Müller, H.: Schueefälle in kontinental-arktischer Kaltlutt über der Nordsee. 127
erreicht, während Köln, Hamburg und Swinemünde die AK anzeigen. Von Nord-
westen ist inzwischen schon wieder ein neues Tief nördlich von Schottland an-
gelangt. Von dessen Vorderseitenströmung wird die AK über England zurück-
gedrängt. Diese Warmfront liegt um 8 Uhr an der Westküste Englands, um
14 Uhr über der westlichen Nordsee, Die Kaltluft ist jedoch auch um 15 Uhr
in Hamburg noch genügend hoch vorhanden, bis 1900 m gegen 1600 m um
8 Uhr, (Diese eben geschilderte Wetterlage ist ein Musterbeispiel für die gute
Anwendbarkeit der äquivalentpotentiellen Temperaturen, Eine solch schnelle
Folge der Fronten ist außerdem nicht oft gegeben).
Die Kaltluft über der Nordsee: Es steht außer Zweifel, daß am 10, XIL vor-
mittags, welche Zeit besonders behandelt werden soll, über der Nordsee reine
cAK vorhanden war, Auf Grund der Strömungsverteilung ist diese Luft vorher
über Schweden und Norwegen hinweggeströmt.
Die Erwärmung: Aus diesem Grunde ist ein Vergleich zwischen dem Auf-
stieg von Norderney mit dem von Kjeller gestattet, Es liegt zwar am 9. XIL
kein Aufstieg von Kjeller vor, doch läßt sich der vom 10. XIL dazu verwenden,
denn vom 9, bis 10. hat sich an der Temperaturverteilung fast nichts geändert,
Dies beweist ein Vergleich der relativen Topographien der Hauptmillibarflächen,
Es ist in den unteren Schichten nur eine ganz unbedeutende Änderung von fast
einem Grad eingetreten. Diese Anderung sei unberücksichtigt, da beim Ver-
gleich der Werte von Kjeller und Norderney ] —
diese Änderung die Erwärmung noch deutlicher Boden | 1000 m | 2000 m | 5000 m
zeigen würde, ar
Da die Luftteilchen von Südnorwegen über die = 11 9 | 7 0
Nordsee strömen und das Wasser bedeutend wär. *=10 8 5 00,
mer ist als die Luft, so muß diese sich erwärmen, A, Toner 8’ = quiralentpotentieile
Der Vergleich zwischen Norderney und Kjeller ED SERSUT,
zeigt folgendes Bild. Norderney ist wärmer um: 2, Reibsr Ks akkarile Temperabur,
Die Erwärmung macht sich bis zur Obergrenze der Kaltluft (2000 m) in Norderney,
bis dahin können ja die AK-Massen nur direkt verglichen werden (Höhe der
Kaltluft in Kjeller 3000 m), bemerkbar. Es zeigt sich, daß infolge der Labilisierung
durch Erwärmung von unten her eine stärkere Durchmischung der Luft ein-
tritt, so daß bis zur Obergrenze der Kaltluft die Erwärmung bemerkbar wird.
Auf der Bodenkarte vom 10. XII, 8 Uhr, wird die Erwärmung in bodennahen
Schichten sehr augenfällig, An der norwegischen Westküste meldet ein Schiff
170 km westlich von Lista bereits —1° während Lista selbst —4° hat. Die Er-
wärmung beträgt also 1°/57 km. Bei einem Wind von 20 km/h wird der ganze
Weg in 8 Stunden zurückgelegt, Auf 54° Breite und 4° Ost melden 2 Schiffe
4° bei 8° Wassertemperatur; die Luftteilchen hatten die Küste Südschwedens
mit —8° verlassen. Die Erwärmung betrug somit 12° bei einer Entfernung
von 650 km (Geschwindigkeit 20 km/h, Zeit für den ganzen Weg 32 Stunden).
Ein Teilchen, das bei Blaavandshuk mit -——4° die Küste verläßt, erreicht
Norderney mit 0°, Die Erwärmung beträgt also 4° auf 230 km. Bei einer Wind-
geschwindigkeit von 25 km/h ergibt das eine Zeit von 9 Stunden. List meldet
—1°% dagegen Amrumbank 0°, also eine Erhöhung um 1° auf 60 km Entfernung,
Es ergibt sich bei allen Beispielen also eine Temperaturerhöhung um 1° auf
57 km. Diese Strecke wird in 2'/, Std. zurückgelegt. Nach der Beeinflussung
durch das Wasser ergibt sich immer noch eine Differenz zwischen Wasser- und
Lufttemperatur von 4° bis 5% Die ursprüngliche Differenz betrug 10° bis 14°.
In dem Beispiel von der Ostsee!) ergab sich eine Temperaturerhöhung um 1°
auf 20 km bei einer Windgeschwindigkeit von 15 km/h. Diese Strecke wurde in
1,3 Std. zurückgelegt. Die Ausgangstemperaturdifferenz betrug 16° bis 19°, die
Differenz nach der Beeinflussung durch das Wasser immer noch 5°,
Labilisierung und Wolkenbildung: Aus dem Vergleich von Kjeller und
Norderney erkennt man, daß die Temperaturdifferenz nach oben hin abnimmt,
Die Schichtung in Norderney ist also labiler. Im allgemeinen tritt die Labili-
sierung dort ein, wo die Luft länger über das warme Wasser strömen konnte.
2) Aun, d. H. 19390, 8.72,