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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 67 (1939)

78 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1939, 
Einzelvorgang, sondern entsteht durch Summierung einer Reihe von Einzelüber- 
streichungen, deren Natur durch die übrigen Teile der Erde mitbestimmt wird. 
Die beiden Grundtypen der Entfeuchtung und der Anreicherung lassen sich 
durch die Wasserdampfverfrachtungslinie darstellen (s, Fig. 1), Diese (W) 
wird über dem Lande im allgemeinen fallen, über dem Meere dagegen an- 
steigen, Tritt der Wasserdampfstrom in der resultierenden Windrichtung ins 
Land ein, so gibt er in 
Form des Niederschlags N 
zunächst mehr her, als 
ihm endgültig bleibt; aber 
dieses Mehr wird ihm nach 
verhältnismäßig kurzer 
Zeit durch die Ver- 
dunstung zurückgegeben 
and fließt dann im all- 
gemeinen Strom weiter, 
Was dem Wasserdampf- 
strom verlorengeht, ist 
nur der Abfluß A, Bildet 
man von den Größen N, 
V, A für jeden Ort die 
jährlich auflaufenden Summen ZN, ZV, ZA, so muß ihr Verhalten landeinwärts 
durch die Linien der Figur dargestellt sein, die natürlich nur schematisch auf- 
zufassen sind. Die Abfluß- und Verdunstungssummen bilden je einen Keil, der 
nach rechts hin breiter wird; beide Keile zusammen stellen den Nioderschlagskeil 
dar, Dagegen wird die „Meereszufuhr“ M (sofern man angesichts der wiederholten 
Überstreichung von Land und Meer noch von einer solchen reden kann} landein- 
wärts immer kleiner, bis sie schließlich von dem landverdunsteten Wasser ganz 
verdrängt ist, Diese Verdrängung braucht aber keine Änderung der Eigenschaften 
des Wasserdampfs nach sich zu ziehen! — Bei größerem Landweg nimmt der Ab- 
Muß allmählich ab; in der Gleichung N= A + V verschwindet das Glied A, womit 
N=V wird. Die YA erhält also keinen weiteren Zuwachs und die Wasserdampf- 
verfrachtungslinie biegt in die Waagerechte um, In der Natur kennzeichnet sich 
diese Stelle dadurch, daß wir von den humiden in die ariden Gebiete übertreten, 
die durch die sog. Trockengrenze geschieden sind. — Dieser Entfeuchtung auf 
dem Lande steht auf dem Meere der umgekehrte Vorgang einer Anreicherung 
mit Wasserdampf gegenüber. Dafür liefern gerade die Passate ein gutes Bei- 
spiel. Die Wasserdampfverfrachtungslinie wird im allgemeinen ansteigen; aber 
auch hier wird ein, wenn auch nur kleiner Teil durch den Niederschlag wieder 
ausgeschieden. Die Einzelsumme der Größen V, N, A wird wie auf dem Lande 
in der Windrichtung größer werden, aber an Stelle der Gleichung ZN = ZA + ZVY 
wird die Gleichung ZN = -—XA + ZV treten; denn der Abfluß hat sein Vorzeichen 
gewechselt, weil an seine Stelle ein Zufluß aus benachbarten Meeren getreten 
ist, der für Verdunstung und Niederschlag aufkommen muß, 
Selbstverständlich gelten diese Überlegungen nicht für den Einzelfall und 
das genannte Bild kann auch die thermodynamischen Vorgänge nicht berück- 
sichtigen; aber als Grundvorstellung für die Wasserbilanz der Festländer und 
Meere wird es trotzdem zutreffen. 
Nach der geschilderten Auffassung ist also die Niederschlagshöhe der Passat- 
zonen den ermittelten Werten noch hinzuzufügen, wenn man die Gesamtver- 
dunstung erfassen will. Es erhebt sich somit die Frage nach der Regenhöhe 
der Passatzone, — Leider sind die Beobachtungen auf den „Meteor“-Fahrten nicht 
ausreichend, um über die jährlichen Niederschlagshöhen in diesen Gegenden ein 
sicheres Bild zu gewinnen; das „Meteor“. Werk selbst verzichtet ausdrücklich darauf, 
solche Werte anzugeben, Der Bearbeiter (Kuhlbrodt) gruppiert die Ergebnisse 
nach klimatischen Zonen, von denen das Gebiet A mit dem Nordostpassat, das 
Gebiet B mit den Stillen (oder. Kalmen) und dem afrikanischen Monsun-Gebiet, 
das Gebiet € mit dem Südostpassat sich deckt (siehe Fig. 2 S. 79). Wie das
	        
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