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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 67 (1939)

104 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1939. 
zestaltet hat, Karten, in denen alle Azimutgleichen der Kugel Gerade werden, 
kann es nicht geben, da es auf der Kugel co* Azimutgleichen, in der Ebene aber 
nur cc? Gerade gibt. Immerhin sind winkeltreue Karten möglich, deren gesamte 
Geraden Bilder von Azimutgleichen der Kugel sind, und zwar von den c<4 
Azimutgleichen, deren Zielpunkte auf einem bestimmten Meridian liegen. Die 
Abbildungsgleichungen dieses Entwurfs sind 1833 von Littrow angegeben worden, 
öhne daß er eine Ahnung von den Eigenschaften dieses Entwurfs hatte. Für 
die Nautik wurde das Netz des Entwurfes 1890 als Weirs Azimutdiagramm 
nutzbar gemacht; und die ersten Karten in dieser Entwurfsart habe ich!) 1905 
und 1911 veröffentlicht, Alle drei Kurvenarten aber erhalten ihre Bedeutung 
nicht aus Karten irgendwelcher Entwurfsarten, sondern haben sie auf der Kugel 
selbst. Dies beweist auch Immlers Aufsatz sehr deutlich, da auch seine Karten- 
geraden nur dazu dienen sollen, einen Punkt der Azimutgleiche zu finden, Er 
schreibt selbst (S. 186}: „Die wirkliche Standlinie bleibt die Azimutgleiche, für 
welche der ermittelte Hilfspunkt auf dem Meridian £ ein Leit. 
punkt ist.“ In der Tat liegt das Problem bei der Kegelkarte 
amgekehrt. Man benutzt aus anderen Gründen kegelige Karten — 
immler gibt die kleineren Streckenverzerrungen als Verwen- 
dungsgrund an — und möchte nun wissen, wie die Geraden dieser 
Karten bei Azimutgleichen-Problemen benutzt werden können, 
Dabei sind die Urbilder jener Geraden auf der Kugel ganz 
uninteressante Linien, Unter kegeligen Entwürfen denkt man 
Jabei nur an erdachsige, d, h, solche, bei denen die Meridiane 
zeradlinig abgebildet werden, in der Art, daß sich diese Bild- 
geraden in einem Punkt M (siehe Figur) unter Winkeln n/ an- 
statt unter den entsprechenden Kugelwinkeln A schneiden. Die 
Breitenkreise (g) werden als gleichmittige (konzentrische) 
Kreisbogen um M als Mittelpunkt abgebildet mit Halbmessern 
e=f(g), wo die Funktion f für die betreffende Entwurfsart kennzeichnend ist, 
Wird nun in einer solchen Karte durch einen Punkt A (Breite gg) eines Anfangs- 
meridians Ä=0 unterm Winkel x eine Gerade gelegt, so ergibt sich für 
deren laufenden Punkt L (Breite = @; Länge= A) die Beziehungsgleichung 
(ee) = 1(g0) RD Die dieser Gleichung entsprechende Kurve (g/1) auf der 
Kugel hat im allgemeinen keinerlei nautisches Interesse. Läßt man bei einem 
allgemein kegeligen Entwurf den Kegel in eine Ebene ausarten, so wird die 
Karte radlich (azimutal), Zu diesen, den radlichen Entwürfen, gehören die 
sichtigen (perspektiven). In diesen sind die Kartengeraden Bilder jener co* Kugel- 
kreise, deren Ebenen durch den Augpunkt der Projektion gehen, also im mitten- 
sichtigen (gnomonischen) Entwurf alle Kugelgroßkreise, im allkreisigen (stereo- 
graphischen) Entwurf alle Groß- und Kleinkreise durch den Gegenfüßlerpunkt 
der Kartenmitte, Mit letzteren Kartengeraden, die er Stereogeraden nennt, hat 
sich Immler sehon früher befaßt. Auch in diesem Fall handelt es sich um 
Kartengerade, die nur diese Bezeichnung verdienen, weil sie nur für eine spezielle 
Karte einen Sinn haben, aber keinen von der Entwurfsart unabhängigen, auf der 
Kugel selbst wertvollen wie die Örthodromen, Kursgleichen und Azimutgleichen, 
mit denen man sie nicht auf eine Linie stellen kann, 
Ich glaube die Gelegenheit nicht ungenutzt lassen zu dürfen, um erneut 
darauf hinzuweisen, daß man bei der Funkortung nicht lediglich mit einer nach 
anderen Zwecken gewählten Navigationskarte arbeiten sollte, sondern daneben 
ein Funkortungsnetz mit geradlinigen Azimutgleichen in großem Maßstabe 
heranziehen sollte, Das Ortungsverfahren mit einem solchen Funkortungsnetz 
habe ich schon 1921 in einem Vortrag?) vor dem Nautischen Verein in Hamburg 
empfohlen und später versucht, solche in großem Maßstab von der Marineleitung 
hergestellten Funkortungsnetze der Kriegs- und Handelsmarine schmackhaft zu 
machen, leider ohne Erfolg. Vielleicht gelingt dies jetzt eher, wo auch die 
1) Ann. d. Hydr. 1905 Tafel 5; Petermanns Mitteilungen 1911 I Tafel 47. — *) Ann, d. Hydr. 
1921 8, 121—123. 
Gi
	        
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