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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 64 (1936)

Kleinere Mitteilungen, 
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Auffallend ist, im Gegensatz etwa zu dem gleichfalls mediterranen Santiago 
de Chile, das am Tage empfindungsgemäß Ähnlichkeit mit dem Madrider Klima 
besitzt, die ausbleibende starke nächtliche Abkühlung; die theoretisch geringere 
Kontinentalität der chilenischen Hauptstadt wird ausgeglichen durch die mor- 
pholöogischen Verhältnisse, indem von den Gletschern der über 6000 m hohen 
Kordilleren kalte Luft in die allseitig abgeschlossene Wanne des Santiaginer 
Beckens herabsinkt. Nach der Sichtigkeit des nächtlichen Himmels zu urteilen, 
dürfte auch die Ausstrahlung im mittelchilenischen. Längstal im Mittel bedeu- 
tender sein als über der kastilischen Hochebene, Daß Madrid die bedeutendste 
„Nachtstadt“ wohl der Welt ist, und zwar für alle Bevölkerungskreise, verdankt 
sie nicht einem kosmopolitischen Vergnügungsinstinkt, sondern ausschließlich 
dem häuslichen Klima. Die meisten Wohnungen, am verheerendsten der „Atico“, 
a. h. das oberste Stockwerk, zeigen bis 2 oder 3 nachts Temperaturen, die oft 
unerträglich sind. Selbst bei geöffneten Fenstern scheint der Luftaustausch 
öft ein außerordentlich geringer zu sein: die durch die Tagesstrahlung er- 
wärmten Räume weisen je nach Lage, Anzahl der Fenster, Beschaffenheit und 
Dieke der Mauern, die in den obersten Stockwerken aus Ersparnisrücksichten 
sehr dünn sind, noch nach Mitternacht Temperaturen auf, welche 30° weit über- 
schreiten und bis zu 15° über den Außentemperaturen liegen können, Am Tage 
besteht ein regelmäßiges Temperaturgefälle; so wurden am 6, Juli 1935 um 
18% folgende Lufttemperaturwerte in einem Treppenhaus gemessen: 
0. Stock 27,3% 1, Stock 29,0°, 2, Stock 30.7°, 3. Stock. 31.5°, 4. Stock 32.2°% 
Flachdach 32.4°, 
Bei relativen Feuchten, die in der Stadt bis zu 12 % herabsinken, aber im 
allgemeinen auch in den Räumen (Juli=— August) zwischen 20 bis 30 % liegen, 
ist stets ein mehr oder weniger großes Schwülegefühl vorhanden, auffallend 
durch eine stärkere oder schwächere Transpiration, Relative Feuchte macht 
sich austrocknend erst dann ausgesprochen bemerkbar, wenn sie unter 5 %% liegt. 
Hin und wieder liegen bei geringen Feuchten die feinen Schweißtropfen nur 
unter dem Haaransatz und über der Oberlippe; dann kann man bei Temperaturen 
von. über 35° und gleichzeitigem Wind die Beobachtung machen, daß im Antlitz 
zwei völlig verschiedene Gefühle auftreten: an den Ohren fühlt man die Luft, 
als ob sie einem Backofen entströmen würde, während man über Lippen und 
Stirn durch die Verdunstungskälte eine angenehme Abkühlung empfindet. 
Wenig sympathisch ist es, am hohen Tage in das Gebiet gesprengter Straßen 
hineinzugeraten, da dann durch Erhöhung der Feuchte während kurzer Augen- 
blicke eine besondere Schwüle entsteht, 
Registrierungen der Temperatur und Feuchte auf einem flachen Dach in 
Madrid ergaben bei Begießen mit einer Gießkanne ein momentanes Ansteigen 
der relativen Feuchte zur Mittagszeit zwischen 4 bis 7%, während die Luft- 
temperatur ungeändert blieb. Bereits nach zwei Minuten war der Boden wieder 
völlig trocken. Dementsprechend war die absolute Feuchte von 11 mm auf 
13 mm gestiegen. 
Nebenher sei bemerkt, daß eine austrocknende Wirkung sich wohl bemerkbar 
macht bei Holzmöbeln, die viel leichter springen als in Deutschland, oder etwa 
bei Nahrungsmitteln: frisch zubereitete belegte Brote sind bei einer Temperatur 
von etwa 30° und 25%, relativer Feuchte nach einer halben Stunde ziemlich 
altbaeken. Aber auch die äußeren Oberlippen zeigen besonders bei Zureisenden 
aus Mitteleuropa Neigung zum Aufspringen, 
Immerhin ist wenigstens in hausklimatisch günstig gelegenen Wohnungen 
oder Büros oft gerade am Tage (im Gegensatz zu den nächtlichen Verhältnissen) 
bei leichter Bekleidung und Abbrausen die hochsommerliche Wärme. leichter zu 
ertragen als bei Bewegung in den erhitzten Straßen. Die folgende Beobachtung 
aus Nord- und Mittelchile gilt auch. für Spanien: es ist immer noch erträglicher 
im Sonnenschein zu gehen als zu stehen, d, h. die abkühlende Wirkung durch 
die erzeugte „Gehluft“ hat das Übergewicht über die Folgen der leichten An- 
strengung. In dieser Hinsicht besteht als Folge der geringen Feuchte medi-
	        
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