108 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1939,
norwegischen Meteorologenschule unterstreicht
Moese auch äußerlich, daß seine vorliegende Arbeit
ztwas anderes sein soll als die hisher erschienenen
Klimatologien, nänlich, wie er es selbst in der
Finleitung bezeichnet, eine „synoptische, mehr
Aynamisch-klimatologische Monographie“, Diese
Arbeit hat offensichtlich zwei Aufgaben gleich-
zeitig zu erfüllen: 1. eine Lücke in der vorhande-
nen Literatur zu schließen, indem eine Zusammen-
stellung und Beschreibung der für Schlesien typi-
schen Wetterabläufe gegeben wird, und 2, ein
Musterbeispiel auf klimatologischem Gebiet abzı-
zeben für die Arbeitsmethoden der sogenannten
„Breslauer Schule“,
Zwei orographische Effekte sind es, die das
Weiter Schlesiens entscheidend beeinflussen: Stau
and Föhn, beide letzten Endes verursacht von der
Sudetenkette, sowie (besonders beim Stau) auch
von ihren Vorbergen, Moese unterscheidet beim
Stau mehrere Typen, den „Massenstau* (Empor-
steigen einer einheitlichen Luftmasse am Hinder-
nis), den „Frontalstanu“ (erhöhte Weiterwirksamkeit
bei Annäherung der Fronten ans Gebirge), den
‚Vorstau“ (Verbreiterung der Staueffekte durch
am Gebirge vorgelagerte Kaltluftmassen} und einen
„Küsteneffekt“ (Reibungskonvergenz bei gebirgs-
paralteler Luftströmung auf der Seite des tieferen
Luftdruckes — dagegen Reibungsdivergenz als Ur-
sache eines Föhneffektes auf seiten des höheren
Luftdruckes), Entsprechend spricht er bei den
Föhnerscheinungen von „Massen*- und „Frontal“-
Föhn, hierbei noch einen zyklonalen Typ von
einem antizyklonalen mmterscheidend, Zum Schluß
zieht er in Form einer ausführlich erläuterten
Niederschlagsanomalienkarte die „Bilanz“ zwischen
den beiden Hanpteffekten.
Der Wert der vorliegenden Arbeit liegt nun
weniger in der Nomenklatur, sondern vielmehr
darin, daß Moese diese beiden Effekte an Hand
von Iypischen, tatsächlich vorgekommenen Wetter-
Jagen ausführlich erläutert, So ist u. a, vdeben den
„‚Ostgewittern“ besonders den Vb-artigen „Mittel-
meerstörnagen“ ein breiter Raum gewidmet, die
veide deutlich die Verbundenheit des schlesischen
Wettergeschehens mit demjenigen Süd- und Ost-
auropas aufzeigen, Gerade wegen der bi-her in
der Literatur fehlenden, in gedrängter Kürze ge-
gegebenen Zusammenstellung der häufigsten, in
ihrer Auswirkung im Vergleich zum übrigen nord.
und östdeutschen Raum anderesgearteten Wetter
lagen und Folgerungen (Nieder-chlagsverteilung,
Schneeverhältnisse, Hochwasserkatastrophen, Be-
yölkungs- und Sichtverhältnisse usw.) verdient
Jiese Arbeit es, insbesondere von denjenigen gründ-
lich studiert zu werden, die irgendwie sich mit
dem Wetter Schlesiens zu befassen haben, vor
allem aber bei der Flugberatung nach oder in den
Sudetenländern,
Möge diese Arbeit gleichzeitig dazu anregen,
Jaß für die übrigen Landschaftsräume Dentsch-
lands in gedrängter Kürze ähnliche zusammen-
jassende Darstellungen der für sie typischen
Wetterabläufe gegeben werden. R. Lange
5. W, Safonow, Die maximalen Lufttempera-
turen der Bewässerungszone im Transwolga-
gebiet, „Meteorojogia ı Hydrologia“, Moskau
1936. Nr, 8, S, 65—71, mit 7 Tabellen. und
3 graph, Darstellungen (Russisch},
Für die vorliegende Skizze standen dem Verf,
Materialien einer ziemlich langen Reihe paralleleı
Temperaturbeobachtungen nach dem Dreeirtal.
)hermometer und Terminaufzeichnungen der me-
eorologischen Stationen des Transwolgagebietes
zur Verfügung, Das. meiste Interesse beanspruchen
wohl die Kader hohen sog. „schädlichen“ Tem-
eraturen, welche Dürre und schwere Folgen für
die Vegetation hervorrufen, Zur Erklärung der
esonders heißen Sommer wurde eine Reihe Ta-
zellen zusammengestellt, welche die fünf haupt-
süchlichsten Vegetationsmonate umfassen (von Mai
»s September) mit der früher festgestellten
Femperaturabstufung, entnommen aus dem „Klima-
atlas von Deutschland“.
Die Angaben von Tab, 2 zeigen, daß die er-
höhte thermische Ordnung die Bewässerungszone
Jaicht im gleicher Weise erfaßt. Im Süden des
Transwolgagebietes (Stat, Kosiytschewskaja) ist die
Zahl der heißen, sog, „schädlichen“ Temperaturen
über 30° für alle angeführten Jahre bedeutend
größer als bei den anderen meteorologischen Sta-
äonen {s. Tab, 3), Man muß feststellen, daß die
zeographische Verbreitung der Maximaltempera-
ren der Regel der Breitenverteilung folgt mit
ınbedeutender Anomalie in bezug auf die Station
3orowoa- Forstrevier, die durch die Wirkung des
Waldes bedingt wird, Nach der Zahl der heißen
Tage (höher als 35°) und nach dem wiederholten
Auftreten der Maximaltemperater von 30.19 bis
35° übertrifft für alle angeführten Jahre (von 1911
bis 1931) mit geringen Ausnahmen das Trans-
wolgagebiet die Angaben von Karatow; die übrig-
zehliebene Gruppe von Sommertagen ohne „schäd-
ben Temperaturen ist für beide Gebiete fast
gleich,
Der hohe Koeffizient der Wechselbeziehung
zwischen den Erträgen der wichtigsten Körner-
vulturen (Sommerweizen und Wintersaat) und den
Maximaltemperaturen des Transwolgalandes ver.
anlaßt den Verf, eingehend nach den Stationen
lie Dynamik der Verteilung der Maximaltempera-
‚uaren für den Sommer nach Dekaden zu unter-
suchen, Die Analyse der erhaltenen Angaben
zeigt, daß im Transwolgaland (mit Ausnahme vom
Borowoa-Forstrevier 1906} Temperaturen über 350
‘‚cehlen, das wiederholte Auftreten der höchsten
Pemperatur in der Abstufung 30,1° bis 35° be-
leutend zunimmt und den größten Wert in typi-ch
:rockenen Jahren und in Jahren erhöhter thermi-
scher Ordnung erreicht, Diese hohen Temperaturen
>elenten im Transwolgsland fast immer Dürre,
welche außer durch eine bedeutende Trockenheit
der Luft durch große Verdunstungsmöglichkeit im
Laufe des Sommers und durch Fehlen der Über-
einstimmung mit den Wasser-Hilfsquellen des Be-
zirkes charakterisiert wird (Tab, 51, Yon 21 Jahren
ind im Transwolgagebiet 15 Sommer {71,4 %)
darch eine stark erhöhte thermische Ordnung und
verderbenbringende Dürren gekennzeichnet,
Auf den Stationen des Transwolgalandes geht
wie in Gegenden, die nicht von Gebirgen durch-
zreuzt werden, in Fällen typischer Dürren die
Bewegung der täplichen Maximaltemperaturen im
Sommer Sei Antizyklonen nicht in scharfen Sprün-
gen, sondern allmählich vor sich,
Die Dynamik des Ganges der maximalen
Lufttemperaturen im Winter gibt außer einer
Charakteristik der thermischen Ordnung des Be-
zirkes eine Analyse der KEigentümlichkeiten des
Winters, des Vorganges der Ansammlung von
Wasservorräten und der Bedingungen der Über-
winterung der Winterkulturen, Es ist das wieder-
holte Auftreten der Maximaltemperaturen im
Winter und besonders des Tauwetters untersucht