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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 67 (1939)

Müller, H.: Schneefälle in kontinental-arktischer Kaltluft über der Nordsee, 129 
Ostgrenze des Niederschlagsgebietes kann nach obiger Überlegung wegen der 
leichten Auslösung sehr scharf sein und ist es auch offenbar nach der Schilde- 
rung. Darnach ist das „Nebelgebiet“ mit dem Schneefallgebiet identisch, Das 
eingezeichnete Schneefeld wurde mit Hilfe der Höhenwinde konstruiert. Die 
Luftteilchen gehen etwas südlich von Blaavandshuk nach Südsüdwesten, bleiben 
westlich Amrumbank, überqueren Helgoland und gelangen bis Langeoog und 
östlich Wilhelmshaven. Die Westgrenze scheint in etwa 30 km Abstand parallel 
hierzu zu verlaufen. Südlich Blaavandshuk ist die Luft nicht ganz 8o kalt, so 
daß bereits in der Höhe von Amrumbank die Auslösung der Schneeschauer er- 
folgt. Im Gebiet westlich davon scheint nach den Meldungen kein Niederschlag 
gefallen zu sein. Die Auslösetemperatur wurde wohl nicht erreicht, In dem 
Schneefallgebiet herrschten ziemlich starke Winde vor, 5 bis 7, Ein Schiff meldet 
bei Schneeschauer sogar Stärke 8. In dem schneefreien Gebiet herrschen da- 
gegen relativ schwache Winde. Westlich von Borkum liegt ein weiteres Schnee- 
fallgebiet, in dem auch die erwähnten beiden Schiffe liegen, In diese Gegend 
strömen ja die Luftmassen von Hanstholm und nördlich davon aus dem Skagerrak, 
Die Temperaturen liegen über See bei 2° bis 4°, so daß man in diesem Gebiet 
südlich 551/,° Breite Schneefall annehmen muß. 
Am Nachmittag hat die Strömung über der Nordsee linksgedreht. Die Luft aus 
dem Skagerrak ist schon bei Hornsriff entsprechend warm, so daß das Feuerschiff 
Schneeschauer in Sicht melden kann. Jetzt hat auch die Gegend nördlich von 
Norderney Schnee, Aber auch um 14 Uhr wird östlich der Linie Amrumbank-— 
Elbe 1 kein Schneefall gemeldet, Die Ostgrenze des Niederschlagsgebietes hat 
sich nur unwesentlich verlagert, Gegen 17 Uhr, wo der Höhenwind 330° bis 340° 
betrug, dringen die ersten Wolken nach Land zu wor, gegen 19 Uhr ist dort 
der Himmel bedeckt. (In der westlichen Nordsee herrscht bereits Westwind 
infolge Zurückdrehens vor einem neuen Tief, das von England herankommt. 
Der Zustrom der Kaltluft 1äßt somit nach.) 
Die Schneeschauer fallen aus einer geschlossenen Decke, Es sind, wie es 
auch die Meldungen z. T. ergeben, tatsächlich schauerartige Niederschläge, die 
aber sehr verbreitet auftreten. Die abwärts gerichtete Ausgleichsströmung kann 
ja rechts und links vom Schneefaligebiet auftreten. Vielleicht deutet das schnee- 
Ireie Gebiet darauf hin. Die Nullgradgrenze liegt bei 200 bis 300 m, so daß in 
der ganzen Wolke Temperaturen unter 0° anzutreffen sind. Es ist anzunehmen 
daß die Wolke aus Kristallen besteht, Es kann daher zu Schneefällen kommen?) 
Die gefaliene Menge betrug am 10. XIL maximal 1 mm. Bei solch geringer 
Menge muß der Niederschlag feintropfig sein®, Dies wird erfahrungsgemäß 
und auch in diesem Beispiel bestätigt. Es fiel also ein dichter, aus sehr kleinen 
Kristallen bestehender Schnee in Schauerform aus einer geschlossenen Wolken- 
decke, die sich bis rund 3 km Höhe erstreckte, 
Der Flugzeugführer, der den obigen Bericht abgab, war einer Täuschung 
unterlegen. Er hat diesen feinkörnigen Schnee mit Nebel verwechselt. Daß es 
sich aber um diesen Niederschlag handelt, wurde schon oben erwähnt, Es 
kommt noch dazu, daß der „Nebel offenbar auflag“, was ebenfalls für den bis 
zum Boden durehfallenden Niederschlag spricht. Der Flugzeugführer erwähnte 
aber ausdrücklich keinen Schneefall, Wie diese und andere Fälle zeigen, scheint 
die Täuschung bei dieser Niederschlagsbildung oft aufzutreten, Wesentlich 
scheint zu sein, daß der Niederschlag feintropfig und zahlreich sein muß, Dies 
findet man auch bei ähnlichen Lagen im Herbst, wo es dann nur zu Staub- 
regen kommt, der aber auch die Sicht stark behindert, Vom Flugzeug aus er- 
scheint also der Schnee als Nebel, während die festen Beobachtungsstationen 
eindeutig zur selben Zeit Schneeschauer bei oft sogar guter Sicht melden. Es 
ist daher angebracht, auf diese Gefahren bei ähnlichen Wetterlagen trotz guter 
Bodenmeldungen bei ‚einer Flugberatung hinzuweisen, Diesem Zweck dienten 
die beiden Skizzen, . 
_ ’} Siehe auch Findeisen, Met, Z. 1938, &, 121, — 2 Siehe auch Beispiel Ostsee, Ann. d, H. 
30 w. 75 
An. a, Hrdr, usw. 1989, Heft LIL
	        
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