43
Zweites Köppen-Heft. der Annalen der AU -drographie uam. 1936,
Tropikluft aus der Region des Ostpassats als wärmste; gealterte, um das atlan-
‚sche Hoch aus Ost zurückkehrende Polarluft („Übergangsluft“) als kältere; um
das festländische Hoch südwärts strömende Polarlhuft als kälteste, |
Für einen solchen Treffpunkt habe
leh den. Ausdruck „Dreimasseneck“ ein-
geführt®), Eine derartige Massenanord-
ang‘ ist außerordentlich günstig für
das Zustandekommen eines divergenten
Druck- und Strömungsfeldes in der Höhe,
Man kann sich das leicht klarmachen,
indem man bedenkt, daß bei Vernach-
lässigung“ des Bodendruckfeldes die Höhen-
strömung Irontparallel — mit der wärnie-
ren Luft zur Rechten — verläuft: Dann
entspricht der Frontengabel am Dreimassen-
sck eine Gabelung, d.h. Divergenz, der
Lauftströmung in der Höhe,
= Nach der Scherhagschen Divergenz-
theorie der Zyklonen®) erscheint also die
Zyklonenbildung in der Nähe eines Drei-
nasseneCks plausibel, Da. die Hauptfront
ader -Irontalzone (stärkster Temperatur-
zegensatßz) in unsern Falle gewöhnlich
_ #wischen Tropiklofit und Polarluft bestehen
wird, liegt das Delta der Frontalzone®) zwischen der Frontengabel, in der
„Übergangsluft“ — und dort hinein. geht dann normalerweise die Bahn der
Zyklone (vgl. die Figur 1 im Text!) SE
Da bei der skizzierten. Vorstellung von. der Zyklonenbildung das Höhen-
äruckfeld maßgeblich ist und da es sich bei dem Prozeß des Druckfalls um eine
Feldwirkung handelt, so ist es zu seinem Zustandekommen nicht nötig, daß
wirklich ein Treffpunkt von zwei Fronten vorliegt, Es kann z. B, die eine
Front — gewöhnlich wird es die zwischen Tropikluft und Übergangslaft sein —
diffus als Frontalzone in Richtung auf die zweite enden, oder die Fronten
brauchen sich nur erst weitgehend angenähert, aber noch nicht erreicht zw
haben. Für die beschriebene zyklogenetische Wirkung genügt es, daß die er-
wähnte Massenanorduung und damit das divergente Druckfeld in der Höhe vor-
handen. ist42), ,
Das Zustandekommen des subtropischen Dreimassenecks erscheint insbesondere
für die plötzlichen Starmtiefbildungen der Roßbreiten von Bedeutung, wobei
solche Zyklogenesen nicht nur über dem Golfstromgebiet, sondern auch über
dem mittleren und östlichen Teil. des subtropischen Nordatlantischen Ozeans
vorkommen, Wenn die Zyklonenbildungen bzw, -vertiefungen in dem Nordamerika
benachbarten Nordatlantik häufiger sind, so wohl deshalb, weil schon nach der
mittleren Luftdruckverteilung die Bedingungen dafür hier am günstigsten sind
and. weil ferner die horizontalen Temperaturgepensätze der Massen hier am
stärksten werden können. Vielleicht besteht aber außer der Häufungsstelle sub-
tropischer Zyklogenesen östlich Nordamerika eine sekundäre etwa über der Mitte
des Nordatlantischen. Ozeans, südwestlich der Azoren, Für den. Nordpazifischen
Ozean habe ich eine solche in einer demnächst erscheinenden Arbeit nachgewiesen.
Hier sell — an Hand des 4, Quartalsheftes, Jahrg. XXI der Tägl. Synopt.
Wetterkarten für den. Nordatlantischen Ozean („Hoffmeyerkarten“) — die Lebens-
geschichte eines Oktobertiefs südlich der Mittelbreiten daraufhin untersucht
werden, wie seine Fluktiuationen and. sein Schließlich machtvoller Baum- und
EP
—_ *) Martin Rodewald, Die Entstehungsbedingungen der tropischen. Orkane, Met, Zeitschrift
1936, Heft. 6, 5.10%. — *) BB, Scherhag, Bemerkungen zur Divergenztheorle der Zyklonen, Met,
Zeitschrift 1936, &. 84 bis 90, — %j Vgl. dazu Martin Rodewald, Die nordatlantische Lufttempe-
raturverteilung vor Entstehung einer Janglebigen Oktober-Sturmzyklone 4uf dem 50, Breitenkreis,
Ann. €, Hydr. 1936, 5. 264 bis 266, — 1) Vgl. Wettersküzze Nr, 9, Ann. x, Hydıy 1056, S, 411,