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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 67 (1939)

Ann, d. Hydr. usw., LXVIL Jahrg. (1939), Heft I, 
Neues zur Morphometrie des Atlantischen Ozeans. 
Von Theodor Stocks, Institut für Meereskunde an der Universität Berlin. 
(Hierzu Tafel 1 mit Abbildung 1 und 6} 
1. 
Die neue Tiefenkarte*) des Atlantischen Ozeans (Abb, 1 auf Tafel 1} verwendet 
bekanntlich zum ersten Male in der Ozeanographie für einen großen Meeresraum 
eine Isobathen-Äquidistanz von 500 m, Schon Alfred Merz bei der Planlegung 
des „Meteor“-Werkes und Albert Defant als Herausgeber haben geglaubt, diesen 
Schritt von der 1000 m- zur 500 m-Aquidistanz fordern zu müssen einmal auf 
Grund der großen Zahl von Lotungen, die seit 1911 aus diesem Ozean, besonders 
dank dem „Meteor“ aus seinem südlichen Teil bekanntgeworden sind und eine 
erheblich gleichmäßigere Verteilung aufweisen als bisher; vor allem zweitens 
aber, weil die Echolotprofile eine wesentlich bessere Kenntnis längs den abge- 
loteten Fahrtrouten offenbart haben, so daß man zunächst geneigt gewesen jst, 
die auf diesen Profilen gefundenen Verhältnisse auch auf die benachbarten Teile 
zur Anwendung bringen zu können, Daß dies nicht möglich ist, daß vielmehr 
die topographischen Verhältnisse des Meeresbodens bei wachsendem Material 
immer komplizierter werden, ist ja eine auch sonst zu beobachtende Erscheinung. 
Andererseits zeigt sich, daß die Probleme um die Entstehung der Erdkruste 
und ihre Geschichte immer mehr auf die eine Frage nach der Entstehung der 
Dzeane hinauslaufen, Die Ozeane spielen gerade in der Geotektonik heute eine 
wichtigere Rolle als früher; und unter ihnen ist es besonders der Atlantische 
Ozean, das klassische Forschungsfeld der gesamten Geophysik, Für eine wissen- 
schaftliche geotektonische oder geomorphologische Betrachtung indessen ist nun 
nicht nur das gute, möglichst vollständige topographische Kartenbild eine uner- 
läßliche Voraussetzung, sondern auch eine mit möglichst exakten Methoden vor- 
genommene Analyse der Tielenverhältnisse in quantitativer Beziehung. Diese 
besteht in der Berechnung der Areale der einzelnen Tiefenstufen, und zwar 
sowohl nach absoluten Werten wie auch im Verhältnis zueinander bzw, zum 
Gesamtozeanraum, ihrer zonalen Verteilung, der Volumina der Teilgebiete des 
Ozeans (etwa der Becken und Nebenmeere) sowie schließlich der mittleren Tiefen. 
Diese bathymetrischen Grundwerte erst gestatten es, für ganze Ozeane oder 
Teile von ihnen (etwa Zonen oder Becken) Zustandskurven zu entwerfen, die für 
eine morphometrische Betrachtung und für die geophysikalische Erforschung 
dieselbe Rolle spielen wie etwa Verlikalkurven der Temperatur für die hydro- 
graphische Forschung. Keine dieser hypsographischen Kurven ist der andern 
gleich, und aus den Unterschieden zwischen ihnen ergeben sich aufschlußreiche 
Vergleiche der strukturellen Verhältnisse der betreffenden Meeresgebiete, wie noch 
an einzelnen Beispielen aus dem Atlantischen Ozean zu zeigen sein wird. Darüber 
hinaus liefern die bathymetrischen Grundwerte auch für gewisse quantitative 
Betrachtungen der Hydrographie das Grundmaterial, insbesondere natürlich 
Volumina und mittlere Tiefen, 
Diesen beiden Zielen zu dienen, ist der Hauptzweck der vom Verfasser vor- 
genommenen Neuberechnungen der Grundwerte des Atlantischen Ozeans’). 
Daneben lockt selbstverständlich stets ein Vergleich mit anderen Autoren und 
ihren Ergebnissen, deren Gewinnung mnun nicht nur mit einem von dem hier 
behandelten verschiedenen Material erfolgt ist, sondern teilweise auch nach 
anderen Methodan. 
‘4 Th, Stocks und G, Wüst, Die Tiefenverhältnisse des offenen Atlantischen Ozeans. Begleit- 
worte zur Übersichtskarte 1:20 Mill, In: Wise, Ergebn, der Dt, Atl. Exp. „Meteor“ 1925 bis 1927, 
Band IF, 2. Teil, 1. Lieferung, Berlin u. Leipzig 1935. — % Th. Stocks, Statistik der Tiefenstufen 
des Atlantischen Ozeans, In: Wiss, Krgebn, der Dt. All, Exp. „Meteor“ 1925 bis 1927, Band IT, 
t, Teil, 2. Lieferung, Berlin u, Leipzig 1938. 
Ann. d. Hydr. uSWw, 1939, Heft L
	        
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