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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1939,
and 1917, d.h. in einer Periode mit außerordent-
lich verschiedenem atmosphärischem Reinheitsgrad
(so gut wie ungestört, Trübung durch vulkanische
Tätigkeit bzw. verstärkte Sonnentätigkeith, daß von
Jen drei gemeinsam den Stärkegrad der Dämme-
mangsfarben bestimmenden Faktoren der von
P. Gruner erschlossene Jahrgang als erster in
Frage kommt und daß die den Allgemeincharakter
dedingende prößere oder geringere Reinheit der
Atmosphäre in Abhängigkeit von optischen Störungen
erst an zweiter Stelle folgt; in dritter Linie wirken
aach ihm die meteorologischen Einflüsse nach
den von Riggenbach- Gruner aufgestellten
Regeln über die Abhängigkeit intensiver Purpur-
lichter von hohem, sich ziemlich gleichmäßig über ein
zrößeres Gebiet erstreckendem Lauftdruck {(rermut-
lich Vorhandensein feinster Ci-Schichten), Nachdem
Gruner erkannt hatte, daß offenbar das Purpur-
licht (P.-L.} das wesentliche Charakteristikum der
Vämmerungsphänomene darstellt, hat er sieh schon
seit vielen Jahren der Erforschung dieses Teil-
problems gewidmet, Eine wesentlich vertiefte Er-
genntnis von P, gab ibm die Einführung der
Photometrie in die Dämmerungsforschung, die auch
die nahe Beziehung zur Gegendämmerung ergab.
Mit gutem Grund verbreitet er sich daher in un-
zemein klarer, anschaulicher Weise in vorliegender
Arbeit in erster Linie über das Purpurlicht und
gan besonders auch über die mittels der von
Ihm neuerdings Wesentlich verbesserten Meihnde
gewonnenen Ergebnisse {mit Hilfe lichtelektr.
Zeilen), die neuerdings auch die direkte Bestimmung
des P.-L, nach den Grundsätzen der trichromauischen
Farbenbestummung ermöglichte, Nicht vergessen
werden darf die Diskussion der P -L.-Bestimmungen
auf Jungfraujoch sowie der Simultanbeohachtungen
an einer Reihe von Orten während des Polarjahres,
welch letztere zum Ergebnis führten, daß sich die
Intensität mit zunehmender Erhebung über den
Meeresspiegel vergrößert, Die Arbeit emhält
lolgende Hauptabschnitte: I. Die bürgerliche
Dämmerung {Allyemeines; das Purpurlicht auf
Jungfraujoch und die simultanen Beobachtungen
während des Polarjahres; die Photometrie des
Purpurlichtes; Verschattung und Asymmetrien des
Purpurlichtes; die jährlichen und säkularen Schwan:
kungen des Purpurlichtes: Erdschatten und Gegen:
Jämmerung: Wolkenbeleuchtung und Alpenglühen),
IL. Die astronomische Dämmerung (Allgemeines;
die Photometrie der Zenithelliskeit während der
Dämmerung), HI. Mathematische Theorie der
Dämmerungserscheinungen (Geometrisch-a5tT0n0-
mische Theorie; Allgemeines; Dauer der Dämme-
tung: Durchgang der Grenzkurve zwischen Schatten
und Licht durch den Zenit; photometrisch-physi-
kalische Theorie, Allgemeines; Beleuchtung dünner
atmosphärischer Schichten; Theorie des Purpur-
lichtes sowie des Erdschattens; verschiedene theo-
retische Bemerkungen), IV, Verschiedenes (Die
allgemeine Helligkeit während der Dämmerung:
die allgemeine Helligkeit im Weiß und in verschie-
denen Sprektralgebieten ; die Liehterrcheinungen am.
Nachthimmel ; Schluß bemerkungen). — Die Theorie
ist, wenn auch klar und übersichtlich, so doch
rerhältnismäßig kurz behandelt. Kine wesentlich
ausführlichere Behandlung findet sich im genannten
Band der „Probleme der Kosmischen Physik. —
Die Beziehungen des Ozons zu meteorologischen
Vorgängen sind schon länger bekannt, vor allem
die Beziehungen zur Druckverteilung. Darüber
berichtete Götz im 1. Band der „Ergebnisse der
Kosmischen Phrsik“, Aus dem neuesten Band
kann man sich u, ®. über die veueren Ergebnisse
bzw. Bestätigungen} hinsichtlich der von Dobson
ınd Duckert gewonnenen Korrelationen zwischen
Jzonbetrag und den meteorolovischen Elementen
im großer Höhe (bis zu 17 km) unterrichten, die
zich namentlich an den Namen M getham kuaüpfen,
Vor allem kommt die Erörterung der Fortschritte
n den Grundlagen der Berechnungen und
Messungen in Frage. Dabei sel u, a. hingewiesen
ıuf die neueren Üatersuchungen über den Ab-
zorptionskoeffizienten, über dessen Abhängigkeit
ron der Temperatur, auf die Beschreibung des
3eueren Instrumentariums ({s, uw. das photo-
uektrische Spektralphotometer nach Dohason und
sonders die geniale, inzwischen verbesserte Re-
zistriermethode Regeners!), Den Schwerpunkt
ler Arbeit bilden die lichtvollen Darlegungen der
ı1eueren Untersuchungen über die vertikale Ver-
eilung des Ozona und der sich aus dieser Ver-
eilung ergebenden Gesichtspunkte über die Ultra-
Aolett- Transparenz sowie den Licht- und Wärme-
1aushalt der Atmosphäre, was natürlich auch für
len Meteorologen von größter Bedeutung ist. Es
ei ganz besonders noch hingewiesen auf die Er-
örterung der Ergebnisse der Stratosphärenflüge von
‚Explorer I und 11“ (Höhen von 18 bzw. 22 km er-
veicht). Nicht vergessen werden darf schlieBlich der
Hinweis auf den vierten, die Theorien der vertikalen
Izonverteilung, d.h die Ansichten über das Zu-
#andekommen des Uzongleichgewichts erörternden
Abschnitt.
Höchst willkommen wird sicher für viele Leser
die Arbeit über dıe Physik der hohen Atmosphäre
sein, wenn auch der Rehwerpunkt auf der Dar-
stellung der Ergebnisse der Ionosphären-Forecbung
'jegt, da, wie Zenneck zeigt, die hier angewandten
Methoden jedentialls in einer Richtung wesentlich
mverlässigere Schlüsse über den Zustand der hohen
\tmosphäre zulassen wie die Untersuchungen der
nchtelektrischen Erscheinungen, die im zweiten
Teil kurz, aber auch in sehr klarer, übersichtlicher
Weise kritisch behandelt werden Soweit die
‚ono-phäre, d. h, der ijonisierte Teil, in Frage
Kommt, bringen vier Hauptabrschnitte der Reibe
Jach die Erörterung über: a} die Untersuchungs
methode, b) die normalen, €) die anormalen Phä-
somene, d. die Ursachen der Ionjsierung. Dabei
wi. besonders erwähnt, daß u, a, im 1. Abschnitt
auch die Einwirkung des erimagnetischen Feldes,
m 2, die zeitlichen Anderungen der Jonisierung,
m 3, die raschen Änderungen der fonisierung
u. 2. die Beziehungen zu Meteorschwärmen), im 4.
ler Vrellingereffckt (Aussetzen des Kurzwellen-
verkehrs) erörtert werden, Die Auseinander-
eizungen bezieben sich ganz wesentlich anf die in
und 3100 km (also nahe der unteren Creme des
Polarlichts) befindliche E- und die in rund 250 km
>efindliche F-Xchicht, Verf, zeigt, daß die normale
lonisierung der E-Schicht jedenfalls größtenteils
zuf der Wirkung der Lichtstrahlung der 7) beraht,
sohmgegen sie anormalen, raschen Schwankungen
ron ihm auf die auch für das Polarlicht verant-
xorılich gemachte, von der (© ausgehende Korpus-
<ularstrahlung zurückgeführt werden, Hier dürfte
ler Gegenstand in nähere Beziehung zur Meteoro-
logie treten, wobei daran erinnert sei, daß ver-
schiedene Meteorologen die Ansicht einer engen
Korrelation zwischen meteorologischen Störungen
and den Vorgängen im der E-Schicht vertieten
* u, a, Krogneß!l. Bezüglich des Abschnius über
die nichtelektrischen Eigenschaften der oberen Atmo-
sphäre, io welchem u, a, Loeftdruek. Temperatur,