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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 64 (1936)

492 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1936. 
Dekametern eine mittlere. Temperaturdifferenz von 1° entspricht, so sicht man, 
daß die Mitfelfemperatur der unteren. Atmosphärenhälfte am 9, und 10, März über 
Hamburg etwa 18° bis 19° niedriger war als über München, 
Und was hat der Bodendruck während dieser Zeit gemacht? Bis zum 7, März 
war der Luftdruck in. München etwa 10 mbar (entsprechend einem Unterschied 
von acht Dekametern in der absoluten Topographie der 1000 mbar-Fläche) tiefer 
gesunken als über Hamburg, und. dann, mit der entscheidenden Vergröße- 
rung des Temperaturgegensatzes, wurde die Druckdifferenz immer 
geringer und verschwand ausgerechnet am Tage des größten Tempe- 
raturuntierschiedes vollkommen, 
Die in Abb, 2 eingezeichneten horizontalen Linien geben die mittlere Diffe- 
renz der absoluten bzw. relativen Topographie zwischen München und Hamburg‘ 
wieder, die am Boden im März etwa 3.5 Dekameter beträgt, Legt man diesen 
Wert zugrunde, so war dieses normale südnördliche Druckgefälle am 10. März 
nicht einmal um 4 mbar verringert! 
Wir sehen: Eine der stärksten Frontalzonen, die je über Deutsch- 
Jand gelegen haben, ist im Bodendruckfeld zunächst von einem voll 
ständigen Ausgleich der Druckgegensätze begleitet, und dement- 
sprechend wirkt sich die Frontalzone zunächst nur durch einen 
enormen Druckgegensaiz In der Höhe aus. 
Wie gering der Druckgegensatz am Boden. innerhalb der Frontalzone am 
10, März 1931 war, geht weiter aus Abb. 83 hervor, worin die dünn gestrichelten 
Linien die Druckverteilung am Boden am Abend. (19 Uhr) dieses Tages darstellen. 
Zu dieser Zeit erstreckt sich eine flache Tiefdrnekrinne vom Löwengolf über 
Österreich und. die Ostsee nach Südschweden, Hamburg hat den gleichen Luft- 
druck wie München, 
Zu diesem Zeitpunkt hat die Kaltluft, die am Morgen über Darmstadt be- 
reits eine Höhe von 2500 m aufwies, München schon erreicht, während auf der 
Zugspitze innerhalb der Warmluft erst ein. ganz geringer Temperaturrückgang 
von dem Höchstwert von — 4° auf — 6° bei SSE-Wind Stärke 7 eingetreten war. 
Die Stelle schärfsten Temperaturgegensafzes konzentriert sich jetzt 
unter Einwirkung der Geländegestaltung auf den Nordestrand der 
Alpen und ergibf damit die typische Vorbedingung der Entstehung 
einer Vb-Sturmdepression über dem Ostseegebiet. 
Tatsächlich. begann zu diesem Zeitpunkt eine rapide Druckabnahme über 
der Ostsee, die, wie die fetten Linien in. Abb. 8 zeigen, innerhalb von 36 Stunden 
über der nördlichen Östsee fast 30 mb erreichte und fast ganz Skandinavien um- 
faßte. Im Zentrum des dort entstandenen Sturmtiefs nahm der Luftdruck am 
12, März unter 975 mbar ab, und in einem Gebiet von mehr als 1000 km Durch- 
messer entwickelten sich steife bis stürmische Winde. 
Als Energiequelle diente der vorher über der Frontalzone vorhandene Höhen- 
sturm, und mit der Entstehung des Tiefs wird die Frontalzone dementsprechend 
vollständig zerstört. Dies zeigen ebenso deutlich die Abb, 1 und 2, woran man 
studieren kann, wie sich der Druckgegensatz in der Höhe zwischen Süd- und Nord- 
dentschland. vom 10. März an vermindert, obwohl am Boden erst jetzt bei der 
Entstehung des Sturmtiefs ein. entsprechendes Druckgefälle zustande kommt. 
Was die Theorie erwarten Jäßt: die Entstehung eines umfangreichen Sturm- 
tiefs aus dem frontalen Druckgepgensatz in der Höhe, ist in vollem Maße bei dieser 
ainzigartigen. Frontalzone eingetreten. Es bleiben jetzt noch einige Worte darüber 
zu sagen, wie, die Frontalzone überhaupt entstanden. ist. 
Am 7. März erfolgte gleichzeitig auf der Südseite einer von der Biskaya 
nach Oberitalien verlaufenden. Tiefdruckrinne ein Warmluftyorstoß und von der 
Südostflanke eines Nordmeerhöchs ein intensiver Kaltlufteinbruch in südwest- 
licher Richtung. Wie nun die beiden Luftkörper bei der ständigen Verringerung 
des Druckgegensatzes im Gleichgewicht zuersi so ungestört nebeneinander lNegen- 
bleiben konnten, ist eine Fragestellung von fundamentaler Bedeutung, die wir 
aber hier nicht in Angriff nehmen wollen. Soviel ist aber klar: Die Margulessche 
Formel für die Grenzflächenneigung ist dabei völlig ilusorisch, dem sie stellt ja
	        
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