Seewarte),
indem der von Frankreich nach Ostdeutschland gewanderte Hochdruckkeil der oberen Troposphäre
vieder westwärts zurückzuweichen begann. Kin bis nach Polen reichendes Fallgebiet würde damit
von der Höhenströmung — genau entgegengeseizt dem südnördlichen Isobarenverlauf
ım Boden! -— südwäris gesteuert, gefolgt von einem Drucksteigpebiet, das, diesem Höhenkeil entlang
wandernd, vom 9%. bie 12. von Spanien nach Spitzbergen gelangt war, daun südostwärts nach dem
dan Meer und schließlich nach Westrußland gelenkt wurde, womit sich das nordrussische Tief
tasch auffüllte.
Bei dem jetzt herrschenden starken Druckgefälle von Nord nach Süd stieß die Kaltluft rasch
westwärts vor. Am Abend des 15, wurde Ostpreußen und am Morgen des 17. bereits Frankreich
srreicht, Dieser Hauptkältewelle lief eine sekundäre Kalıfront voraus, die bereits am 14. Ostpreußen
passierte und die die Grenze zwischen der über Rußland durch Strahlung abgekühlten ehemaligen
Maritimluft gegen die mitteleuropäische echte Tropikluft bildete.
In Tabelle 1 ist der Verlauf der Morgentemperaturen einiger europäischer Gipfelstationen vom
14. bis 25. Dezember zusammengestellt, wobei zu beachten ist, daß hereits am 15, auf allen Bergen
Abkühlung einsetzte, teilweise mit hervorgerufen durch präfrontale Hebung vor der ersten Kaltluft-
staffel. Mit deren Durchzug setzt sich die Abkühlung fort und erreicht ihr größtes Ausmaß auf der
Schneekoppe vom 16, zum 17, mit der Ankunft der nordsibirischen Masse, die einen interdiurnen
Temperaturrückgang von 15° herbeiführt, Ihren Höhepunkt überschreitet die Kältewelle hier am
18., vom 20. zum 51. wird sie ebenso abrupt durch eine 24stündige Erwärmung von 15° beendet,
Auf dem Brocken wird die Tiefsttemperatur einen Tag später, auf der südnorwegischen Bergstation
Zr HF am 20. und schließlich auf dem Puy de Dome im französischen Mittelgebirge erst am
24, erreicht.
Abweichend ist das Verhalten der Alpenstationen, indem dort überall zwei Temperaturmipima
aufgetreten sind, wobei auf Säntis und Jungfraujock das zweite erst. das Hauptminimum war.
Diese Zweiteilung des Temperaturminimums kam dadurch zustande, daß die Kaltluft durch
Warmluft, die von Südosten bald nachströmte, über Mitteleuropa zu einem abgeschlossenen Tropfen
umgeformt wurde. dessen Hauptteil am 20. über Norwegen nordwärts abzog, während sich ein anderer
Teil über England abspaltete und dann über Frankreich südostwärts schwenkte, wobei er am 22. die
Westalpen erreichte. In Abb. 1 ist die Lage der Zentren dieser Kaltlufttropfen ebenfalls eingezeichnet
worden, der Verlauf über Rußland vor dem 18. wurde auf Grund der Druckverteilung berechnet,
indem an Hand des Täglichen Wetterberichts der Deutschen Seewarte aus dem Isobarenverlauf und
dem herrschenden Druckgradienten (am Boden) die Bahn des Kältezentrums für die vorangegangenen
and die folgenden 12 Stunden nach dem Gradientwind bestimmt wurde.
Am 19, lag das kälteste Gebiet über der Ostsee, daraus ergibt sich als Lage des Kältezentrums
am 13, der Raum östlich des Unterlaufes des Ob, was mit der synoptischen Karte in guter Über-
ainstimmung steht. Da damals die ostsibirischen Meldungen von Rußland nicht gefunkt wurden,
|&ßt sich der Ursprungsort dieser Luftmasse nicht weiter zurückverfolgen; jedenfalls steht aber fest,
daß sie dem nordsibirischen Raum entstammte und dort im Bereich des Jingere Zeit fast £tationären
DPolarhochs ihre charakteristischen Eigenschaften angenommen hatte,
Vor allem ist der vertikale Aufbau dieser Luftmasse beachtenswert, In
Tabelle 2 ist der Temperaturverlauf bis 5000 m Höhe über Berlin wiedergegeben,
darunter folgt eine Zusammenstellung der Höhenlagen der Hauptisobarenflächen,
Bereits vor dem Durchzug der ersten Kaltluftstaffel, der am Vormittag des 15.
arfolgte, trat vor allem in der Schicht um 900 mb bei Winddrehung von Süd nach
Südost beträchtliche Abkühlung ein, Innerhalb der westrussischen Luft lag die
Temperatur dann am 16, in 1000 m Höhe um weitere 10°, in der mittleren
Troposphäre nur um 2 bis 3° tiefer, worin sich deutlich zeigt, daB diese Zwischen-
luft einem „dynamischen“ Hoch entstammte. Am Nachmittag des 16. kam die
sibirische Masse an, in der die Temperaturen besonders in größerer Höhe fast