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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1939.
Vier quasistationäre Hoch- bzw, Tiefdruckgebiete kennzeichnen die Groß-
wetterlage, wie sie in der hier wiedergegebenen Druckverteilung zum Ausdruck
kommt: Zwei Hochdruckgebiete, bei den Azoren und über Nordamerika, und
zwei Tiefdruckgebiete, bei Island und vor der Ostküste der Vereinigten Staaten.
Diese, wie schon erwähnt, an jedem Tage mehr oder minder deutlich ausgeprägte
Druckverteilung sorgte für ein anhaltendes Gegeneinanderströmen arktischer
Kaltluft aus dem grönländisch-kanadischen Raum und subtropischer Warm-
luft aus dem westatlantischen Passatgebiet längs einer Grenzfläche, die sich etwa
von den Bermuda-Inseln über das Gebiet südöstlich Neufundland bis zum Ost-
atlantik, in Höhe der Biskaya, erstreckt.
Von Ende August bis Ende Oktober war das französische Forschungsschiff
„Carimare“ auf etwa 38° N, 44° W stationiert. Die während des hier behandelten
Zeitraumes durch-
geführten Radioson-
den-Aufstiege zeigen
die Herrschaft sub-
tropischer‘ Luftmas-
sen, Die relative To-
pographie 500 über
L000 mb, die ja be-
kanntlich . ein Maß
[ür die mittlere Tem-
peratur dieser Luft-
schicht darstellt, er-
reichte mit 557 bis
563 dyn, dkm Werte,
wie sie nach einer Zu-
sammenstellung von
Scherhag®) Über
Soesterberg (Hol-
land) z. T. nicht ein-
mal als Extrem werte
im‘ Oktober beob-
achtet wurden, Die
Temperaturen in
Höhe der 600 mb-
Fläche lagen fast
; immer über dem Ge-
frierpunkt (für Soesterberg gibt Scherhag —0° als Maximum), und auch in
Höhe der 500 mb-Fläche wurden die über Holland für Oktober bestimmten
Extremwerte nur am 6,, 7. und 8, Oktober um wenige Grade unterschritten.
Aufstiege in der von Norden herangeführten Kaltluft liegen nur über Europa,
wo die Polarluft schon gealtert ist, vor. Trotzdem zeigen die Aufstiege z. T.
recht tiefe Temperaturen. In Höhe der 500 mb-Fläche wurde am 6. Oktober
über Mildenhall (Südengland) und Helder (Holland) — 29°C, beobachtet, ein Wert,
der nur 4° über dem für Soesterberg angegebenen absoluten Minimum für Oktober
liegt. Über Deutschland, das bald von Kaltluftmassen, bald von Warmluft über-
strömt wurde, ergaben sich dabei ausgeprägte Temperaturschwankungen, besonders
in der freien Atmosphäre*), während sie am Boden, dem maritimen Charakter
der Luftmassen entsprechend, stark gedämpft waren.
Die hier erwähnten Aufstiege lassen also erkennen, daß hochreichende
Warm- und Kaltluftmassen aneinandergeführt wurden in einer langgestreckten
Frontalzone, an der im Gebiet des „neutralen Punktes“, südöstlich Neufundland,
die stärksten Temperaturgegensätze geherrscht haben. Aus dieser Frontalzone
* R. Scherhag, Wetterskizzen Nr. 10. Die jährliche Schwankung der relativen und absoluten
Topographie der 500 mb-Fläche über Mitteleuropa. Ann. Hydr. 1936, S. 443. — *) Aerologische Über-
She a Monat Oktober 1938, Ausgearbeitet beim Reichsamt für Wetterdienst, Berlin, Z. a. M.,
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