Fravnidek, F.: Näheres über meteorologische Säkularschwankungen usw. 125
Luftraum gegenüber, der, weil getragen von ersterer, die Bewegungen deren
Deckfläche naturgemäß zwar mitmacht, selbst aber wahrscheinlich keiner weiteren,
das wäre inneren säkular-variablen Beeinflussung mehr unterliegt.
In der für säkulare Gegenextreme einzeln betrachteten Zunahme der
mittleren Windgeschwindigkeit mit der Höhe kommen die typischen
Unterschiede am besten zum Ausdruck: Wir finden da z. B. um 1892 für die
Seewarte unten 3.6 m/sec, für oben aber 6.4 m/sec, während um 1908 unten 4.9
und oben nur 5,2 m/sec registriert wurden. Im vorangegangenen Säkularextreme
sind die Verhältnisse noch nicht so ausgeprägte und dürften es auch in den
nachfolgenden Phasen, in denen die korrespondierende Registrierung der Winde
oben und unten leider unterblieben ist, nicht mehr im gleichen Grade sein. Trotz-
dem wird man das neue Phänomen nicht mehr als „bloß säkular“ weil vielleicht
unerwünscht, beiseitezuschieben. vermögen, sondern erkennen müssen, daß es bei
ihm um Vorgänge geht, welche die ganze atmosphärische Strömungslehre betreffen!
Die alte Denkungsart, nach welcher man sämtliche Änderungen von mittleren
Luftströmungen nur auf eine entsprechende Verlagerung mittlerer Druckgradienten
zurückzuführen wußte, hat sich jedenfalls als durchaus nicht hinreichend zur Er-
klärung der wahren Bewegungsverhältnisse erwiesen, denn die Atmosphäre ist,
wenn auch nur in ihrem untersten Teile, einer während säkularer Extremphasen
ganz verschiedenen inneren Reibung und Fließbarkeit unterstellt,
Die nähere Erforschung der säkular-varjablen vertikalen Geschwindigkeits-
verteilung innerhalb der säkular-aktiven tragenden Schicht wäre un-
gemein interessant, ist aber naturgemäß noch nicht durchzuführen. Man darf
zwar erwarten, daß letztere nur symmetrisch vom neutralen Niveau aus liegen
kann, da durch jeden vertikalen Austauschvorgang nur soviel Beschleunigung
unten wie Bremsung oben bewirkt wird. Sollten sich aber dennoch empirische
Unterschiede gegenüber dieser Auffassung ergeben, so wäre dies erst recht be-
merkenswert und beweislich für die besondere Art des säkular-variablen inner-
atmosphärischen Vorganges,
Das fortlaufende Studium der vertikalen Geschwindigkeitsverteilung während
wenigstens einer halben Säkularperiode und wenigstens in einer Station wäre
darum dringend zu empfehlen,
Möchten die beiden Diagramme dieser Arbeit den konkreten Anlaß dazu
bieten, daß man möglichst gleichartige und dauernd kontrollierte Anemographen
in mehreren Niveaus mit dem Vertikalabstande von etwa 10m in passender
Stationsaufstellung einsetze. Die daraus zu erwartende Wissensbereicherung
stünde wohl in keinem Verhältnis zu den dafür nötigen Auslagen, handelt es
sich dabei doch keineswegs um irgendwelche abwegige wissenschaftliche Fest-
stellungen, sondern um die sehr zentralen und notwendigen Grundlagen einer
exakten Meteorologie,
Säkulare Gegenextreme haben mit ihrer veränderten mittleren Luftströmung
naturgemäß auch ihre ganz besondere mittlere Wetterentwicklung. Wie will man
öhne Beachtung der dadurch zustande gebrachten bedeutenden Unterschiede
für diese und ihre Prognose jemals volles Verständni& erhoffen?
Schneefälle in kontinental-arktischer Kaltluft über der Nordsee.
Von Hans Müller, Kiel.
(Hierzu Tafel 13 mit Figuren 1 bis 7}
Zusammenfassung, Am 9. und 10, X{l. 1937 strömte kontinental-arktische Kaltlaft von
Norwegen über die Nordsee nach Süden. Durch Verfolgen der Fronten an einem rasch von Frank-
veich nordostwärts ziehendem Tief und mit Hilfe der Temperaturaufstiege wird diese arktische Luft
über der Nordsee nachgewiesen. Die Erwärmung der Arktikluft über der Nordsee ist besonders in
anteren Schichten beträchtlich, so daß bis fast 3 km Höhe Feuchtlabilität hervorgerufen wird, In be-
stimmten Gebieten, die durch die Bodenwerte von Temperatur und Feuchte bestimmt sind, tritt
Schneefall von äußerst feinen Flocken auf, Dieser ruft aber bedeutenden Sichtrückgang hervor, so
daß er von Flugzeugen aus mit Nebel verwechselt wurde,
Kontinental-arktische Luft kann ohne starke Veränderung ihrer KEigen-
schaften entweder über Deutschland oder über Norwegen zur Nordsee gelangen.