267
nach dem Magnetkompaß (RM) steuerte. Die 30 Abweichungen einer Viertel-
stunde wurden ohne Rücksicht auf das Vorzeichen gemittelt und die so er-
haltenen Mittelabweichungen in folgender Häufigkeitstabelle zusammengestellt,
— 3 = Auf der ersten Reise wurde mit Dampf-
Me | Erste Reise Zweite Reise steuermaschine und Telemotor gesteuert,
Pac a $ auf der zweiten mit einer hydraulisch-
‚yeichung LAG | RG; RM: AG I RG elektrischen Steuermaschine.“ 7
Die Tabelle gibt an, wie oft jede Mittel-
abweichung bestimmter Größe bei den ver-
schiedenen Steuerarten gefunden wurde,
und wie groß der Fehler im Mittel aus
allen Beobachtungen war.
Hiernach erscheint der mittlere Fehler
des Selbststeurers auf der zweiten Reise
ebenso groß, auf der ersten 1!/mal so
groß wie der des Rudergängers am Kreisel-
kompaß und kaum. 15%, kleiner als der
des Rudergängers am Magnetkompaß.
Dies Ergebnis weicht stark von dem
Urteil ab, das ich nach Beobachtungen der
Reichsmarine im Nautikus für 1923 ab-
gegeben hatte, wonach der Selbssteurer
einen geraden Kurs wesentlich genauer als
ein Rudergänger nach dem Kreiselkompaß
einhielt. Es wurde damals z.B. bei 10 Minuten
Kurshalten als Mittel aus den maximalen
Abweichungen vom Kurse gefunden für
AG 0,55°, für RG 0.95°, Ich bin kein ein-
seitiger Anpreiser des Selbststeurers, sondern
befürworte eine sachgemäße Untersuchung
seiner Leistungsfähigkeit. Ich halte es
deshalb auch für gut, daß Herr Galle auf gewisse propagandistische Auswüchse
hingewiesen hat, wo in unzutreffender Weise nicht ausreichend untersuchte Tat-
sachen ohne weiteres zugunsten des Selbststeurers oder des Kreiselkompasses und
zur Herabsetzung des Magnetkompasses ausgelegt werden. Auch Herrn Gall&s
Ansicht, daß Kreiselkompaß und Magnetkompaß einander nicht ersetzen sondern
ergänzen sollen, ist wohl schon von allen maßgebenden Stellen in Deutschland
vertreten worden,
Um aber zur Aufklärung der verschiedenen Beurteilung des Selbst-
steurers im Nautikus und in De Zee beizutragen, sei auf folgendes aufmerksam
gemacht:
1. Beobachtung eines periodischen Vorgangs nach gleichen Zeit-
intervallen kann zu sehr unrichtigen Mittelwerten führen, je nach den Perioden
des Vorgangs und den Perioden der Beobachtung. Nimmt man für die Kurs-
abweichungen z. B. einen sinusförmigen Verlauf an, so erhält man bei gleichen
Höchstausschlägen ganz verschiedene Mittelwerte, je nachdem wieviel Perioden in
der Viertelstunde liegen und wann man zu zählen anfängt. Fallen z. B 15 Halb-
wellen der Kursänderung in die Viertelstunde und die erste der 30 Ablesungen
30 Sekunden nach einem Durchgang durch die Kurslinie, so findet man als
Mittelabweichung 0.50 der Maximalabweichung; läge die erste Ablesung aber
15 Sekunden früher, so fände man 0.71 statt 0.50. Und fallen statt 15 Halb-
wellen in die Viertelstunde 13 oder 17 und die erste Ablesung ist wieder 30 Se-
kunden nach einem Durchgang durch die Kurslinie, so findet man bei dem
gleichen Höchstausschlag als Mittelabweichung 0.64 der Höchstabweichung. Ab-
lesung aller Höchstausschläge führt also eher zu einer Vergleichbarkeit als
Ablesung nach gleichen Zeitintervallen, solange so wenige Perioden des Vorgangs
in die Beobachtungszeit fallen. In der Tat ist das Schiff bei den mitgeteilten
Beobachtungen in der Viertelstunde nur 13 bis 19mal durch die Kurslinie ge-
Mm oO