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Full text: 64, 1936

Sverdrup, H. U: Das maritime Verdunstungsproblem, 
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geleiteten stehen. Die Berechnung gibt etwas größere Verdunstung im nörd- 
lichen Passatgebiet und etwas kleinere im Stillengebiet; aber sonst verlaufen 
die Kurven parallel, Ferner sieht man, daß man mit einer Dicke der laminaren 
Grenzschicht von 0.13 cm eine beinahe vollständige Übereinstimmung zwischen 
den berechneten und den beobachteten Verdunstungshöhen erhalten würde. 
Der Wert 4z= 0.13 cm ist gerade derjenige, der aus den Beobachtungen auf 
Spitzbergen abgeleitet wurde. Darauf darf man indes kein zu großes Gewicht 
legen, denn die berechneten Verdunstungshöhen hängen auch ab von dem 
Rauhigkeitsmaß zo und von den angenommenen Meßhöhen. Da auch diese 
Größen unsicher sind, da ferner die notwendigen meteorologischen Daten auch 
nicht hinreichend bekannt sind, und da endlich die Reduktion der den. mittleren 
Windgeschwindigkeiten entsprechenden Verdunstungswerte geschätzt ist, müssen 
wir auf eine genauere Berechnung der Verdunstung‘ verzichten. Es war aber 
nicht die Absicht, eine solche Berechnung durchzuführen, sondern zu zeigen, 
daß man auf theoretischer Grundlage eine Verdunstungsformel ableiten 
kann, die zu einer weitgehenden Übereinstimmung mit empirischen 
Ergebnissen führt. Gleichzeitig hoffen wir, daß die bier dargelegten An- 
schauungen zu Beobachtungen anregen mögen, aus der das Raubigkeitsmaß und 
die Dicke der Laminarschicht unter verschiedenen Verhältnissen bestimmt werden 
können. 
Schwankungen des Kaspischen Meeres. 
Von W. Köppen. 
Da das Kaspische Meer abflußlos ist und dabei die Abflüsse eines weiten 
Landgebiets aufnimmt, unterliegt sein Wasserspiegel großen Höhenschwankungen, 
die durch Anderungen der Fahrwassertiefen, Verschwinden und Wiederauftauchen 
von Inseln, Überflutungen an Küstenorten und seit 1830 auch durch Pegel- 
messungen kenntlich werden. Über diese Änderungen liegt bereits eine ganze 
Literatur vor. Die neueste Untersuchung stammt yon L. S. Berg, Universitäts- 
professor in Leningrad!). Für deutsche Leser wird es besonders interessant sein 
zu wissen, inwieweit seine Ergebnisse diejenigen in Ed. Brückners „Klima- 
schwankungen seit 1700“ bestätigen oder widerlegen, Das festzustellen, ist nicht 
ganz leicht, weil Prof. Berg an keiner Stelle, außer im Literaturverzeichnis, die 
ähnlich eingehende Arbeit von Brückner erwähnt und beide ihr Interesse teil- 
weise verschiedenen Punkten zuwandten. 
Zuvörderst stellt Berg fest, daß in historischen Zeiten der Spiegel des 
Kaspischen Meeres sich wahrscheinlich nie mehr als 5 m. über den jetzigen Stand 
gehoben habe. Das wird bewiesen durch die Verbreitung der Muschelreste von 
Cardium edule und läßt sich auch mit den Nachrichten von alten Schriftstellern 
in Übereinstimmung setzen, Die Angaben, daß das Meer 12, ja selbst mehr als 
40 m höher gestanden habe, führt Berg auf falsche Deutung jener Nachrichten 
zurück, 
Die wichtigste, sehr merkwürdige und von Berg und Brückner überein- 
stimmend als gesichert angesehene Tatsache scheint mir die zu sein, daß das 
Meer etwa von 1740 bis 1814 dauernd um 2 bis 4 m höher gestanden hat, als 
1925, und mindestens um 1'/, m höher als 1714 bis 30 sowie seit 1822 bis jetzt. 
Ebenso niedrig hat es, nach Berg, 1556 bis 1580 gestanden, Seit 1925 hat sich 
sein. Stand bei Baku bis 1930 wieder um !/, m gehoben. 
Die Pegelbeobachtungen von Baku aus den Jahren 1837 bis 1856 galten als 
verloren, sind. aber jetzt im dortigen Zollamt von A. Michalewskij aufgefunden 
worden. Die folgende Tabelle ergibt die Jahresdurchschnitte in Zentimetern über 
dem Nullpunkt des Pegels von 1920 zu Baku; dieser liegt 28,83 m unter dem 
Spiegel des Sehwarzen Meeres. Der mittlere Wasserstand des Kaspischen Meeres 
1y IL. ©& Berg: Wasserstand des Kaspischen Meeres in historischer Zeit, Sonderabdrück aus: 
„Problemy fisitscheskoj geografii“, 1934, I1=—58 5, russischer Text, drei Seiten französ, Resume und drei 
Seiten Literaturverzeichnis, Mit vier Faesimilekarten und fünf Textfiouren.
	        
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