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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 67 (1939)

Albrecht, F., u. Becker, F.: Über Meßmethoden des Wärmehaushalts des Meeres, 115 
Strahlungsumsatzmesser wird seitlich heraus vom Meßboot in einer Höhe von 
etwa 1.50 m über der Wasseroberfläche angebracht, wobei ein im Winkel von 
45° gegen die Reeling geneigter Führungsstab als Halter dient. Wenn es bei 
höherem Seegang oder in der Nacht nicht mehr möglich ist, mit dem Strahlungs- 
ımsatzmesser jm Meßboot zu arbeiten, so muß er in diesem Falle vom Bug des 
Meßschiffes aus an einer genügend langen Führungsstange horizontal außen- 
bords gehalten werden. Messungen mit diesem Gerät werden erst bei einem 
Seegang unmöglich, bei welchem es durch Spritzwasser auch an dieser Stelle 
dauernd benetzt wird, 
2. Die Temperaturmessung im Meere, 
Sowohl auf dem Meßboot als auch auf den Ankerstationen des Schiffes kann 
mit elektrischen Thermometern gemessen werden, Ihre Empfindlichkeit ist sehr 
weit zu treiben. Man kann hierbei dasselbe Galvanometer benutzen, das zur 
Beobachtung des Strahlungsumsatzmessers dient. Mit einer Belastung von 4 Volt 
and einem Widerstand von 100 Ohm im Thermometer erzielt man eine Empfind- 
lichkeit von etwa 200 Skt/” C. Diese hohe Empfindlichkeit muß meßtechnisch 
bewältigt werden. Dies wird durch eine Brückenschaltung erreicht, die in Abb. 2 
dargestellt ist, In ihr sind zwei Schalter 1 und 2 zu je 10 Stufen eingesetzt, 
durch deren Einstellung jede Temperatur ermittelt werden kann. Die Stufen 
sind so bemessen, daß auf der dem Widerstandsthermometer anliegenden Seite eine 
jede einer Temperatur von 0.25° C entspricht, während auf der Seite des Kompen- 
sationsthermometers jede Stufe einer Temperaturänderung um 2.5°C gleichwertig ist. 
Bei der Messung wird zunächst mit einem Nebenschluß des Galvanometers gearbeitet 
und die Nullstellung bei weniger empfindlichem Galvanometer gesucht, Die 
Zahlen, auf die die Stufenschalter eingestellt wurden, entsprechen dann den 
ganzen Graden. Nach Einschalten der vollen Empfindlichkeit werden die hundertste} 
Grade an der Galvanometerteilung abgelesen. Bei einem so empfindlichen Wider- 
standsthermometer ist eine Kompensation der Widerstandsänderungen der Zu- 
leitungen infolge der Temperaturänderungen erforderlich, Zweckmäßig wird hier- 
für eine Dreifachleitung in Mipolamschlauch (kein Bleikabel!) verwendet, da es 
sehr darauf ankommt, daß die Zuleitungen möglichst biegsam sind. Eine Kabel- 
trommel dient zur Aufhaspelung des Kabels. Derartige Thermometer dürften 
zur Messung der Wassertemperaturen bis zu etwa 20m Tiefe ohne weiteres 
brauchbar sein. Die eigentlichen Thermometerkörper sind zweckmäßig aus 
Kupfer-, Nickel- oder Platindraht in Spiralenform ausgeführt, die auf eine Glas- 
oder Trolitulröhre gewickelt und mit reichlichem Lacküberzug gegen die Ein- 
wirkung des Seewassers gesichert werden. Sämtliche Klemmen sind ebenfalls 
nach Festlegung durch Verschnürung durch reichlichen Lacküberzug zu sichern. 
Derartige Thermometer müssen natürlich nach längerem Gebrauch gegen neue 
ausgetauscht werden. Die Auswechselung bereitet jedoch keine Schwierigkeiten. 
Es muß ferner einmal untersucht werden, ob die im Gebrauch an Land sich 
ausgezeichnet bewährenden Nadelthermometer (Abb. 3) in ihrer ursprünglichen 
Form auch im Meere verwendet werden können, Resultate hierüber liegen bisher 
nicht vor, . 
Aus mehrfachen von einem Boot aus unternommenen Versuchen auf einem 
Potsdamer Gewässer ergab sich, daß durch die ziemlich hohe Belastung die Meß- 
genauigkeit der Wasserthermometer nicht gestört wird, Zur völlig ausreichenden 
Fortführung aller Heizwärme von den Meßkörpern genügen schon Bewegungen 
der Thermometer von einigen Zentimetern in der Sekunde, Man kann also das 
Meßboot durch Rudern mit geringer Geschwindigkeit fortbewegen oder bei einem 
Schiff auf Ankerstation den das Thermometer herausfierenden Ladebaum während 
der Messung hin- und herschwenken; meist sorgt ein wenn auch nur sehr mäßiger 
Seegang von sich ‚aus für hinreichende Wasserbewegung, Die Ausführung der 
Messung geschieht so, daß ein und dasselbe Thermometer, beschwert mit einem 
Gewicht, in den verschiedenen gewünschten Tiefen angehalten wird. Die Galvano- 
meterablesung kann nach kurzer Wartezeit vorgenommen werden. Geeignete 
Tiefen solcher Ablesungen liegen zwischen 0.10 m und 20 m.
	        
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