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Full text: 67, 1939

Wundt, W,; Die Verdunstung vom Meere in d. Passatzone u, von freien Wasserflächen i, allgemeinen, 81 
15. September 1911 durchschnittlich 30 em Verdunstungssumme bei einer 
Öberflächentemperatur von etwa 24°C, die also tropischen Verhältnissen 
entsprach. Würden diese Voraussetzungen 8 bis 10 Monate andauern, 50 
kämen wir auf eine Verdunstungshöhe von etwa 160 cm (Maurer ı) 
Messungen mit Verdunstungsgeräten, die Lütgens im Passatgebiet des Atlanti- 
schen Özeans angestellt hat, haben für das Jahr 225 em ergeben (18), Aber 
seine Ergebnisse sind, wie allseitig anerkannt. wird, zu hoch, weil die Geräte 
andern Verdunstungsbedingungen unterliegen als die Meeresoberfläche (vgl. o 
S, 230), W,. Schmidt (1) reduziert daher diese Werte mit dem Faktor 0.43, 
Wüst (20) mit 0.48, Eine kritische Würdigung der Messungen mit Verdunstungs- 
geräten im allgemeinen gibt von dem Borne (zı), Eine Weiterführung der 
Forschungen von Lütgens, W. Schmidt und Wüst stellen die Arbeiten von 
Cherubim (zz?) und Mosby (22) dar, Die Abhandlung von Cherubim enthält 
zugleich eine Zusammenstellung des bis etwa 1930 erschienenen Schrifttums. — 
W üst (2) kommt beim Atlantik auf folgende Zahlen für die jährlichen Verdunstungs- 
höhen: 10° bis 20° Nord 144 cm, desgl. Süd 138 em; für das Weltmeer sind die 
entsprechenden Zahlen 131 em bzw, 132 cm. Es herrscht also verhältnismäßig gute 
Übereinstimmung mit den von mir auf ganz andere Art gewonnenen Werten. Man 
muß sich aber darüber klar sein, daß die anzugebende Verdunstungshöhe auch 
von der Definition des Begriffes Passatzone abhängt. Es ist wahrscheinlich, 
daß bei getrennter Betrachtung von Feldern in verschiedener Breite und Länge 
recht erhebliche Unterschiede auftreten. Auch ist zu beachten, daß die zugeführte 
Strahlung z. T. der Erwärmung der Meeresoberfläche dient; die angewärmten 
Wassermassen strömen mit den Äquatorialströmungen nach Westen, wodurch 
dem Osıen eine gewisse Energiemenge entzogen und dem Westen gutgebracht wird. 
Zum Vergleich seien noch einige Angaben über die Verdunstung von Land- 
Nächen angefügt, Diese wird zwar im allgemeinen hinter der von freien 
Wasserflächen zurückbleiben; aber im einzelnen braucht dies keineswegs zuzu- 
treffen. Für das Flußgebiet des Kongo wird die Landesverdunstung auf 103 cm, 
für das des Amazonas auf 128 cm geschätzt (vgl. 11). Wie ist das möglich? — 
Neben die physikalischen Bedingungen treten bei der Landesverdunstung die 
Einflüsse des Bodens und vor allem die der Pflanzendecke. Die Transpiration 
der Pflanzen mit ihrer großen Oberfläche und ihrem Wurzelsystem scheint einen 
Verdunstungsapparat darzustellen, der stellenweise eine freie Wasserfläche noch 
überbietet. Bei hohem Grundwasserstand gehen, wie Friedrich und Bartels 
gezeigt haben (8), die Lysimeterergebnisse vom Boden mit Grünland noch über 
die Werte der Wild’schen Verdunstungswaage hinaus, Auch Beobachtungen im 
Spreewald (Frenzel, s S. 14) und an einem Hochmoor in Lettland (11) haben 
diese Auffassung bestätigt. — Ein weiteres Hilfsmittel, Höchstwerte der Ver- 
dunstung von Landflächen — zum Vergleich mit unseren Werten für die Passat- 
zone! — zu finden, besteht in der Untersuchung der Trockengrenze in den 
Tropen, d. h. der Stellen, wo die humiden (abflußliefernden) Gebiete in die 
ariden (abflußzehrenden) Gebiete übergehen, An der Trockengrenze, die das 
Festland bandförmig durchzieht (vgl. 16), zehrt die Landesverdunstung den 
Niederschlag gerade auf, d. h. die Verdunstungshöhe ist gleich der an der 
Trockengrenze gemessenen Regenhöhe. Vom Tanganjika- und Nyassasee, die 
zeitweise ohne Abfluß sind, kann man annehmen, daß sie ungefähr auf der 
Trockengrenze Afrikas liegen. Aus den Niederschlagshöhen der benachbarten 
Regenstationen bestimmt sich danach die Verdunstung des Einzugsgebiets dieser 
Seen einschließlich der Seefläche zu rund 110 cm, 
Schrifttum, 
1. Maurer, Die Verdunstung auf den Seen am Nordfuß der Alpen während der großeo Hitze- 
und Dürrezeit 1911.. Meteor, Zeitschr, 1911, S. 545, 
2, Wüst, G., Oberflächensalzgehalt, Verdunstung und Niederschlag auf dem Meere. Länderkundl. 
Forschung (Festschrift N, Krebs) 1936, 8, 847, 
3, Friedrich, Zur Methode der Verdunstungsmessungen, Bericht 16C der VI, Baltischen Hydro- 
logischen Konferenz, 1938. 
4. K. Fischer und W, Friedrich, Zur Beurteilung der Verdunstungsmessungen an freien Wasser- 
fÜlächen. Gerl. Beitr. z. Geophys. 50. 19837,
	        
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