accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 64 (1936)

440 . = Amnalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1936. 
Wasser von 0° in die oberste Schicht des Gewrässers, Infolge des Schmelzens 
der‘ unzähligen Schneekristalle im Wasser wirdl eine erhebliche Menge Wärme 
verbraucht, die dem Oberflächenwasser entzogen. wird, Die abkühlende Wirkung 
des Schnees auf das Öberflächenwasser ist also zweifach. - 
Außer der Abkühlung bewirkt der Schneefall jedoch noch etwas anderes, 
und das ist das zweite: Dadurch, daß im Verlaufe des Schneefalls allmählich die 
Schneekristalle nicht vollständig schmelzen, bildet sich eine zähe Masse, die aus 
Schmelzwasser, Oberflächenwasser und Resten von Schneekristallen besteht, In 
der durch .die intensive Abkühlung vorbereiteten Masse liefern die unzähligen. 
winzigen Eiskerne schon. bei geringem Frost Ansatzpunkte für Neueisbildung, 
die dann das in der Masse verteilte Wasser ergrreift und rasch verfestigt. 
Von ganz besonderer Bedeutung ist der Sehneefall bei der Vereisung von 
salzreicheren Gewässern, Salzwasser besitzt ja. bekanntlich einen niedrigeren 
Gefrierpunkt als Süßwasser, er. liegt bei 10 %g Salzgehalt bei — 0.7°. Tritt nun 
Schneefall auf, dann entsteht auf der Oberfläche des Gewässers eine süßwasser- 
reiche dünne Schicht, die demnach den Gefrierpunkt schon bei 0° hat und außer- 
dem:.ja noch die günstigen Momente, wie sie der Schneebrei auch für die 
anderen. Gewässer besitzt. Der Unterschied in der Geschwindigkeit der Eis- 
bildung bei klarem Frost und bei Schneefall ist hier noch wesentlich höher, 
Man kann. es auch so ausdrücken, daß die zur Vereisung‘ nötige Frostsumme 
bei klarem Wetter ungleich größer sein. muß als bei Schneefall. 
Bei den. küstenferneren, in der Regel auch, salzreicheren Teilen der Meere, 
die im Bereich der Vereisungsmöglichkeit liegen, spielt die mit Schneefall ge- 
koppelte Vereisungsart meines Erachtens unbedingt die Hauptrolle; schon weil die 
Temperaturen über einer größeren Wasserfläche nicht so extrem niedrig liegen. 
Das Schnee-Eis (es mag hier zum Unterschied gegen das klare Frosteis so 
genannt werden) zeichnet sich durch seine besondere Beschaffenheit von dem 
durchsichtigen Blaueis aus, Es ist milchig weiß und sehr porös und lufthaltig, 
denn die Schneekristalle halten zahlreiche kleine Luftbläschen fest, Es bricht 
sehr leicht und besitzt infolgedessen auch nicht die Tragfähigkeit des homogenen 
Frosteises. Die Oberfläche ist meist sehr unregelmäßig, deren Entstehungs- 
bedingungen sehr wechselnd sein können. Die Schneemasse sondert sich, auch 
bei relatir windstillem Wetter, leicht in einzelne ballenartige Schollen, die bei der 
geringsten Luft- oder Wasserbewegung sich aneinander reiben und abrunden, 
Dabei entstehen hohe Ränder, die aus der Oberfläche als weiße, seharfe Kanten 
hervorragen; auf diese Weise kann Eis entstehen, das dem Tellereis sehr ähnlich 
sicht, nur daß es anderer Herkunft ist als dieses, Die Abbildungen 1a—6 ver- 
mitteln eine Anschauung von solchen Eisarten, die in den Größenverhältnissen 
sehr wechseln können, — von großen Schollen bis zu pfannkuchengroßen Klumpen, 
Bei windigem Wetter entstehen in der Schneemasse Zusammenschiebungen, 
die eine sehr unregelmäßige Oberfläche erzeugen, besonders wenn es zu Stau- 
erscheinungen an festen Gegenständen oder an Eisschollen anderer Herkunft 
kommt, Abbildung 2 zeigt solche kleinen Wälle, die wie die Falten eines’ zu- 
sammengestauchten Teppichs sich vor die Kante des Hindernisses, in diesem 
Falle das feste Hafeneis, legen. Der Schlittschuhläufer weiß solches Eis sehr 
unangenehm zu schätzen. 
Über die bei der. Eisbildung aus Schnee entstehenden Kleinformen geben 
Abbildung 8 und 4 Auskunft, Es handelt sich. um Nahaufnahmen. von Waken, 
die allmählich durch Schnee-Eis zufrieren. Von rechts, d.h. von Osten kommt 
das Schneetreiben, die Schneemasse ist deutlich sichtbar; sie greift fingerförmig 
immer weiter vor. Die:von der Peripherie entferntesten, zentralen Teile sind die 
stärksten. Ein Teil der Schneeflocken, die ins Wasser geraten, wird vom Winde 
getrieben und sammelt sich dann streifenförmig an dem entgegenstehenden 
Hindernis, das hier lose Eisschollen sind. Die einzelnen „Anwachsstreifen“ sind 
deutlich. erkennbar, Auf Abbildung 3 links oben ist schon wieder die nächste 
Wake mit ihren Breifiedern zu erkennen. Auf Abbildung 4 ist links oben noch 
der Rand der HEisscholle sichtbar, an dem. sich Teile des Schneebreies durch 
die Reibung aufgerichtet haben und nun schneeweiß in der Luft sich von der
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.