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Full text: 64, 1936

488 © ‚Annalen der Hydrographie und Marktimen Meteorologie, November 1936, 
Gerade in der Zeit zwischen den beiden Monsunen traten die in der Reis- 
fahrt beschäftigten deutschen. Segelschiffe ihre Heimfahrt von. Rangoon und 
Moulmein an. W, Köppen. 
2, Wetterskizzen. Nr. 13: Der mitteleuropäische Sturm vom 15./16, Juli 1936. 
In der Nacht vom. IS. zum 16. Juli 1936 wurden. große Teile Dentschlands und vor allem das 
Gebiet der mittleren Ostsee von einem Büdweststurm betroffen, der während einiger Stunden orkan- 
artigen Charakter annahm: Am 16. Juli um 8 Uhr morgens meldeten ‚Adlergrund-Feuerschiff und 
Swinemünde Windstärke 11. Seit den schweren. Oktoberstürmen vorigen ‚Jahres ist eine solche Wind- 
stärke im Ostseegebiet nicht mehr erreicht worden, und es bestätigt sich wieder einmal, daß die im 
Hochsommer die deutschen Megresgebiete heimsuchenden Stürme hinsichtlich. ihrer Stärke binter den- 
jenigen. des Winters kaum zurückstehen und daß die zuweilen vertretene Auffassung, beim Fehlen 
dr eigentlichen „arktischen Kaltlufi“ könne es keine Sturmwirbel geben, nicht aufrecht erhalten 
werde S 
; Ds Kommt ben. nicht. nur auf die absolute Temperaturdifferenz der an der Sturmtietbildung 
beteiligten Luftmassen an, sondern vor ebenso wesentlicher Bedeutung für die Sturmtiefeotstehung 
ist die vorherige Ausbildung einer genügend langen Frontalzone, Dafür bildet die Vor- 
geschichte dieses Juli-Sturmes ein eindrucksvolles Beispiel, 
Wie man den im „Täglichen Wetterbericht des Deutschen Reichsweiter- 
dienstes“1) veröffentlichten Zirkumpolarkarten entnehmen. kann, erfolgte bereits 
vom 11, bis zum 12, Juli die Herausbildung einer für Europa gefährlichen Frontal- 
zone über dem Nordatlantischen Ozean, als auf der Rückseite eines von Labrador 
nach den Britischen Inseln. gezogenen Tiefs polare Kaltluft auf breiter Front 
südwärts gegen die Nordflanke des stark entwickelten. Azorenhochs gelenkt wurde. 
Am 14. Juli erstreckt sich diese Frontalzone, gleich deutlich im Druck-, Tempe- 
ratur- und Stromfeld markiert, vom Seegebiet südlich Neufundland bis im den 
Raum westlich von Irland, wo sie sich. verliert. 
Dieses „Delta“ der Frontalzone westlich von. Irland, wo die Lultmassenscheide 
bedeutend weniger ausgeprägt ist als über dem nach Südwesten hin angrenzenden 
Abschnitt, auf dem. am 14, die Stelle schärfsten Gegensatzes etwa auf 42° 
Nardbreite und 42° Westlänge gelegen war, bildet den zweiten wesentlichen 
Faktor, der zur Ausbildung des mitteleuropäischen Sturms Veranlassung gab 
und dessen erstes Entwicklungsstadium am 14, Juli bereits eingeleitet ist, 
Es ist nämlich. einer vom westatlantischen Tief ausgehenden zunächst un- 
scheinbaren. „Wellenstörung“ gelungen, an. der Frontalzone entlang in Ihr „Delta“ 
ginzudringen, wo sie auf der Morgenwetterkaärte vom 14, nur undeutlich zu 
erkennen ist, sich aber bereits durch einem 24stündigen Druckfall von etwa 
5 mbar südwestlich von Irland und schon. bis zur irischen. Westküste hin dureh 
einsetzenden. Barometerfall bemerkbar macht, 
Am Mittag des 14, Juli beginnt die Aufröllung der Frontalzöne sich. an- 
zudeuten, und am Abend tritt erstmalig ein. abgeschlossenes Tijefdruckzentrum 
südwestlich von Irland in Erscheinung, Noch ist der Druckfall und die Intensität 
dieses Tiefs aber schwach, 
Die Luftmassenverteilung läßt jedoch bereits erkennen, daß im Bereich. dieses 
Tiefs die Höhendivergenz ein gefährliches Ausmaß annimmt, Denn es war am 
14.Juli bereits ein Vorstoß maritim-polarer Kaltluft nach Westeuropa erfolgt, deren 
Front nun als Warmfront des irischen Tiefs rückläufig wurde, und zugleich drang 
sine neue Staffel kälterer Luft auf der Rückseite des schon mehrere Tage über 
dem Nordteil Großbritanniens gelegenen Zentraltiefs südostwärts vor, was zur 
Ausbildung einer von Rodewald?) als Dreimasseneck bezeichneten Fronten- 
konstellation führte; gealterte maritim-polare Luft auf der Vorderseite des 
irischen Tiefs, echte subtropische Warmluit, die mit großer Geschwindigkeit 
auf der Nordwest- und Nordabdachung des Azorenhochs auf fast geradliniger 
Bahn vom Seegebiet südlich yon Bermuda heraufgeholt wurde, und 
gleichzeitiges Vordringen einer neuen Staffel frischerer Kaltluft westlich 
yon. Schottland. in südöstlicher Richtung. 
Bis zu diesem Zeitpunkt läßt sich eine vorhandene Höhendivergenz lediglich 
aus der Luftmassenverteilung indirekt erschließen, und es beginnt in. der Nacht 
13 Hrsg, won der Deutschen Seewarte, Hambürg. — % M, Rodewald, Die Entstchungs- 
bedingungen der tropischen. Orkane, Meteorolog, Zeitschr. 1936, 8. 197,
	        
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