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Westen — ein Umstand, der eine besondere Beachtung von Seiten der Schiffe
verdient, welche vom Kap Horn nach San Francisco segeln. Wenn diese die
Linie in der in Frage stehenden Jahreszeit zu weit östlich schneiden, so laufen
sie Gefahr, von dem fortwährend aus einer westlichen Richtung und mit dem
Fortschreiten nach Norden mehr und mehr schralenden Winde schon weit süd-
lich von ihrem Bestimmungplatz an die Küste gedrängt zu werden, woselbst sie
es dann sehr schwierig finden, gegen den beständig conträren Küstenwind auf-
zukreuzen. So erging es z. B. Ende August 1872 neben einer Reihe anderer
nach San Francisco bestimmter Schiffe der Bremer Bark „Josefa“, welche in
Sicht der Revilla Gigedo-Inseln gerieth, und ebenso in der letzten Hälfte des
Juli 1879 der Bremer Bark „Alma“, Dieselbe hatte auf der Reise nach
San Francisco die Linie in 113,2° W-Lg geschnitten, kam infolge anhaltender
westlicher und nordwestlicher Winde in Sicht der Insel Sta, Rosa und mulste
in 19° N-Br und 115° W-Lg wenden und längere Zeit über B.B. nach WSW
segeln, was eine bedeutende Verzögerung herbeiführte. Um mit Sicherheit auf
das Eintreten des NE-Passats rechnen zu können, der die Schiffe weit genug
von der Küste, um das zu frühe Nordwestlichholen des Windes zu vermeiden,
nach Norden führt, sollten dieselben in den Monaten Juli, August und September
in etwa 125° W-Lg über die Linie gehen. -
Wie schon in einem frühern Hefte dieser Annalen berichtet worden ist,
ereignet .es sich zu derselben Jahreszeit auch wohl im Nordatlantischen Ocean,
dafs Schiffe, welche in einer zu östlichen Länge von der Linie nach Norden
steuern, anstatt des NE-Passats allmählich von SW nach NW holenden Wind
treffen, der sie in Sicht oder auch innerhalb der Kap Verden drängt. Ins-
besondere setzen sich die von der Guinea-Küste kommenden Schiffe leicht der
Gefahr aus, auf diese Weise eine Verlängerung ihrer Reise herbeizuführen,
Im südlichen Theile des Stillen Oceans fand „Christine“ Anfangs nur
sehr flauen Passat; südlich von 2° S-Br frischte derselbe aber auf, auch wehte
er aus raumer Richtung, so dafs die Reise gut gefördert werden konnte. In
der Nähe der Klisabeth-Insel, einer der -südöstlichen in der Paumotu-Gruppe,
welche am 15. September erblickt wurde, nahm der Wind eine nordöstliche
Richtung an, drehte sich beim weiteren Vorrücken des Schiffes nach Süden
langsam nach Nord und später in rascherer Weise durch West und Süd nach SE
zurück. Veränderliche, meist jedoch aus südöstlicher Richtung kommende Winde
herrschten dann noch für längere Zeit, und erst südlich von 38° S-Br traten
die Westwinde mit Beständigkeit auf, Am 13, Oktober wurde die Bark in
57° S-Br und 76° W-Lg von einem sehr heftigen, aus Nord beginnenden und
aus West endenden Sturm betroffen, in dem das Barometer den niedrigsten
Stand von 730,4mm erreichte. Am 15. Oktober, dem 60. Tage der Reise,
passirte „Christine“ die Länge des Kap Horn. Vorher war 10° S-Br in
128,5° W-Lg am 10. September, 20° S-Br in 129,3° W-Lg am 14. September,
30° S-Br in 126,5° W-Lg am 19. September, 40° S-Br in 117° W-Lg am
30. September und 50° S-Br in 98° W-Lg am 7. Oktober überschritten worden.
Am 19. Oktober gerieth die Bark, welche wegen Wassermangel gezwungen
war, Port Stanley auf den Falklands-Inseln anzulaufen, in der Nähe dieses
Hafens auf Klippen und ging total verloren.
7% Reise der Rostocker Bark „Ceres“, Kapt. N. Koop.
Am 16. Februar 1879 trat von New-York aus die Bark „Ceres“ eine
Reise nach Singapore an. Auf östlichen Wind, der während der ersten auf Seo
verbrachten Tage wehte, folgte am 20. Februar Westwind, der noch an dem-
selben Tage zu orkanartiger Stärke anwuchs. Oestlich des Meridians von
50° West, welcher am 24. Februar in 35,3° N-Br überschritten wurde, herrschten
wieder für längere Zeit östliche und darauf hoch südliche Winde, mit denen
40° W-Lg in 32° N-Br gekreuzt wurde. Das Gebiet des Passats erreichte
„Ceres“ in 30° N-Br und 27,5° W-Lg. In demselben wehte auf der Strecke
von 27° bis 6° N-Br kräftiger, beständiger Wind, bei dem ein rascher Fort-
gang zu erzielen war. In 3,8° N-Br und 19,7° W-Lg, einer Position, die für
ein von Nordamerika kommendes Schiff ungewöhnlich weit nach Osten gelegen
und besonders .in den Wintermonaten durchaus nicht empfehlenswerth igt.