Albrecht, F., u. Becker, F.: Über Meßmethoden des Wärmehaushalts des Meeres, 119
sind. Zur Vermeidung von Taubeschlag auf den Platten ist eine Heizung
erforderlich. Die Heizdrähte werden an die Klemmen Kl geführt. Der Strom
wird zwei Zellen eines 6-Volt-Akkumulators entnommen. Die Heizleistung beträgt
0.150 cal/cm®* min, Die Spannung der Zellen wird mit einem Mavometer dauernd
unter Kontrolle gehalten. Zeitweilig wird bei der Messung eine stärkere Heizung
eingeschaltet, die dem ganzen 6-Volt-Akku entnommen wird. Diese Heizung beträgt
0.338 cal/cm® min. Die Effektivstrahlung berechnet sich wieder nach der schon
bekannten Formel:
. (To — Talı
= Th dp Dı A AA.
Hierbei bedeutet T, die Temperatur der Oberplatte, Tu die der Unterplatte. Der
Index bedeutet die Heizstufe, bei welcher die Plattentemperatur gemessen wird,
Die Einstelldauer der Plattentemperaturen beträgt wenige Minuten. Häufig ist
bereits die Temperaturdifferenz praktisch eingestellt, ehe die Plattengesamt-
temperatur zum Gleichgewicht kommt. Mehr als 3 Minuten Wartezeit sind daher
zur Bestimmung einer jeden Temperatur nicht erforderlich.
Ohne Sonnenabschirmung liefert die Messung mit diesem Apparat die Größe
Se + Sg, also die Sonnen- + Effektivstrahlung in der Formel Seite 118,
Bei früheren Messungen mit dem Effektivpyranometer hat sich gezeigt, daß
Messungen der direkten Sonnenstrahlung im allgemeinen nur bei guter Ventilation
des Geräts völlig einwandfrei sind. Gerade diese Bedingung ist aber beim
fahrenden Schiff erfüllt. Kontrollmessungen können durch Abschirmung der
Sonne in nicht zu geringer Entfernung vom Meßgerät vorgenommen werden.
Solche Kontrollen lassen sich bequem mit Michelson- Aktinometern ausführen. Die
Nivellierung des Effektivpyranometers erfolgt durch ein Kugelgelenk nach einer
an ihm befestigten Wasserwaage. Die Aufstellung eines Schlingertisches ist nur
in Ausnahmefällen erforderlich, Albrecht führte Beobachtungsreihen über der
Brücke eines 10000 Tonnen-Dampfers noch bei einem Seegang der Stärke 4 aus,
ohne daß es notwendig war, einen Schlingertisch zur Hilfe zu nehmen. — Kompli-
zierter jedoch wird die Messung mit dem Effektivpyranometer auf ruhendem
Schiff. Hier kann die Erwärmung des Strahlungsschutzes die Temperaturen der
unteren Platte bei voller Sonne leicht verfälschen. In diesem Falle sind die
Werte für Ss und Sg getrennt für sich zu bestimmen. Schließlich sei noch
erwähnt, daß man zur Messung der Intensität der direkten Sonnenstrahlung auch
den an anderer Stelle beschriebenen Strahlungsumsatzmesser mit Quecksilber-
Thermometern verwenden kann‘!),
2. Die Messung des Wärmeumsatzes im Wasser, ;
Besonders die Beobachtung des Wärmeumsatzes im Wasser ist von einem
fahrenden Schiff aus ganz anderen Bedingungen unterworfen als von einem
ruhenden Fahrzeug. Es ist kaum möglich, während der Fahrt einwandfreie
Tiefenbestimmungen der Eintauchkörper zu erhalten. An eine Austauschmessung
ist ohnehin nicht zu denken. Wenn es gelänge, ein wenn auch nur geringes
Material über die Temperaturverhältnisse der durchfahrenen Meeresstrecken
etwa bis 100 m Tiefe zu erhalten, so könnten z, B. aus der Feststellung einer
Sprungschicht, dem Temperaturgang in der Tiefe und dem beobachteten Seegang
einige Näherungswerte des Wärmeumsatzes errechnet werden. Ein Meßgerät
zur Bestimmung der Temperatur des Tiefenwassers unter einem fahrenden Schiff
ist noch nicht vorhanden. Vielleicht kann die in Abb. 10a, b und c dargestellte
Konstruktion diese Lücke schließen helfen. Der wesentlichste Teil des Geräts
ist ein Tauchkörper (Taucherglocke) Gl, in welchen durch den Wasserdruck beim
Einsinken in die Tiefe das Wasser gepreßt wird und dabei einen Schwimmer Sch
mit sich führt. Der Schwimmer trägt eine Platte Pl aus Silumen, die mit einer
aus Trolitul und Ruß bereiteten Masse bestrichen ist, auf der ein Graphitstift
unter Wasser gut sichtbare Aufzeichnungen macht. Der Graphitstift ist mit
einem ausgestreckten Bimetallstreifen Bi verbunden, der die Temperatur des
“ Vgl, F. Albrecht, Met. Zschr, 1938, S, 480.