516 Annalen der Hydrograplüe und Maritimen Meteorologie, Dezember 1936.
der Zugstraße I und VIa in die nördlichen Teile der gemäßigten Zone und in das
Polargebiet im Bereiche der nordatlantischen Zirkulation geführt (vgl. S. 515,
Anm, 3). |
Die langjährigen Wintertemperaturschwankungen in diesen Gebieten können
somit nur verursacht sein durch die entsprechenden Schwankungen der Intensität
der !/,jährigen Zirkulation, wenn der Temperaturgang nicht durch Strahlungs-
einflüsse gestört ist. Auch die jährlichen Änderungen der Frühjahrstemperatüren
gehen auf gleichsinnige Stärkeschwankungen. der */jährigen Zirkulation zurück,
Ein Vergleich der Temperaturkurven von Bodö (67° N-Br. 12° Ö-Lg.) für
Dezember-— Januar und Februar—März, April—Mai (für je 2 Jahre) und für die
zweijährigen Mittel der Temperatur mit der Amplitudenkurve von Marseille
(43° N-Br. 5° O-Lg.} bestätigt diese Schlußfolge (s, Fig. 7). Die Amplituden von
Madeira. haben fast den gleichen Verlauf wie die von Marseille, r„ stellt die
Mittelwerte der Amplituden von Madeira und Marseille dar.
B.J. Birkeland machte auf den eigenartigen Gang der Temperatur auf
Spitzbergen (Green Harbour) aufmerksam (s, Met, Z, 1930, S. 234). Von 1920 bis
1926 kommen dort nur wenige negative Abweichungen der einzelnen Monats-
mittel vom 15jährigen Mittel vor, während von 1912 bis 1919 die Abweichungen
fast nur negativ sind. Die sorgfältige Prüfung des Genauigkeitsgrades der be-
obachteten Werte und die Anwendung des Abbeeschen Kriteriums veranlassen
Birkeland, diese „einzigartigen Variationen“ der Temperatur als reell und nicht
durch den Zufall bedingt zu betrachten, Die Ursache dafür kann, wie man Aus
Fig. 8 ersieht, nur in den Veränderungen der 7/,jährigen Zirkulation gesucht
werden, die sich in den. Schwankungen der Amplituden (r) von Madeira (Azorer-
hoch!) deutlich ausprägen. Die ursächliche Verknüpfung ist die gleiche wie
diejenige zwischen. den Temperaturen von Bodö und den Amplituden von
Marseille*),
Die Temperaturmittel von Bodö für Dezember — Januar und Februar — März
(je 4 Jahre} verlaufen auch im großen und ganzen wie die Amplituden von
Haparanda (&. Fig: 9, r [H). Der Gang der Amplituden aber stimmt ungefähr
überein mit dem Gang der Sonnenfleckenrelativzahlen (So). Der Korrelations-
koeffizient zwischen den 5jährigen Mitteln der Amplituden für je ein Jahr
einerseits und den 5jährigen Temperaturmitteln der Tropen bzw, den Sonnen-
fMeckenrelativgahlen für je 5 Jahre anderseits ist r=-0,71 7170.13 (1876 bis
1910) bzw. r == 0.25 + 0.18 (1861 bis 1920). Berechnet man den Korrelations-
koeffizienten. zwischen Amplituden und Sonnenflecken nur für die 9 Werte von
1876 bis 1920, so wird r = 0.78 4- 11%,
Die erörterten Beziehungen fügen sich zwanglos ein in die von Mecking und
anschließend an dessen Untersuchung von Droste für die 11jährige Temperatur-
periode auf der Nordhalbkugel mit Hilfe des „Periodeneffekts“ aufgedeckten
jahreszeitlichen und regionalen Gesetzmäßigkeiten (2, ı; vgl. a. 8), Den Perioden-
effekt definierte Mecking als die Differenz der Temperaturmittel aller Minimal-
und Maximalepochen. Er ist negativ, wenn die Temperatur beim Sonnenflecken-
maximum höher liegt als beim Fleckenminimum ; im anderen Falle ist er positiv.
Da die regionalen und zeitlichen Wandlungen zwischen Sonnenflecken und Ampli-
tuden. noch nicht genügend geklärt sind, sollen nur einige Hinweise gegeben
werden,
Über Skandinavien liegt in Übereinstimmung mit unserem Ergebnisse (siehe
Fig, 9) ein Gebiet mit negativem Periodeneffekt im Dezember — Januar, das sich
über Nordwestrußland und dem Weißen Meere fortsetzt., Diese Gebiete gehören
einem einheitlichen Schwingungsbereiche der 21/,jährigen Welle an (vgl. S. 515,
Anm. 3). In Mittel- und Südrußland kehrt sich offenbar das Verhältnis der
Amplituden zu den Sonnenflecken um (&. Fig. 8 in Anm, 1, S, 510; Perm, Surgut;
auch Tiflis gehört dazu!) Dementsprechend wird dort der Periodeneffekt positir.
) Vgl, auch R. Scherhag\ Eine bemerkenswerte Klimaänderung: über Nordeuropa, d. Ztschr.
1936, H. 3, S. 96, und F. Reuter, Die atmosphärische Luftzirkulation in Beziehung zu den Schwan-
kungen der ozeanischen Zirkulation und des Eısvorkommens bei Island und Neufundland, d. Ztschr.
1936, H, 7, 6.266. — 2) Vgl. auch Johansson, ©. V.: Die Temperaturverhältnisse Spitzbergens,
d. Zischr. 1936, H. 3, S. SCH,