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Volltext: 64, 1936

490 Anzialen der Hydrographie und Maritimex Mleteorologie, November 1936, 
Nordfrankreich, Da sich die Karte der absoluten Topographie aber auf der graphischen ‚Addition 
der Bodeudmieckrerteilung‘ und der relativen Topographie der 500- über der 1000 mbar-Fläche —= deren 
Verlauf in Abb. 1 gleichfalls reproduzieit jat — aufbaut, sind wesentliche Fehler bei der Zeichnung: 
der absoluten Topographie nicht möglich, zumal man für den Verlauf der velativen Topographie iu 
den nicht belegten Räumen noch einen Anhalt ans der Luft rmassenverteilung und der Frontenlage hat, 
Und gerade in bezug auf die Frontenlage ergibt sich. das erfrenliche. Ergebnis, das die meisten 
Wetlierkarten die maßgebenden Fronten des englischen. Tiefs vollständig übereinstimmend 
gezeichnet. haben; Die Lage der Warm- und Kalıfront — on München nach Südengland bzw, von 
hier zur nördlichen Biskaya verlaufend — stimmt in den Wetterberichten von Oslo [Refsdal4)), 
Londom and. Köln (Wegeleben) mit meiner Auffassung FO1llkormen und mit den meisten deutschen 
Weitterberichten {z, B. München, Magdeburg) wenlgsiehS Anıgenähert überein, wesentlich abweichend 
ist hayptsächlich die Auffassung von Breslau (Schinze), wo auffallenderweise zwei verschiedene 
Tiefldruckkerne und entsprechend zwei teilweise okkludierte. Fronten, gezeichnet wurden. Diese stark 
abweichende Analyse. ist. wohl vor allem durch die Verteilung der Hydrometeore bedingt und durch 
die theoretische Vorstellung, daß innerhalb des Warmsek:tors stärkerer Regen unmöglich sel, eine 
Anschauung, der ich nicht zusiimmen kann, Zumal ich glaube, daß die Entstehung des umfang- 
zeichen. Nicderschlagsgebietzs zum großen Teil überhaupt mit der Höhendivergenz zusammenhängt 
und. das Ergebnis des vertikalen Kompensationsstromes darstellt. Auf jeden. Fall scheint e& mir 
nicht angebracht, theoretische Vorstellungen über die Niederschlapsentstehung: von vornherein als 
richtung weisend für die gesamte Kartenanalyse zu postulieren, Da der 15, Juli ein Internationaler 
serologischer Tag war, kann man hoffen, daß das aerologische Material später noch durch zahlreiche 
Registrierballonaufstiege, höffentlich auch von Trappes, vermehrt wird und die dreidimensionale Analyse 
danıy noch vollständiger durchgeführt werden kann, An der ausgeprägten. Höhendivergenz über dem 
Ostseegebiet ist. auf jeden. Fall kein Zweifel möglich, ı 
Es ergibt sich. also aus der aerologischen. Betrachtung eine zu erwartende 
weitere Vertiefung‘ des englischen Tiefs, und ebenso vermag die Höhenkarte 
Auskunft: über die Zugrichtung zu geben. In Abb, 2 gibt von den beiden ge- 
strichelten Linien die obere die Bahn des Tiefdruckzentrums und die südlichere 
Jiejenige der Zone stärksten Druckfalls wieder, und. wir gehen, daß das Tief 
vom 15, Juli 8 bis 1% Uhr genau der Isopotentiale 540 und das Fallgebiet der- 
jenigen. von. 544. Dekameter folgte, Bei der Aufstellung der Prognose an jenem 
Morgen ließ sich aus den gerade einlaufenden. Höhenmeldungen natürlich erst 
zine rohe Andeutung der Zugricehtung zeichnen, / | 
In der Nacht zum 16. Juli schwenkt das Fallgebiet, der Höhenisobare folgend, 
ebenfalls nordwärts und liegt am 17, um 8 Uhr eiwas nordwestlich von Stockholm; 
zugleich bildet sich aber ein neues Fallgebiet über dem Baltikum aus, das 
bald das maßgebende wird. Damit verläßt der Tiefdruckkern etwa um Mitter- 
nacht die ihm morgens durch die Höhenströmung vorgeschriebene Balın, schwenkt 
nicht nach Norden um, sondern. setzt seinen Nordostkurs fort. 
Diese Tatsache ist von wesentlicher Bedeutung gerade jetzt, wo man der 
Beziehung zwischen der Höhenströmung und der Zugrichtung der Depressionen 
allseitig. erhöhte Beachtung schenkt, Zur KErklärung dieses Phänomens ist 
folgendes zu beachten: | | | 
Unsere Höhenkarten haben schon oft gezeigt, daß der Druckfall sich an. 
zyklonalen Umbiegungsstellen der Höhenströmung abschwächt. Diese Erfahrungs- 
regel spricht also bereits dafür, daß nach Norden zu der Druckfall eine Ver- 
ringerung erfahren wird. Für eine weitergehende Erklärung bietet die Divergenz- 
theorie. eine Möglichkeit: Nach ihr ist der Druckfall ein Prozeß, der sich wohl 
mit: der Höhenströmung fortpflanzt, der seine stärkste Intensität jedoch. nicht 
immer auf der gleichen. Höhenisobare einhalten muß, So sehen wir gerade aus 
diesem Beispiel, daß die Zöne größter Divergenz über Südschweden lag 
und genau mit der Lage des Tiefdruckzentrums am nächsten Tage 
zusammenfällt. Diese divergente Form der Höhenisobaren mußte einen 
stärkeren Drückfall über dem Ostseegebiet anstatt über Mittelschweden be 
sünstigen, und auf diese Weise Tolgte das Tiefdruckzentrum dann nicht mehr 
der Höhenströmung, a | | © nn 
Hinzu kommt noch ein dritter Faktor: Es steht fest, daß die Zyklonen 
nar im Jugendstadium die Höhenisobaren genau innehalten; sobald sie höher 
reichen, besteht diese eindeutige Beziehung nicht mehr, Tatsächlich wies das 
Tief am Morgen des 16. aber schon bis mindestens zur Tropopause eine ge- 
:) Wegen der subjektiven Momente, die jeder Wetteranalyse leider immer noch anhaften, erweist 
seh die Unterzeichnung des diensthabenden. Meteorologen als äußerst wertroll]
	        
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