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Full text: 67, 1939

'34 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1939. 
wirtschaftliche Auswertung einer säkularen Prognose den zuständigen Kreisen 
wärmstens zu empfehlen, 
4. Die vielfach gesuchte und nicht zum geringsten auffindbare Abhängig- 
keit unseres Säkularphänomens von Sonnenstand und Strahlung, von Temperatur 
und Druckverteilung und allem, was damit zusammenhängt, machte es, wie vor- 
ausgehend schon erwähnt, bereits früher sehr wahrscheinlich, daß für es die 
besondere Beschaffenheit der Erdoberfläche eine Rolle spiele und daß darum 
auch die ihr nächste und tiefliegendste Schicht der Luft der erwarteten säkular- 
variablen Beeinflussung am meisten unterliegt. 
Die korrespondierenden zweifachen Windregistrierungen von Hamburg 
vom Jahre 1878 bis 1912 ob der Grasnarbe und die anemometrischen auf dem 
Turme des Seewartegebäudes etwa 30m höher setzen uns nun tatsächlich in 
geradezu herrlicher Weise in den Stand, besagte Mutmaßung zu verifizieren. 
Abb, 1 und 2? zeigen es deutlich, daß der säkulare Gang der Windgeschwin- 
digkeit „oben“ gerade invers zu jenem von „unten“ verläuft! Die kleinen schein- 
baren Abweichungen von dieser Regel sind wohl kaum systematischer Natur und 
hier darum nicht besprochen. 
Für den mittleren Luftfluß aller Tages- und Jahreszeiten und auch aller 
Windrichtungen ist damit ein neues und sehr auffallendes Gesetz gefunden. Das 
Gesetz, nach welchem sich der niederen säkularen Inversionslage zufolge die 
säkulare Änderung der inneratmosphärischen Scheinreibung nur in einer dem 
Erdboden nahe anliegenden Luftschicht von kaum mehr als 100 m Dicke abspielt. 
Es gibt für diese Neuerkenntnis zwar schon Vorläufer. So fand ich bereits 
in der Met, Zschr. 1933, S. 3, daß die langjährigen Reihen von Windbeobachtungen 
hoher Berggipfel sehr deutlich erkennbare säkulare Wellen aufwiesen, welche 
invers zu jenen der Niederung waren, doch glaubte ich damals aus einem Ver- 
gleiche beider ein „säkular-neutrales Niveau“ ableiten zu sollen, das ungefähr in 
halber Höhe bei 1 bis 1*/, km gelegen sel. 
Die beiden hier allein zu besprechenden Hamburger Windreihen mit dem 
gegenseitigen Vertikalabstande von etwa 30 m ermöglichen es nun vortrefflich, 
ebenso wie die analogen Doppelmessungen anderer Stationen, z. B. von Wien oder 
Bremen, die letzterwähnte Ableitung zu korrigieren. Die Inversion der säkularen 
Gänge der Windgeschwindigkeit oben und unten war.von mir zwar richtig er- 
kannt, die Höhe des indifferenten Niveaus liegt aber wesentlich tiefer. Nicht 
zwischen 1000 m und 1500 m, sondern zwischen „Garten“ und „Turm“ des auf 
einem niederen Hügel stehenden Institutsgebäudes und nur etwa rund 50 m über 
der Tiefebene! 
Für die nähere Erforschbarkeit des neuen Phänomens muß dies offenbar 
von größter Bedeutung sein, denn man erkennt: es handelt sich bei ihm durch- 
aus nicht um allgemeine innere Änderungen der Atmosphäre oder auch nur der 
unteren Troposphäre, sondern es handelt sich um Zustandsänderungen innerhalb 
giner Schicht, deren einzelne Massenteilchen infolge ihrer Turbulenz immer 
wieder und binnen relativ kurzer Zeit mit dem Erdboden in direkte oder fast 
direkte Berührung geraten müssen. Kaum 1% der gesamten Atmosphäre kann 
diese Schichte betragen, Säkulare Meßreihen der verschiedensten Elemente, nicht 
bloß der horizontalen, sondern auch der vertikalen Bewegungskomponente des 
Windes, sind den Menschen in allen Höhenstufen dieser Schicht gut möglich, 
Sie wären es aber nicht, wenn das säkular-variable Geschehen, wie ursprünglich 
vermeint, ursächliche Vorgänge zwischen 1 und 2 km Höhe beträfe. Es wäre 
daher sehr zu wünschen, wenn man mit ihrer systematischen Durchführung 
bald begänne. Gilt es doch, einer, weil noch ganz ungeklärten, praktisch, d.i. 
landwirtschaftlich und fliegerisch gewiß nicht bedeutungslosen atmosphärischen 
Erscheinung endlich auch theoretisch beizukommen, und befinden wir uns gerade 
jetzt, wie unsere Abbildungen zeigen, wieder in der Umgebung eines säkularen 
Extremes, von dem aus innerhalb der kommenden 20 Jahre zwei Gegenextreme 
sicherlich voll zu erfassen sein werden. 
Die besagte niederste virtuelle Schichte nennen wir am besten und 
kürzesten die säkular-aktive und halten ihr den großen, säkular-passiven
	        
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