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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1936.
Wir haben also nun noch die Größe der mözlichen täglichen Änderungen
4ö und Az zu. untersuchen. Die stärkste Deklin ationsänderung der Sonne findet
zur Zeit der Aquinoktien statt, wo die tägliche Änderung Ad den Betrag von
0.4° erreicht (entsprechend. 1.6 Zeitminuten);z hirıgegen verschwindet die Deklina-
tionsänderung der Sonne zur Zeit der Solstitien. Man sieht also, daß eine starke
Abhängigkeit der Anderung der Auf- und Übergangszeiten von der Jahreszeit
vorhanden sein wird,
Die täglichen Anderungen der Zeitgleichung Az spielen dem gegenüber eine
untergeordnete Rolle, da sie kleiner bleiben und im Maximum, am 21. Dezember,
einen. Betrag von 0.5m erreichen.
In der beigefügten Figur sind die täglichen Änderungen der Sonnen-
deklination und der Zeitgleichung graphisch dargestellt, um ein anschauliches
Bild zu vermitteln und um für die Praxis die maximalen Werte entnehmen zu können.
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Tägliche Änderung der Sonnendeklination (45 = —) und der Zeitgleichung (4% = as
Beachter man nun, daß die Sonne nach Ablauf eines tropischen Jahres
— 365-2422 Tagen unter Berücksichtigung der Präzession nahezu wieder den
gleichen Ort am Himmel erreicht, so sieht man, daß von Jahr zu Jahr die Örter
der Sonne sich um etwa !/, Tag verschieben. Durch Einschalten des Schalttages
alle vier Jahre trägt der gregorianische Kalender der wahren Sonnenbewegung
Rechnung, Ohne auf die Einzelheiten der Sonnenbewegung und der Kalender-
rechnung hier näher eingehen zu. wollen, folgt daraus, daß die Sonnenörter des
gleichen Datums zweier beliebiger Jahre sich um höchstens -& einen Tag unter-
scheiden können. Die oben in unserer Figur gegebenen Werte von A606 und Az
sind also als maximal mögliche Werte anzusehen, Will man diese Verschiebung
genauer kennen, so benutze man die Tafeln des dies reduktus in den astrono-
mischen Büchern‘).
Bei der praktischen Anwendung auf die Sonnenauf- und Untergänge kann man
zwei Fälle unterscheiden, |
a) Die Zeiten des Auf- und Unterganges sind aus einem astronomischen
Kalender oder Jahrbuch berechnet oder auch aus dem Büchlein „Wann
geht die Sonne auf und unter?“ entnommen, Für alle andern Jahre er-
geben sich die maximalen Änderungen, wenn man aus obiger Tabelle den
Koeffizienten k sowie aus der Figur die Werte von Ad und Az entnimmt
und nach Formel (8) ausrechnet, Man bekommt dann die größte mögliche
Abweichung, die in seltenen Fällen überhaupt erreicht werden wird. Zur
Erläuterung sei noch ein Beispiel für #= 50° (Frankfurt a. M.) gegeben,
Tafal
Datum
AS
A:
Am )
Aufgang | Untergang
. za | m m
41.19 | 4+188 22 1.6
119 / 186 | 15 22
+ 1.65 000 | 05 05
März 21...
Sept. 22.007 |
Dez, 28...
A, Aal
4.0395 , —030
- 0389 | —0.35
9600 | 2030
Hat man dagegen für ein bestimmtes Jahr mit der Mittagsdeklination
der Sonne aus einer Tafel wie z. B. den „Smithsonian Meteorological
+ Siehe z. B. Bauschinger-Stracke: Tafeln zur theoretischen Astronomie, 2, Auflage 1934,
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