Sverdrup, H. U: Das maritime Verdunstungsproblem,
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geleiteten stehen. Die Berechnung gibt etwas größere Verdunstung im nörd-
lichen Passatgebiet und etwas kleinere im Stillengebiet; aber sonst verlaufen
die Kurven parallel, Ferner sieht man, daß man mit einer Dicke der laminaren
Grenzschicht von 0.13 cm eine beinahe vollständige Übereinstimmung zwischen
den berechneten und den beobachteten Verdunstungshöhen erhalten würde.
Der Wert 4z= 0.13 cm ist gerade derjenige, der aus den Beobachtungen auf
Spitzbergen abgeleitet wurde. Darauf darf man indes kein zu großes Gewicht
legen, denn die berechneten Verdunstungshöhen hängen auch ab von dem
Rauhigkeitsmaß zo und von den angenommenen Meßhöhen. Da auch diese
Größen unsicher sind, da ferner die notwendigen meteorologischen Daten auch
nicht hinreichend bekannt sind, und da endlich die Reduktion der den. mittleren
Windgeschwindigkeiten entsprechenden Verdunstungswerte geschätzt ist, müssen
wir auf eine genauere Berechnung der Verdunstung‘ verzichten. Es war aber
nicht die Absicht, eine solche Berechnung durchzuführen, sondern zu zeigen,
daß man auf theoretischer Grundlage eine Verdunstungsformel ableiten
kann, die zu einer weitgehenden Übereinstimmung mit empirischen
Ergebnissen führt. Gleichzeitig hoffen wir, daß die bier dargelegten An-
schauungen zu Beobachtungen anregen mögen, aus der das Raubigkeitsmaß und
die Dicke der Laminarschicht unter verschiedenen Verhältnissen bestimmt werden
können.
Schwankungen des Kaspischen Meeres.
Von W. Köppen.
Da das Kaspische Meer abflußlos ist und dabei die Abflüsse eines weiten
Landgebiets aufnimmt, unterliegt sein Wasserspiegel großen Höhenschwankungen,
die durch Anderungen der Fahrwassertiefen, Verschwinden und Wiederauftauchen
von Inseln, Überflutungen an Küstenorten und seit 1830 auch durch Pegel-
messungen kenntlich werden. Über diese Änderungen liegt bereits eine ganze
Literatur vor. Die neueste Untersuchung stammt yon L. S. Berg, Universitäts-
professor in Leningrad!). Für deutsche Leser wird es besonders interessant sein
zu wissen, inwieweit seine Ergebnisse diejenigen in Ed. Brückners „Klima-
schwankungen seit 1700“ bestätigen oder widerlegen, Das festzustellen, ist nicht
ganz leicht, weil Prof. Berg an keiner Stelle, außer im Literaturverzeichnis, die
ähnlich eingehende Arbeit von Brückner erwähnt und beide ihr Interesse teil-
weise verschiedenen Punkten zuwandten.
Zuvörderst stellt Berg fest, daß in historischen Zeiten der Spiegel des
Kaspischen Meeres sich wahrscheinlich nie mehr als 5 m. über den jetzigen Stand
gehoben habe. Das wird bewiesen durch die Verbreitung der Muschelreste von
Cardium edule und läßt sich auch mit den Nachrichten von alten Schriftstellern
in Übereinstimmung setzen, Die Angaben, daß das Meer 12, ja selbst mehr als
40 m höher gestanden habe, führt Berg auf falsche Deutung jener Nachrichten
zurück,
Die wichtigste, sehr merkwürdige und von Berg und Brückner überein-
stimmend als gesichert angesehene Tatsache scheint mir die zu sein, daß das
Meer etwa von 1740 bis 1814 dauernd um 2 bis 4 m höher gestanden hat, als
1925, und mindestens um 1'/, m höher als 1714 bis 30 sowie seit 1822 bis jetzt.
Ebenso niedrig hat es, nach Berg, 1556 bis 1580 gestanden, Seit 1925 hat sich
sein. Stand bei Baku bis 1930 wieder um !/, m gehoben.
Die Pegelbeobachtungen von Baku aus den Jahren 1837 bis 1856 galten als
verloren, sind. aber jetzt im dortigen Zollamt von A. Michalewskij aufgefunden
worden. Die folgende Tabelle ergibt die Jahresdurchschnitte in Zentimetern über
dem Nullpunkt des Pegels von 1920 zu Baku; dieser liegt 28,83 m unter dem
Spiegel des Sehwarzen Meeres. Der mittlere Wasserstand des Kaspischen Meeres
1y IL. ©& Berg: Wasserstand des Kaspischen Meeres in historischer Zeit, Sonderabdrück aus:
„Problemy fisitscheskoj geografii“, 1934, I1=—58 5, russischer Text, drei Seiten französ, Resume und drei
Seiten Literaturverzeichnis, Mit vier Faesimilekarten und fünf Textfiouren.