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Full text: 64, 1936

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Annalen der Hydrographie uud’ Maritimen Met corologie, November 1936, 
Der Luvwinkel (Abtrift) in der Flugnavigation. 
Von P. Perlewitz und 4... Powel, 
Zusammenfassung: Es wird erwiesen, daß eine einheitliche Auffassung‘ der heiden Begriffe 
Abtrift und Lorwinkel nicht besteht, Sie wird dureh eindentige Bezeichnung: bei der Anwendung 
ler Begriffe hergestellt. Es zeigt sich, daß ein Begriff (statt zweier) für eindeutige Erklärung waviga- 
‚orieber Aufgaben genügt und wedm Zeitersparnis vorzuziehen ist. An. den rechnertschen und 
zeichnerischen Beziehupgen im Winddreieck wird. nachgewiesen, daß zwei Begriffa mißverständlich sind. 
} 
Ein Flugzeug wird stets von. zwei Kräften fortbewegt, von der Motorkraft 
in Richtung der Längsachse des Flugzeugs (im Steuerrichtung) und von der 
Windkraft in Richtung des Windes. Vom Luftschiff gilt das Gleiche, Den Wind 
richtig ix Rechnung zu stellen und auszunutzen, ist eine wichtige Aufgabe der 
Navigation im Luftraum. Das kommt besonders für Flüge bei Wettbewerben 
und. im Luftkrieg im Betracht, Aber auch für Verkehrs- und Sportflüge, ein= 
schließlich EBlindflüge, reiner Instrumentflüge, ist die richtige Berücksichtigung 
des: Windes notwendig, wenn man wirtschaftlich fliegen will, | 
In diesem Luftraum hat das Flugzeug eine bestimmte Geschwindigkeit und 
es hält In ihm. in einer geraden Linie dem Steuerkurs ein, Zugleich wird es 
mitsamt dem Luftraum und Steuerkurs gegen den Grumd mehr oder weniger 
seitwärts verschoben. Steuerkurs und Grundkurs bilden also einen 
Winkel, der einerseits Abtrift, andererseits Vorhalte- oder Lurwinkel 
genannt wird, Will man ein bestimmtes Ziel erreichen, so muß man diesen 
Winkel kennen, um den richtigen Steuerkurs einhalten zu können, 
Die Bestimmung dieses Winkels ist vor vornherein nur möglich, wenn der 
Wind nach Richtung und Stärke bekannt istz ist dies nicht der Fall, so muß 
man den richt'gen. Vorhaltewinkel möglichst gleich im Anfang des Fluges zu 
ermitteln suchen, | | 
Als Hilfsmittel bei dieser Winduavigation. verwendet man das Wind- 
Areieck, auch Kursdreieck genannt, in dem sämtliche für die Navigierung 
in Betracht kommenden. Winkel, Strecken und Richtungen enthalten sind, Für 
jede dieser Größen sind klare Definitionen für Flieger und Theoretiker not- 
wendig, Daran mangelt es, a 
Es hat den Anschein, als ob in einigen der erschienenen. Lehrbücher und 
Aufsätze!) eine verschiedene Auffassung der Begriffe Luvwinkel und Abtrift 
besteht. In vielen Arbeiten wird Lurwinkel gleich Abtrift gesetzt, in anderen 
werden Lurwinkel und. Abtrift als voneinander verschiedene Winkel und Begriffe 
aufgefaßt. Im folgenden soll eine Gegenüberstellung der verschiedenen An- 
sichten erfolgen und versucht werden, zu einer Vereinheitlichung beizutragen, 
die ums heute beim Aufbau des Luftwesens und. der Luftwalfe besonders nof- 
wendie erscheint. 
IL. 
In. einem im dieser Zeitschrift erschienenen Aufsatz von Immler, Lit 1, 
Ss. 209%, heißt es: „Es werden die Beziehungen erläutert, die zwischen Luvwinkel 
and Abtrift im Winddreieck bestehen, und (es wird) davor gewarnt, die beiden 
Werte einander gleichzusetzen.“ Man könnte zunächst geneigt sein, diesen 
Worten. zu entnehmen, daß es ein Winddreieck mit den beiden genamten 
Winkeln gäbe, I. zeichnet aber zwei Winddreiecke. Das Zweite befindet sich 
in. anderer Lage als das erste. (Es stellt einen. anderen Flug‘ dar), Man denke 
es sich nun in. derselben Lage wie das erste gezeichnet, d, h. als das Ergänzungs- 
dreieck. zum Parallelogramm (um 180° in. der Zeichenebene gedreht), und so an 
das erste gelegt, daß die Startorte S zusammenfallen. SAB und SA;B; in der 
nebenstehenden Figur stellen. dann. die beiden Dreiecke von I, dar, SB muß mit 
SA, zusammenfallen, da in Is Beispiel der Kömpaßkurs SB im ersten. Dreieck 
zleich dem Kartenkurs (Kurs über Grund) SA, im zweiten ief, 
Immler erklärt nun (Lit, 1, S. 210): „Die Abtrift a ist der Winkel zwischen 6 
(Kigengeschwindigkeit} und w“% das ist zwischen Steuerrichtung und Weg über 
Vol. die Literatur am Schluß,
	        
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