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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 64 (1936)

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Zweites Köppen-Heft der Annalen der EXydrographie naw. 1936, 
Kosmosheft zur Yerfügung stehen wird, sei aus diesem noch erwähnt, daß in 
Deutschland schon im dahre 1912 ein Bericht über den Grünen Strahl erschienen 
jst über zwei Beobachtungen im Indischen Ozean. Dieser Bericht erschien auch 
im. „Kosmos“ und war vom Werftinspektor A. Welznig verfaßt, Später hat 
dann. die bekannte französische Zeitschrift „La. Nature“ die Beobachtungen von 
Lucien Rudaux veröffentlicht, welcher von seinem Observatorium an der Küste 
Frankreichs aus den Grünen Strahl über 100mal gesehen hat, Rudaux hat auch 
wie ich den Strahl. blau und violett beobachtet, einmal. sogar alle drei Farben 
Grün, Blau und Violett nacheinander, wodurch die Richtigkeit meiner yon keiner 
Seite beeinflußten Wahrnehmungen bestätigt wird, Die „Nature“ vertritt den 
Standpunkt, der Grüne Strahl sei in gewissen. Ländern, besonders den tropischen 
and subtropischen, häufiger zu beobachten als bei uns und sei nur bei ganz klarem 
and dunstfreiem Horizont zu sehen, Die Luft müsse so durchsichtig sein, daß 
die Sonne ihren vollen. Glanz bis zum Horizont: behielte, Beides ist durch meine 
zahlreichen Beobachtungen auf Nordlandfahrten. und. bei. dunstiger Kimm. wider- 
legt, T, Kellen bringt dann nöch einige interessante Äußerungen der Straß- 
zurger Astronomen A, Danjon und G. Rougier. Das Phänomen wird von 
diesen beiden Gelehrten wie folgt beschrieben: „Während der letzten Minute, die 
dem Untergang der Sonne rorausgeht, in der also noch ein nennenswerter Teil von 
ihr sichtbar ist, ist die wellenförmig bewegte, aber scharf abgegrenzte Scheibe 
ron einem grünen Rand umgeben, Solange die Scheibe nicht ganz untergegangen 
ist, vermag das bloße Auge jenen Saum nicht zw erkennen. Er wird erst genau 
in demselben Augenblick. sichtbar, wo die Scheibe endgültig hinter dem Horizont 
verschwindet.“ Dieser grüne Saum ist auf verschiedenen meiner Zeichnungen 
deutlich zu erkennen. Auch ich habe diesen Saum nicht mit bloßem Auge wahr- 
nehmen können, sondern nur mit stark. vergrößernden. Gläsern, Bei Bildreihe 6 
md. 7 meiner Beobachtungen, die mit einem langen Fernrohr (32fache Vergröße- 
rung) gemacht sind, ist der grüne Saum schon zu sehen, während noch die ganze 
Sonnenscheibe über dem Horizont ist. An zwei Stellen (Bildreihe 6b und 6) lösen 
sich grüne Fetzen ab. Auch dieses haben die Straßburger Astronomen beob- 
achtet; sie schreiben „Wenn. man. über ein Fernrohr mit starker Vergrößerung 
verfügt, so kann man die Erscheinung im einzelnen beobachten, Der grüne Saum 
wird schon zehn. Minuten vor dem Untergang‘ der Sonne sichtbar, er begrenzt 
die obere Hälfte der Scheibe, während die untere einen roten Saum zeigt, Die 
Dicke des Saumes, die zuerst sehr gering ist {nur einige Bogensekunden), nimmt 
in. dem Maße zu, wie die Sonne weiter sinkt; sie erreicht zuweilen eine halbe 
Bogenminute, Der grüne Saum ist oft mit ebenfalls grünen. Flämmchen besetzt; 
die beim. allmählichen. Verschwinden der Sonne an deren Rand entlangzugleiten 
scheinen. bis zum. höchsten Punkt; sie lösen. sich mitunter von dem Saum 108 
and bleiben einige Sekunden gefrennt, ehe sie erlöschen.“ T. Kellen meldet 
ferner, daß der grüne Strahl auch auftritt, wenn die Sonne hinter einem weit 
entfernten Bergrücken verschwindet. Ich selbst habe dieses im nördlichen Teil 
des Roten Meeres gesehen, als die Sonne hinter einem 50 Seemeilen. entfernten 
Bergrücken verschwand, der Strahl war aber eher blan als grün. Kin englischer 
Beobachter, 86 berichtet Kellen, konnte auf der Insel Man am 1. Juli 1919, als 
die Sonne hinter einem. etwa. 5 km entfernten Berg unterging, den Grünen Strahl 
mehrere Minuten lang verfolgen, weil er sich sehr schnell parallel zu dem Berg- 
rücken bewegte, der sich in der Bewegungsrichtumg des Beobachters etwas senkte, 
so daß für ihn der Sonnenoberrand lingere Zeit den Bergrücken berührte, 
(Diesen Versuch habe ich auch einmal gemacht, Es stand mir aber kein weit 
entfernter Berg zur Verfügung, sondern nur Dächer in einer Entfermung‘ von 
stwa. 1500 Metern, Es gelang mir wohl, das Tangieren des Oberrandes eine Zeit- 
lang zu bewerkstelligen, aber der Grüne Strahl wollte nicht kommen; wahrschein- 
lich waren. die Dächer nicht weit genug entfernt, Allerdings änderte sieh das 
Rötliche der Sonne in ein krasses Gelb.) Dann berichtet Kellen noch, daß der 
Grüne Strahl auch bei Venusuntergängen beobachtet wurde, was mir noch nicht 
glückte,. Zum Schluß ein Wort zur Erklärung des Phänomens, Die Annahme, 
der Grüne Strahl sei nur eine optische Täuschung, gilt als widerlegt. Aber die
	        
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